Dichand und WAZ schlossen Frieden

11. Jänner 2013, 17:06
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Seit Jahrzehnten streiten die Familie Dichand und der deutsche Medienkonzern WAZ um das Sagen bei der "Krone". Nun haben die Hälfteeigner von Österreichs größter Zeitung nach STANDARD-Informationen Streitpunkte vor Schiedsgerichten beigelegt

Die abgedroschensten Bilder könnte man bemühen vom Fest des Friedens, Weihnachtsfrieden und Stiller Nacht. Doch die Gelegenheit zum Frieden zwischen WAZ und Familie Dichand hätte sich schon das eine oder andere Jahrzehnt geboten. So lange streiten die Krone-Eigner über allerlei, meist vor Schiedsgerichten nach Schweizer Recht. 

Im Dezember 2012 aber haben sie nach STANDARD-Infos nun tatsächlich wesentliche Streitigkeiten beigelegt. Die Beteiligten schweigen wie bei derlei Deals üblich und beharrlicher als im Streit.

Nach STANDARD-Infos einigten sich die Krone-Eigner etwa auf:

  • Herausgeber Die WAZ erkennt diese Funktion von Chefredakteur Christoph Dichand, zugleich Sprecher der Erben des Krone-Gründers Hans Dichand, an. Die Deutschen hatten infrage gestellt, ob Hans Dichand seinen Sohn formal korrekt vor seinem Tod zum Herausgeber ernannt hat.
  • Doppelchefredaktion Die Dichands akzeptieren den von der WAZ bestellten geschäftsführenden Co Christoph Dichands, Georg Wailand. Die Besetzung hat freilich schon 2012 ein Schiedsgericht der WAZ zugesprochen.
  • Geschäftsführer Allseits akzeptierte Verträge als Krone-Manager erhielten den Infos zufolge der langjährige Krone-Geschäftsführer Wolfgang Altermann und sein Co von der WAZ, Axel Kroll.
  • Abopreis Die WAZ und Kurier-Mitgesellschafter Raiffeisen setzten mit Mehrheit in der Mediaprint und gegen den Willen der Dichands schon 2012 höhere Abopreise für die Krone durch. Auch das war Thema vor einem Schweizer Schiedsgericht. Nun haben die die Dichands akzeptiert. Bei einem Auflagenriesen wie der Krone mit rund 686.000 Abos bedeuten auch 1,10 Euro mehr pro Monat und Abo ordentlich Geld. Die WAZ anerkennt im Gegenzug die Pflicht der Krone-Gesellschafter, in der Mediaprint gemeinsam zu stimmen. 

Den Widerstand der Dichands interpretierten Branchenkenner als Versuch, den Wert der Krone für eine Übernahme der WAZ-Anteile möglichst gering zu halten, was diese dementierten. Auf die Anteile, womöglich gar eine Krone-Mehrheit, spekulierte zuletzt auch Investor Ronnie Pecik. „Das ist mit der Einigung in weite Ferne gerückt", sagt ein Informierter.

Und doch ist keine Rede von rundum Frieden: Über die Struktur der Mediaprint streiten Krone und Kurier munter weiter. 

Und auch in der Krone ist nicht alles Wonne Waschtrog: Fragen der Gewinngarantie sind nach STANDARD-Infos von dem Deal ausgeklammert. Damit bleibt eine millionenschwere Forderung der Dichands strittig: Der Gesellschaftervertrag mit der WAZ sichert der Gründerfamilie mehr als 8,5 Millionen Euro Garantiegewinn im Jahr zu, auch wenn die Krone das nicht abwirft. 2008/9 war so ein Geschäftsjahr, die WAZ weigerte sich bisher unter Berufung auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofs in einer anderen Causa zu zahlen. (Renate Graber, Harald Fidler, DER STANDARD, 12./13.1.2013)

  • Mediaprint vor dem damals gar nicht heiteren Bezirksgericht 2011: Erwin Hameseder (Raiffeisen), WAZ-Anwalt Daniel Charim, Christoph Dichand (" Krone"), Thomas Kralinger ("Kurier", Mediaprint), "Kurier"-Anwalt Wolfgang Vinatzer, WAZ-Chef Christian Nienhaus.
    foto: standard/fischer

    Mediaprint vor dem damals gar nicht heiteren Bezirksgericht 2011: Erwin Hameseder (Raiffeisen), WAZ-Anwalt Daniel Charim, Christoph Dichand (" Krone"), Thomas Kralinger ("Kurier", Mediaprint), "Kurier"-Anwalt Wolfgang Vinatzer, WAZ-Chef Christian Nienhaus.

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