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Fenninger: "Ich habe nicht das Verlangen, dass ich in Kitzbühel oder Wengen fahre."

Dafür hat sie Spaß im Tiefschnee.
Standard: Wie fühlt sich das Tiefschneefahren an für eine Rennläuferin, die hauptsächlich auf hart präparierten Pisten ihrem Geschäft nachgeht?
Fenninger: Lustig. Ich komm ja normal unter der Saison nicht viel dazu.
Standard: Macht das auch trainingstechnisch einen Sinn?
Fenninger: Wir haben es gemacht, um uns zu bewegen, ein Abfahrtstraining war nicht möglich. Aber es bringt auch sonst was. Man muss gut Skifahren im Gelände, und es ist sehr anstrengend.
Standard: Ist ein Heim-Weltcup für Sie eine größere Belastung als ein Skirennen irgendwo in der Welt?
Fenninger: Das Rennen selbst ist keine größere Belastung. Aber das Drumherum ist schon sehr mühsam.
Standard: Sie haben offenbar mehr Fans als manche Ihrer Kolleginnen. Lassen Sie sich abschotten?
Fenninger: Speziell abschotten tu ich mich nicht. Ich versuche, mich auf mich zu konzentrieren. Und ich schau, dass ich mich von den Mengen nicht zu sehr aufhalten lasse in meinem Plan an einem Renntag. Aber es gehört natürlich dazu. Und ist eigentlich das Schöne am Sport.
Standard: Sie haben Ihre Geschäfte im Vorjahr einer deutschen Agentur übergeben. Weshalb und wie ist es dazu gekommen?
Fenninger: Zufällig. Klaus Kärcher hat mir schon vor zwei Jahren eine Mail geschrieben, seine Agentur vorgestellt und angeboten, dass er mir helfen will. Ich hab mich zuerst gar nicht gerührt. Ich hab geglaubt, ich brauche kein Management, ich mach das alles selber. Aber im Vorjahr nach meinem Sieg in Bad Kleinkirchheim ist der Knackpunkt gekommen. Es ist mir einfach zu viel geworden. Da habe ich bemerkt, dass ich jemanden brauche, der mich unterstützt. Dann habe ich mich gemeldet.
Standard: Welche Personen stecken hinter dem Projekt Fenninger, wer ist am Erfolg beteiligt?
Fenninger: Zuerst die Familie, die mich schon mein ganzes Leben lang unterstützt, und mein Freund Manuel, das sind die Wichtigsten. Entscheidend sind auch meine eigene Konditionstrainerin Sandra Lahnsteiner und der ganze Verband.
Standard: Auch im Sport ist es offenbar so, dass man ein besseres Geschäft macht, wenn man gut ausschaut. Sehen Sie das auch so?
Fenninger: Gut auszuschauen ist sicher kein Nachteil. Das hat man oder hat man nicht. Das ist Glück oder Pech, da kann man nichts dafür, das ist kein Verdienst.
Standard: Im Skizirkus gibt es immer wieder Schlagzeilen über sogenannte Zickenkriege. Lindsey Vonn gegen Tina Maze, früher Vonn gegen Maria Riesch. Glauben Sie, dass das gut fürs Geschäft ist?
Fenninger: Vielleicht, es reden viele darüber. Mich persönlich nerven Zickenkriege. Ich weiß aber nicht, wie es bei den Leuten ankommt. Sicher braucht man immer wieder neue Gesprächsthemen. Sonst verschwindet man irgendwann von der Bildfläche. Ich bin aber ganz sicher nicht der Typ, der so etwas fördert.
Standard: Lindsey Vonn wünscht sich sehr, einmal bei den Männern mitfahren zu dürfen. Reizt Sie das auch?
Fenninger: Gar nicht. Ich sehe auch gar keinen Sinn dahinter, was ich bei den Männern verloren hätte. Jetzt fahren wir in St. Anton auf einer Herrenstrecke, und es jammern sehr viele, wie schwierig es ist. Ich denke, dass zwischen den Damen und Herren ein großer Unterschied ist, das sind vor allem die Strecken. Ich habe nicht das Verlangen, dass ich in Kitzbühel oder Wengen fahre. Ich finde, so wie es jetzt ist, so passt es.
Standard: Sie haben als Kind und als Schülerin und später im Europacup fast alles gewonnen. Im Weltcup gab es zu Beginn einen längeren Stillstand. Sorgte das für Irritation? Glaubt man, dass es immer so weiter geht mit den Erfolgen?
Fenninger: Das war nicht einfach für mich. Ich hab zwar gewusst, dass es nicht immer perfekt laufen kann, aber ich war gewohnt, dass alles immer ganz leicht geht. Dann ist es ein paar Jahre eben schwerer gegangen. Jetzt glaube ich, dass das für mich positiv war. Ich hab in dieser Zeit extrem viel gelernt. Und bin dadurch die Persönlichkeit geworden, die ich bin. Für mich ist das jetzt alles nicht selbstverständlich. Ich weiß, dass man viel dafür tun muss, damit es gut läuft.
Standard: Sind damals auch Fehler passiert? War es richtig, gleich alles zu wollen, es in allen Disziplinen zu probieren?
Fenninger: Im Nachhinein hätte man sicher einiges anders machen können. Ich denke aber, es passiert nichts ohne Grund. Vielleicht war es auch der Weg, den ich gehen hab müssen, um jetzt da zu sein, wo ich jetzt bin.
Standard: Wer ist schuld daran, dass Sie Skirennläuferin geworden sind?
Fenninger: Meine Cousine und mein Cousin sind älter als ich, die sind Kinderrennen gefahren. Also wollte ich es auch. Im Skiklub hat es mir immer Spaß gemacht, und als ich älter geworden bin, war mein bester Förderer mein Papa, der hat mich in der Jugend begleitet. Als ich zum ÖSV gekommen bin, war für mich sowieso alles klar.
Standard: Werden Sie Slalom auch ins Programm aufnehmen?
Fenninger: Der Spezialslalom ist sicher kein Thema. Mir reicht es, wenn ich in vier Disziplinen vorne mitfahren kann, im Riesenslalom, im Super-G, in der Abfahrt und in der Kombi.
Standard: Sie haben sich bei einem Foto-Shooting als Raubkatze präsentiert, um sich für das Leben der wilden Geparden zu engagieren. Wie kam es dazu?
Fenninger: Die Idee war vom Fotografen Thomas Kettner. Der ist jetzt in Namibia. Ich will auch mithelfen, dass die Geparden nicht aussterben. Ich finde das Projekt super. Wenn die Popularität was Gutes hat, dann das. Im Sommer werde ich nach Südafrika fliegen und mir die Geparden anschauen.
Standard: Woher kommt die Liebe zu den Tieren?
Fenninger: Bis ich sechs war, bin ich bei meinen Großeltern auf dem Bauernhof aufgewachsen. Dann haben meine Eltern ein ganz normales Einfamilienhaus gebaut. (Benno Zelsacher, DER STANDARD, 12./13.01.2013)
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