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Uni-Absolventen zieht es wieder ins vermeintlich sichere Umfeld großer Firmen, sagt Karriereforscherin Katharina Chudzikowski.
STANDARD: Was geht aus Ihren Forschungen zu den Berufsbiografien der Absolventen hervor? Radikale Neuentwürfe von Karrieren?
Chudzikowski: Eigentlich im Ge genteil: Der Wunsch nach strukturierter Karriereplanung in einer Organisation ist wieder verstärkt da, die Globalisierung erzeugt offenbar weniger risikofreudiges Ver halten. Der Imperativ der "Employability" wird als starke Last empfunden, und die Kohorten der Absolventen 2010 haben offenbar die Vorstellung, dass das in einer Organisation leichter und sicherer zu bewerkstelligen ist. In den Absolventengruppen der Vorjahre war mehr außerorganisationaler Karrierewunsch da, mehr sogenannte "career-preneurship", also selbstentworfene Karrierewege.
STANDARD: Nicht sehr innovativ, nicht unbedingt geeignet, Neues in die Jobwelt zu bringen ...
Chudzikowski: Na ja, Unternehmen haben ja auch nachgezogen und bieten mehr an Flexibilität, traditionelle Karrierephasen sind aufgebrochen, und Junge können früh Verantwortung übernehmen. Ich glaube auch nicht, dass eine Abkoppelung aus klassischen Hierarchien nur Rhetorik ist, da hat sich in Firmen einiges bewegt, Employer-Branding zeigt seine Wirkung.
STANDARD: Der gute alte Karrierenbegriff aus Macht, Geld, Erfolg hält also?
Chudzikowski: Ich nehme stärkere Extrempole wahr, also einerseits Macht, Geld, Aufsteigen. Andererseits jene, die sagen, dass das kein Thema mehr ist. Insgesamt wird aber die Frage, was denn Karriere sei, stärker reflektiert.
STANDARD: Auch gezwungenerweise, denn dass in puncto Vereinbarkeit oder in puncto Integration Älterer alles zum Besten stünde, kann man ja nicht behaupten ...
Chudzikowski: Grundsätzlich nimmt der Druck zu, die Leistungsnorm ist stark - vielleicht mehr implizit als explizit. Die Thematik Selbstverwirklichung und Beruf erfordert Entscheidungen, das ist schon richtig. Der Konkurrenzdruck unter den gut Ausgebildeten ist auch enorm, Leute zahlen sich teilweise teure Ausbildungen selbst, um dabeizubleiben. Und: Ja, Vereinbarkeit ist Verhandlungssache, wird aber immer präsenter in Unternehmen, und die müssen sich damit beschäf tigen. Die klassische Breadwin ner-Rolle wird von Männern reflektiert.
STANDARD: Und die Bereitschaft zur vielgeforderten Mobilität?
Chudzikowski: Das halte ich für überbewertet. Natürlich ist die Außenperspektive wichtig, aber Leute in ganz Europa im Kreis zu schicken kostet viel Geld, und es ist fraglich, ob der Kompetenzenzuwachs so stattfindet.
STANDARD: Schauen die neuen Bachelor-Generationen freudvoll auf die Jobwelt?
Chudzikowski: Wir nehmen wahr, dass sich die Bachelors teilweise selbst entwerten und mit der kurzen Ausbildung nicht gut zurechtkommen. Insgesamt fehlt die Zeit zum Reflektieren, zum Nach-links-und-rechts-Schauen. (Karin Bauer, DER STANDARD, 12./13.1.2013)
Katharina Chudzikowski ist Assistenzprofessorin an der WU Wien mit Forschungsschwerpunkt Karriere- und Laufbahnforschung.
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wir jungen wünschen uns doch alle
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Das stimmt, allerdings braucht es zur Karriere halt auch etwas Mut, Risikofreude und die Bereitschaft dafür auch ab und zu die persönliche "Komfortzone" (sei es in Form geregelter Arbeitszeiten und -orte, sowie Bereitschaft zu Mehrarbeit) zu verlassen.
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