Die gute Magd

14. Jänner 2013, 17:04
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Farbenprächtige Kostüme und karge Kriegslandschaft: Bertolt Brechts "Der kaukasische Kreidekreis" im Landestheater Tirol

Innsbruck - Im Tiroler Landestheater rostet ein Sowjetpanzerwrack aus einem späteren Krieg. Hinter einem einsamen Baum erstrecken sich scheinbar die unendlichen Weiten des Kaukasus. Nach einem kurzen Vorspiel aus der Zeit der Gründung der Sowjetunion wird in Bertolt Brechts Stück "Der kaukasische Kreidekreis" die uralte Fabel der achtbaren Magd Grusche Vachnadze erzählt.

Grusche steht im Dienst des steinreichen Gouverneurs Georgi Abaschwili und dessen böser Frau Natella. Als die Revolte losbricht und der Gouverneur seinen Kopf einbüßt, ist die Gattin nur damit beschäftigt, ihre kostbaren Gewänder für die Flucht zu packen und vergisst ihren Sohn Michel. Grusche nimmt sich des zurückbleibenden Kindes an. Um dem Kind einen Vater zu geben, heiratet sie.

Als Jahre später die Gouverneursfrau Anspruch auf ihren Sohn erhebt, fällt der kauzige Dorfschreiber Azdak, den der Krieg auf den Richterstuhl gespült hat, mithilfe eines Kreidekreises ein salomonisches Urteil.

Regisseur Michael Lerchenberg zeigt - unterstützt von der Ausstattung (Bühne: Jörg Brombacher) und den farbenprächtigen wie stilsicheren Kostümen von Heide Schiffer El-Fouly - eindrucksvolle Bilder des versunkenen Zarenreichs.

Getragen wird der Abend von der sperrigen Musik Paul Dessaus (Musikalische Leitung: Wilhelm Hofmann) und der soliden schauspielerischen und gesanglichen Leistung des Ensembles. Allen voran seien Lisa Hörtnagl als Grusche, Andreas Wobig als Richter und Stefan Riedl als Sänger erwähnt. Die Schauspieler fungieren in mehreren Rollen und wechseln blitzschnell die Charaktere. Lerchenberg orientiert sich sehr am Originaltext, Überraschungen birgt die Inszenierung keine; dennoch ein gelungener Abend. (Dorothea Nikolussi-Salzer, DER STANDARD, 15.1.2013)

  • Das Gleichnis "Der kaukasische Kreidekreis", 1944 entstanden, behandelt das Verhältnis von Eigentum und Nützlichkeit.
    foto: hermann posch

    Das Gleichnis "Der kaukasische Kreidekreis", 1944 entstanden, behandelt das Verhältnis von Eigentum und Nützlichkeit.

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