ÖVP-Landesrätin: "Separieren in Vorschulklassen nicht sinnvoll"

Rosa Winkler-Hermaden, 11. Jänner 2013, 10:12
  • "Je früher, desto besser", lautet in Niederösterreich die Devise beim Spracherwerb.
    foto: standard/corn

    "Je früher, desto besser", lautet in Niederösterreich die Devise beim Spracherwerb.

  • Barbara Schwarz: "Wir bemühen uns sehr um die Kinder mit Migrationshintergrund."
    foto: apa/vpnö/gerhard schnabl

    Barbara Schwarz: "Wir bemühen uns sehr um die Kinder mit Migrationshintergrund."

Niederösterreich gegen Vorschlag von Sebastian Kurz: Familienlandesrätin Barbara Schwarz setzt bei der Sprachförderung auf den Kindergarten

In Niederösterreich besuchen jährlich rund 48.000 Kinder einen Kindergarten. 8.000 davon sind mehrsprachig beziehungsweise haben Migrationshintergrund. Um diese Kinder beim Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen, setzt das Land 79 interkulturelle Mitarbeiter ein. Sie sprechen zusammen mehr als 20 Sprachen, darunter Türkisch, Bosnisch, Serbisch und Polnisch, und pilgern von Kindergarten zu Kindergarten, um spezielle Sprachübungen mit den Kindern abzuhalten.

Das Land Niederösterreich setzt seit mehr als zehn Jahren auf diese Methode und zieht nun eine positive Bilanz. "Sowohl Kinder als auch Eltern profitieren", sagt Bildungslandesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) zu derStandard.at. Vor allem die Wertschätzung, die die Migrantenfamilien erhielten, trage viel zum Integrationsprozess bei.

Schwerpunkt im Kindergarten

Die Fördermaßnahme soll nun ausgebaut werden. Im Laufe des Jahres ist geplant, die Zahl der interkulturellen MitarbeiterInnen zu verdoppeln, eine für ihren Einsatz eine maßgeschneiderte Ausbildung erhalten sie schon bisher.

"Je früher man ansetzt, desto besser", sagt Landesrätin Schwarz. "Wir bemühen uns sehr um die Kinder mit Migrationshintergrund. Wir setzen den Schwerpunkt für den Spracherwerb im Kindergarten, weil sich die Kinder da einfach noch leichter tun." Sie lobt die hohe Anzahl an Kindern, die den Kindergarten - in Niederösterreich sind alle drei Jahre gratis - besuchen. "Weit über 90 Prozent" würden das Angebot in Anspruch nehmen.

Deutsch in Vorschule

Einen anderen Ansatz verfolgt Schwarz' Parteikollege, Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz: Er will die Sprachdefizite in der Vorschule beseitigen. In Österreich aufgewachsene Kinder ohne ausreichende Sprachkenntnisse sollten im Rahmen eines Vorschulsystems ein Deutsch-Förderjahr absolvieren, bevor sie den Unterricht in ihrer Stammklasse besuchen können, sagte er im Herbst.

Zu Jahresbeginn wiederholte Kurz seine Forderung, die Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) mit dem Hinweis abgelehnt hatte, dass sie keine Ghettoklassen schaffen wolle. Doch mittlerweile kann sich auch Schmied vorstellen, die Schuleinschreibung an die Überprüfung der Sprachkenntnisse zu koppeln und Vorschulklassen einzurichten.

Niederösterreichs Landesrätin Schwarz sagt: "Die Vorschule ist eine gute Möglichkeit zu sagen, ich gebe mein Kind hin, wenn ich ihm noch ein bisschen Zeit geben will. Kinder sind unterschiedlich schnell in ihrer Entwicklung." Migrantenkinder generell in Vorschulklassen zu stecken lehnt sie jedoch ab: "Die Kinder zu separieren im Sinne von vollkommen trennen würde ich persönlich nicht so sinnvoll finden wie einen gemeinsamen Unterricht mit einem Schwerpunkt für zusätzlichen Deutschunterricht für jene, die ihn noch brauchen."

Kinder würden sich untereinander die Sprache auch vermitteln. "Gleichaltrige haben einen hohen Willen, sich auszutauschen", sagt Schwarz.

Umsetzung schwierig

Die Familienlandesrätin sieht in Niederösterreich die Nachfrage nach eigenen Vorschulklassen aber ohnehin nicht gegeben: "Die Diskussion über ein Vorschuljahr wird uns nicht besonders stark treffen, weil wir die meisten Kinder schon vorher fördern." Bei einer verpflichtenden Umsetzung würde es außerdem Probleme geben, denn es gibt nicht an jedem Schulstandort Vorschulklassen.

Schwarz versteht es, wenn die Bundeshauptstadt hier vor anderen Problemen steht als Niederösterreich: "Natürlich gibt es in Wien mehr Schulen mit Kindern mit Förderbedarf. Da muss man sich natürlich überlegen, wie schaffe ich das frühzeitig." Doch sie ist überzeugt: "Ein schulreifes Kind ist sehr rasch in der Lage, Fehlendes aufzuholen. An der Sprache alleine scheitert die Schullaufbahn nicht." Auch Schulabbrecher seien nicht nur diejenigen, die Deutschdefizite haben. Hier spiele das soziale Umfeld eine große Rolle.

Sprachförderung als Gesamtpaket

Sie appelliert, die Deutsch-Vorschulklassen nur als einen Teil eines gesamten Sprachförderungspaket für Kinder zu sehen. Ihrer Einschätzung nach ist die Position von Sebastian Kurz aber nicht allzu weit entfernt von jener, die sie vertritt. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 11.1.2013)

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eine

weitere völlig nutzlose Stimme in der Kakaphonie, alle sind dafür, keiner tut etwas, in der Realität wird alles derzeit endgültig kaputtgespart

Völlig wurscht wo die Sprache gefördert wird.
Hauptsache es wird etwas getan,damit nicht noch eine verlorene Generation herangezüchtet wird!

Tausendmal Ja! Recht haben Sie

Egal wo, Hauptsache dass....

Wegen der deutssprachigen Kinder, weil sie nicht dafür büßen müssen, dass ihre Klassenkameraden (m&w) nicht deutsch können und dadurch bremsen

Falsch!

Es stimmt einfach nicht, dass mangelnde Deutschkenntnisse für Kinder kein Problem sind! Ich als Praktikerin an einer Wiener AHS bin mir mit meinen KollegInnen einig: es ist wirklich diskriminierend, wenn Kinder ohne ausreichende Kenntnis der Unterrichtssprache in die Schule geschickt werden und so kaum jemals die Chance haben, sprachlich mit den anderen Kindern gleichzuziehen. Sie schleppen dieses Defizit meist jahrelang mit sich und scheitern spätestens im 5. Schuljahr an Textaufgaben in Mathematik und den (bereits SEHR vereinfachten) Texten der Schulbücher. Sie verstehen Wörter wie "Felsen" oder "Kuchenform" nicht und machen in Aufsätzen von 200 Wörtern 50 und mehr schwerste Fehler. Wie sollen diese Kinder je eine Matura schaffen?

Wie kann es sein das ein Kind mit 50 Fehlern im Aufsatz die 5. Klasse erreicht??

Nicht die fünfte Klasse. Die fünfte Schulstufe. Und es kann deshalb sein, weil die VolksschullehrerInnen solchen Kindern - aus welchen Gründen auch immer - eine Zwei in Deutsch geben und sie so ohne Aufnahmsprüfung (welche sie niemals bestehen würden) ins Gymnasium kommen.

Aha, so läuft das. Mit solchen Benotungen tut man den Kindern wahrlich nichts Gutes, und blendet womöglich die Eltern. Man sollte die Volksschule wieder ernster nehmen, und entsprechend benoten.

Ganz abgesehen davon, was mit dem Selbstwertgefühl passiert,

wenn ein Kind in eine Klasse kommt, deren Sprache es nicht versteht.

Endlich mal die Wahrheit

Mir reicht dieses Herumgelüge, dass dem nicht so wäre....kenne es auch aus de Erfahrung in den Schulen meiner Kinder......an LINKS und GRÜN hört's auf zu träumen!!!!!!!! Und schaut's der Realität in die Augen

Angebot/Nachfrage

Wie wäre es, würde man ganz einfach beide Modelle anbieten und die Eltern entscheiden lassen, wo sie ihre Kinder unterbringen wollen?

Gezielte Sprachförderung im Kindergarten scheitert an den fehlenden Rahmenbedingungen

Diskussionen wie diese tragen dazu bei, dass dem Kindergarten eine Verantwortung zugeschoben wird, die unter den bestehenBedingungen nicht wahrgenommen werden kann.

Die Plattform EduCare weist seit Jahren darauf hin, dass die Rahmenbedingungen in den Kindergärten zu vereinheitlichen und zu verbessern sind.
Die Gruppengröße muss reduziert werden, es muss doppelt so viel Personal eingestellt werden und die Aus- und Weiterbildung der PädagogInnen muss verbessert werden.

Ansätze dafür sind vorhanden. Sie müssen rasch umgesetzt werden, damit nicht weitere populistische Forderungen auf dem Rücken von Kindern, Eltern und PädagogInnen ausgetragen werden.

Ansätze dafür sind vorhanden. Sie müssen nur rasch umgesetzt werden!

Sprachförderklassen untergraben das Selbstvertrauen

Sprachförderklassen untergraben das Selbstvertrauen von Kindern Schulerfolg hängt nicht alleine davon ab, wie gut oder schlecht ein Kind Deutsch verstehen, sprechen und schreiben kann. Schulerfolg hat ganz viel mit einem guten Selbstvertrauen zu tun. Kinder, denen von Anfang an klar gemacht wird, dass sie ein Defizit haben, werden sich schwer damit tun, sich selbst etwas zu zutrauen. Kinder, die unter Druck in einem Jahr Deutsch lernen müssen, werden es schwer haben einen positiven Zugang zur Sprache zu finden. Vielleicht werden Viele ein Leben lang mit der Sprache Deutsch die Sprache der Mächtigen und der Autoritäten verbinden.

Plattform EDUCARE??? Wie wäre es mit einem DEUTSCHEN Namen???

Diese ewigen Anglizismen in der Deutschen Sprache führen dazu, dass Deutsch als minderwertige Sprache angesehen wird.

Kinder mögen vielleicht am Anfang denken, dass eine Förderklasse nur "für die Schlechten" ist. Sobald diese aber sehen, dass sie sich selbst verbessern und Lob bekommen, werden sie sogar gerne in diese Klassen gehen. Kinder in diesem Alter lernen für die LehrerInnen!!!!

"Schulerfolg hängt nicht alleine davon ab, wie gut oder schlecht ein Kind Deutsch verstehen, sprechen und schreiben kann." -

Vielleicht nicht allein davon, aber zu einem sehr großen Anteil!

Falsch

Selbstvertrauen bekomme ich nicht durch durchmischte Klassen, sondern dadurch dass mein Lernen von Resultaten gekrönt ist. Die machen einen sicher!

Außerdem: Wie durchmischt sind Klassen, in denen 2 Schüler Deutsch als Muttersprache haben???

Dann sind eben die Deutschsprecher die Parias.

Die haben's dan "resch". Hoffentlich haben die Eltern dann die Möglichkeit sie in eine Privatschule zu schicken, sonst sind sie ziemlich chancenlos.
Übrigens: Ich habe einen türkischen Arbeitskollegen, der seine Kinder in eine Privatschule schickt, weil ihm seine Kinder zu schade für eine öffentliche Schule sind.

Deutsch lernen ist nicht dasselbe wie Sprachförderung

Sprachförderung muss in den Alltag der Kinder integriert werden. Wer jemals gesehen hat, wie schnell Kinder im Alter ab 2 Jahren eine Zweitsprache erlernen, weil sie sie für das gemeinsame Spiel mit den anderen Kindern in der Gruppe brauchen, weiß, dass dies die effizienteste und für das Kind die sicherste Variante ist, die Sprache zu erlernen. Die eigene Sprache sollte dabei nicht vernachlässigt werden. Bilderbücher, Gedichte, Lieder, Tänze in der jeweiligen Muttersprache bilden die Grundlage dafür, dass jedes Kind seine eigene kulturelle Identität entwickeln kann und dass Deutsch als Zweitsprache eine willkommene Ergänzung ist.

Gezielte Sprachförderung im Kindergarten scheitert an den fehlenden Rahmenbedingungen

Die Plattform EduCare weist seit Jahren darauf hin, dass die Rahmenbedingungen in den Kindergärten zu vereinheitlichen und zu verbessern sind. Die Gruppengröße muss reduziert werden, es muss doppelt so viel Personal eingestellt werden - und die Aus- und Weiterbildung der PädagogInnen muss verbessert werden.
Die KindergartenpädagogInnen werden zu Tätigkeiten herangezogen, für die sie nicht (genügend) ausgebildet sind - wie eben in der ganzen Problematik der Sprachförderung für inländische Buben und Mädchen und schon gar nicht für Deutsch als Zweitsprache...

Diskussionen wie diese tragen dazu bei, dass dem Kindergarten eine Verantwortung zugeschoben wird, die unter den bestehenden Bedingungen nicht wahrgenommen werden kann.

dann dürfte es in NÖ keine Probleme geben. Gibt es aber.

als erscheinung

ist sie angenehmer als die andere. man gibt sich ja schon bald zufrieden.

die schwarze schwarz. und doch blond?!

zumindest einzelne stimmen in ö doch gegen ein apartheitssystem.

Das mag in Neulegbach oder Zwettl stimmen. Aber wenn 80% der Mitschüler nicht Deutsch als Muttersprache haben, werden sie die Apartheit plötzlich gar nicht mehr so schlimm finden und sehr viel Geld ausgeben, um ihr Kind in eine private Volksschule zu schicken.
Sie werden es wahrscheinlich nicht zugeben, weil das schickt sich natürlich für einen Grünwähler nicht.

Stattdessen werden sie von den Vorzügen der Montessoripädagogik schwärmen, aber zu guter Letzt lauft es in einigen Wiener Bezirken genau auf diese Apartheit hinaus:
Dort schicken nur noch die ganz armen Leute ihre Kinder in die öffentliche Schule, weil sie sich die private Schule nicht leisten können.

bin verwirrt..

övp-politiker die nicht für eine sofortige trennung der schüler, je nach einkommen und parteibuch der eltern, eintreten?

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