Praktiker will nicht mit Baumax unters Dach

Armin Burger, Chef von Praktiker, verspricht für 2014 den Turnaround. Für Deutschland arbeitet er an einem Diskontkonzept

Wien - Neun Jahre lang trieb er die Expansion des Diskonters Hofer in Österreich und Osteuropa an. Bis er in die Führungsspitze des Mutterkonzerns Aldi Süd aufstieg und in der Branche zwischenzeitlich als Rewe-Österreich-Chef gehandelt wurde. Nach nur einem Jahr bei Aldi schied er 2009 gemeinsam mit einem Einkaufsmanager abrupt aus, offiziell wegen Differenzen über die Geschäftspolitik. Nun will er Praktiker sanieren.

Armin Burger trat vergangenen Oktober als Vorstandschef der maroden Baumarktkette an. Für 2014 verspricht er im Gespräch mit dem Standard den Turnaround. Praktiker hat 2011 mehr als 550 Millionen Euro Verlust verbucht. Preisdumping hatte den Handelsriesen mit seinen fast 20.000 Beschäftigten in die Krise manövriert. Immer wieder drohte die Insolvenz.

Das Sanierungskonzept sei vollständig durchfinanziert, sagt Burger. In Deutschland schlossen im Vorjahr elf Standorte, 14 weitere würden heuer noch aufgelassen. Für kleine Filialen überlege er ein urbanes Diskontkonzept mit halbem Sortiment. Dieses sei freilich keinesfalls an Hofer angelehnt.

24 Märkte wurden auf die servicestärkere Marke Max Bahr der Schwestergesellschaft umgebaut. Insgesamt soll rund die Hälfte der 220 deutschen Praktiker-Standorte umgeflaggt werden. Aus Österreich zog sich der Konzern wegen Misserfolgs 2007 zurück. Ein Wiedereinstieg wird ausgeschlossen.

Osteuropa reißt Loch in die Bilanzen

Praktiker erzielt ein Viertel des Geschäfts im Ausland. Osteuropa reißt ein Loch in die Bilanzen: Die Overheadkosten sind zu hoch, die Umsätze schwinden. Um die Verluste zu stoppen, will sich die Kette von Standorten trennen. Burger prüft dabei den kompletten Rückzug aus einzelnen Ländern. "Ich glaube nicht, dass sich der Osten in den kommenden Jahren nachhaltig erholt." Er stelle sich heuer auch in Deutschland auf zurückhaltenden Konsum ein.

Dass sich Praktiker mit Baumax, einem weiteren Patienten des Baumarkt-handels, in ein Bett legt, wie das Format unter Berufung auf Consulter berichtet, weist Burger entschieden zurück. "Das ist blanker Unfug." Kooperationen ermöglichten in Osteuropa schon Synergien, heißt es intern. Zwei notleidende Konzerne zusammenzuführen, sei jedoch unklug. Es gebe mit Praktiker kein Gespräch, lässt auch Baumax-Chef Martin Essl ausrichten. Baumax kämpft mit starken Problemen im Osten. Nach rasanter Expansion treten sich internationale Händler dort gegenseitig hart auf die Zehen. Anders als in Österreich ist die Branche im Osten auf wenige Bauherren angewiesen.

Sanierung vorerst gescheitert

Die Finanzierung von Baumax ist dank einer Geldspritze der Banken in Höhe von 80 Millionen Euro vorerst gesichert: Eigentümerfamilie Essl schoss wie berichtet zwölf Millionen Euro zu. Die Sanierung sieht Restrukturierungen in Rumänien, Bulgarien, Kroatien und strenges Reporting vor.

Praktiker, den mittlerweile zu wesentlichen Teilen die Österreicherin Isabella de Krassny und ihr Mann kontrollieren, entkam der Misere mit hohen Darlehen und einer Kapitalerhöhung. In die Sanierung eingebunden ist der Österreicher Erhard Grossnigg. Martina Dobringer, frühere Chefin des Kreditversicherers Coface, zieht in den Aufsichtsrat ein.

"Die meisten Planrechnungen werden derzeit übertroffen", versichert Burger. Dass man bessere Geschäfte mit Rabattaktionen erkaufe, weist er zurück. Das seien nur kurzfristige Maßnahmen. (Verena Kainrath, DER STANDARD; 12./13.1.2013)

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