TV-Frauenbilder: Herrschaftszeiten

11. Jänner 2013, 18:15
3 Postings

Was tut das Fernsehen, um die Dienstleistungsfähigkeit der Frauen ins rechte Licht zu rücken?

Die Debatte um die Wehrpflicht hat längst die schönere Hälfte des Menschengeschlechts erreicht. Aus dem berufenen Mund der Innenministerin war letzthin die Anregung zu hören, "den Zivildienst für Frauen auf freiwilliger Basis zu öffnen".

Das mag manchen bedrohlich in den Ohren geklungen haben. Schon heute fallen Pflege und Kinderaufzucht überwiegend in den weiblichen Kompetenzbereich. Viel zu viele Männer erachten die "freiwillige Basis", die die Teilung der Lasten von Grund auf ermöglichen soll, für äußerst schmal. Was aber tut das Fernsehen, um die Dienstleistungsfähigkeit der Frauen ins rechte Licht zu rücken? Richtig: Es sendet die gefühlte 23. Staffel von "Austria's next Topmodel".

Es ist noch immer jene rare Mischung aus Unterwürfigkeit und Widerstreben, die aus jungen, schön gewachsenen Damen den Rohstoff für die Haute-Couture-Schauen von morgen bildet.

In der donnerstägigen Ausgabe war es den Mädchen bestimmt, den Höcker eines Kamels zu erklimmen. Es galt, von der Höhe des Schwielensohlers herab in die ägyptische Wüste hinauszustarren. Und es gelang trefflich - in der Gluthitze der ägyptischen Wüste immer noch kalt und abweisend dreinzuschauen, als käme Hadschi Halef Omar auf einem Maultier herangeritten und nicht etwa Kara Ben Nemsi auf seinem Pferd Rih.

Ein paar Kanäle weiter spielte ZDF Kultur den Schinken "Coco Chanel & Igor Stravinsky". Traumschöne Chanel-Kostüme werden von Coco mit Nadeln abgesteckt. Der Komponist kritzelt währenddessen Noten. Durch das Umland von Paris grollt Le Sacre du Printemps. Herrscht Leere in Stravinskys Tonbaukasten, wird flugs ein bisschen Liebe gemacht. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 12./13.1.2013)

  • "Austria's Next Topmodel" in der Wüste.
    foto: puls 4/gerry frank

    "Austria's Next Topmodel" in der Wüste.

Share if you care.