"Wie man unsterblich wird": Letzte Wünsche von Kindern vor dem Tod

Rezension11. Jänner 2013, 18:21
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Stefan Rosenthal gelingt mit "Wie man unsterblich wird" eine berührende und unsentimentale Auseinandersetzung mit dem Sterben

Wien - Eine Mini-Disco, Schnaps, Zigaretten, Mädchen - Sam und sein Freund Felix leben nicht unbedingt das Leben eines Elf- beziehungsweise Dreizehnjährigen. Das liegt weniger am Sex-Drugs-and-Rock-'n' -Roll-Lebensstil, sondern daran, dass die Hauptfiguren in Sally Nicholls Romandebüt "Wie man unsterblich wird" an Leukämie leiden und nicht mehr lange zu leben haben. In einer Bearbeitung von Thomas Birkmeir wurde der Stoff nun im Theater im Zentrum uraufgeführt.

Im Mittelpunkt steht der elfjährige Sam (Stefan Rosenthal), der in einem Videotagebuch sein Leben mit Mutter (Stephanie K. Schreiter), Vater (Frank Panhans) und Schwester Ella (Tanja Raunig) dokumentiert. Gemeinsam mit dem dreizehnjährigen Felix (Joe Ellersdorfer) versucht er daneben, seine größten Wünsche umzusetzen: ein Mädchen küssen, eine Zigarette rauchen oder einen Weltrekord aufstellen - die kleinste Schrankdisco der Welt.

Eine Simulation der Reise

Regisseur Birkmeir nutzt das Medium Video, um die verschiedenen Orte der Handlung mit wenig Aufwand, aber viel Fantasie zu zeigen - möglich wird so nicht nur ein Einblick in die Disco im Kleiderschrank, sondern auch, mittels Himmelspanorama auf der Leinwand, eine Simulation der Reise, die die Familie überraschenderweise in einem Luftschiff macht.

Die Videoeinspielungen sind aber mehr als Spielereien. Zumeist ist auf der Leinwand Sams Videotagebuch zu sehen, also seine Sicht auf die Welt. Spürbar wird so die Einsamkeit, die das Leben mit seiner Krankheit für ihn bedeutet: umgeben von der Sorge seiner Familie, ihren hilflosen Fragen nach seinem Befinden, das sie als Gesunde doch selbst niemals nachspüren können.

Spagat gelungen

Stefan Rosenthal schafft mit Leichtigkeit den Spagat zwischen kindlicher Überdrehtheit, Angst und jener unnatürlichen Ernsthaftigkeit, die eine solche Situation einem Kind aufzwingt. Joe Ellersdorfer überzeugt als rebellischer Felix. In manchen Momenten gerät die Inszenierung, nicht zuletzt wegen der Musikuntermalung, ein wenig kitschig. Abgesehen davon ist Birkmeir eine berührende und weitgehend unsentimentale Auseinandersetzung mit dem Sterben gelungen. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 12.1.2013)

Ab 13 Jahren, bis 16. März

  • Das Medium Video  hilft, verschiedene Orte der Handlung mit wenig Aufwand und viel Fantasie zu zeigen.
    foto: rita newman

    Das Medium Video hilft, verschiedene Orte der Handlung mit wenig Aufwand und viel Fantasie zu zeigen.

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