Auch die Wega ist von zwei Gürteln umgeben

19. Jänner 2013, 18:00
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Aufbau des 25 Lichtjahre entfernten Sternsystems ähnelt unserem Sonnensystem - auch "Saurons Auge" zeigt Parallelen, aber hier fliegt ein Planet in die Irre

Washington - Die 25 Lichtjahre entfernte Wega ist einer der bekanntesten Sterne am Himmel und zugleich der zweithellste in der nördlichen Hemisphäre. Unserer Sonne ähnelt der bläulich-weiße Hauptreihenstern aber nur bedingt: Wega hat etwa die doppelte Masse und 37-fache Leuchtkraft, zudem ist sie erst etwa eine halbe Milliarde Jahre alt.

Und doch zeigt das Wega-System erstaunliche Parallelen zu unserem Sonnensystem, wie die NASA berichtet. Beobachtungsdaten des Spitzer-Teleskops der NASA und des Herschel-Teleskops der ESA legen nahe, dass Wega wie unsere Sonne von zwei Gürteln umgeben ist: Ein kleiner, vergleichweise warmer innerer Asteroidengürtel, der dem zwischen Mars und Jupiter entspricht. Und dazu in zehnfacher Distanz ein kalter äußerer Gürtel entsprechend unserem Kuipergürtel.

Alles etwas größer

Der Unterschied liegt in der Größenordnung. Das Wega-System ist nicht nur insgesamt größer, in Wegas Gürteln kreist zudem wesentlich mehr Material, was zwei Gründe haben dürfte: Zum einen hat sich das Wega-System aus einer größeren Gas- und Staubwolke gebildet als unser Sonnensystem. Zudem hatten Stern und Planeten hier erst ein Zehntel der Zeit, um "aufzuräumen".

Dass Wega auch Planeten hat, ist vorerst zwar nur eine Annahme. Sie liegt aber nahe, da die Lücke zwischen den beiden Gürteln so sehr der in unserem System ähnelt, wo vor allem die Gasriesen Platz geschaffen haben. Die Astronomin Kate Su von der University of Arizona sieht die Lücke als klares Anzeichen dafür, dass Wega von mehreren Planeten umkreist wird. Entdeckt konnten sie bislang noch nicht werden - wie auch die beiden Gürtel nur durch Infrarotaufnahmen ausgemacht werden konnten. Im sichtbaren Licht werden sie von der extrem hellen Wega überstrahlt.

Das Fomalhaut-System

Und noch ein System zeigt einen vergleichbaren Aufbau, wie Astronomen um Paul Kalas von der University of California berichten: Fomalhaut, ebenfalls etwa 25 Lichtjahre entfernt, ist der Wega sehr ähnlich, lediglich etwas jünger und heißer. Fomalhaut, der 2007 als "Saurons Auge" durch die Schlagzeilen geisterte, ist von einer Staubscheibe umgeben. Auch hier bildet der kosmische Schutt zwei voneinander getrennte Bänder, allerdings befindet sich das junge System noch immer in der "Umbauphase".

Bei Fomalhaut steht mittlerweile fest, dass es zumindest einen Planeten im System gibt. Der folgt auf seinem 2.000 Jahre währenden Orbit um den Stern einer extrem exzentrischen Bahn. Daten aus jüngsten Beobachtungen des Hubble-Teleskops ließen die Astronomen eine Bahn errechnen, deren äußerster Punkt fast sechsmal so weit vom Stern entfernt liegt wie der Punkt der größten Annäherung. Eine mögliche Ursache dafür ist, dass der als "Fomalhaut b" bezeichnete Planet von einem anderen, noch nicht entdeckten Planeten aus seiner ursprünglichen Bahn geschleudert wurde.

... und das könnte noch Folgen für ihn haben. Vorausgesetzt Fomalhaut b kreist in der selben Ebene wie die Staubscheibe um den Stern, wird er in etwa 20 Jahren in diese eindringen und einem Bombardement von Eis- und Gesteinsbrocken ausgesetzt sein. Die Astronomen hoffen auf ein ähnliches Spektakel wie damals im Jahr 1994, als der Komet Shoemaker-Levy 9 auf dem Jupiter einschlug. (red, derStandard.at, 19. 1. 2013)

  • Wenn wir einmal eine Raumsonde zur Wega schicken, würde sich ihr in etwa dieses Bild präsentieren.
    foto: nasa/jpl-caltech

    Wenn wir einmal eine Raumsonde zur Wega schicken, würde sich ihr in etwa dieses Bild präsentieren.

  • Von ihren Proportionen her ähneln sich die Systeme von Wega und Sonne verblüffend. Allerdings ist bei uns alles etwas kleiner dimensioniert, wie die Illustration in der Mitte unten zeigt. Sie stellt unser Sonnensystem im richtigen Größenverhältnis zum Wegasystem dar.
    foto: nasa/jpl-caltech

    Von ihren Proportionen her ähneln sich die Systeme von Wega und Sonne verblüffend. Allerdings ist bei uns alles etwas kleiner dimensioniert, wie die Illustration in der Mitte unten zeigt. Sie stellt unser Sonnensystem im richtigen Größenverhältnis zum Wegasystem dar.

  • Fomalhaut alias "Saurons Auge" mit seiner Staubscheibe und einem Planeten auf brisanter Bahn.
    foto: nasa, esa, p. kalas (university of california, berkeley und seti-institut)

    Fomalhaut alias "Saurons Auge" mit seiner Staubscheibe und einem Planeten auf brisanter Bahn.

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