Mariahilfer Straße neu: "Dass betroffene Anrainer skeptischer sind, ist klar"

Interview11. Jänner 2013, 08:48
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Thomas Blimlinger, grüner Bezirkschef von Neubau, will nur Anrainer bei verkehrsberuhigenden Maßnahmen mitreden lassen

Der Bezirkschef von Wien-Neubau, Thomas Blimlinger (Grüne), möchte nur die direkten Anrainer bei den verkehrsberuhigenden Maßnahmen für die Mariahilfer Straße mitreden lassen und hat "wenig Mitleid" mit Kurzstreckenautofahrern.

STANDARD: Werden die Anrainer der Mariahilfer Straße im 6. und 7. Bezirk bei der Befragung über eine Fußgängerzone abstimmen oder nur über verkehrsberuhigende Maßnahmen?

Blimlinger: Die Entscheidung, dass die Mariahilfer Straße verkehrsberuhigt werden soll, ist de facto schon vor einem Jahr gefallen. Jetzt sind wir ja schon viel weiter, und es geht genau um die Fragen der möglichen Querungen und der Buslinie 2A. Es wird in der kommenden Woche eine Besprechung zwischen den beiden Bezirken und der Stadt geben, bei der es um die konkreten Fragen geht und auch darum, welcher Kreis der Anrainer abstimmen soll. Es besteht allerdings Konsens, dass der größtmögliche Teil der von den Maßnahmen Betroffenen mitreden soll.

STANDARD: Welche Anrainer sind das Ihrer Ansicht nach?

Blimlinger: Ich würde sagen, das sind die Bewohner der ersten beiden Häuserblocks. Allerdings müsste es etwa in der Schottenfeldgasse, die derzeit sehr viel Verkehr in die Mariahilfer Straße bringt, ein größerer Teil der Anrainer sein. Noch dazu müssen wir darauf achten, dass sowohl in Neubau als auch in Mariahilf ungefähr die gleiche Anzahl von Menschen zu derselben Straßenverbindung befragt wird.

STANDARD: Warum werden nicht alle Bezirksbewohner befragt?

Blimlinger: Wenn Sie in ganz Wien eine Umfrage zur Mariahilfer Straße machen würden, wären wahrscheinlich 70 bis 80 Prozent für eine Verkehrsberuhigung. Dass die direkt betroffenen Anrainer skeptischer sind, ist klar. Daher sollen sie entscheiden.

STANDARD: Was sind die größten Befürchtungen der Leute in Neubau?

Blimlinger: Wie sie zu ihrer Wohnung gelangen. Ich sage auch immer allen, dass das danach in der Tat schwieriger und mit mehr Umwegen verbunden sein kann. Da das aber für alle so ist, bedeutet das auch, dass der Verkehr insgesamt zurückgehen wird. Das haben alle Untersuchungen gezeigt, weil der Umweg vielen dann doch zu groß ist. Und dadurch wird auch in den angrenzenden Bezirken der Verkehr beruhigt.

STANDARD: Studien haben gezeigt, dass der Verkehr in Neubau und Mariahilf größtenteils hausgemacht ist. Warum fahren so viele Menschen zwischen den Bezirken mit dem Auto?

Blimlinger: Es gab auch wütende E-Mails von Leuten, die darauf bestehen, dass sie auch weiterhin einen Block vom 7. in den 6. Bezirk mit dem Auto fahren wollen. Da habe ich dann allerdings wenig Mitleid.

STANDARD: Apropos beruhigte Bezirke: Man hat den Eindruck, dass Sie und Ihre rote Amtskollegin im 6. Bezirk rasch einig waren. Mehr Zwist soll es zwischen der SPÖ in den zwei Bezirken gegeben haben. Haben Sie das auch so erlebt?

Blimlinger: Dem kann man fast nicht widersprechen. Renate Kaufmann und ich kommen gut miteinander aus, und wir sind uns in den meisten Punkten einig. Ich hoffe, dass man sich auch SP-intern in den nächsten Tagen einigt.

STANDARD: Die SP-Neubau hat bei einem VP-/FP-Antrag mitgestimmt, dass auch das Thema Fußgängerzone abgefragt werden soll.

Blimlinger: Ich würde mir wünschen, dass Grün-Rot im Bezirk ähnlich gut funktioniert wie Rot-Grün in Wien.

STANDARD: Wie funktioniert Rot-Grün in Wien?

Blimlinger: Ich war vor zwei Jahren sehr skeptisch. Aber ich denke jetzt, dass es gut funktioniert.

STANDARD: Wann wird die Anrainerbefragung stattfinden? Der gewünschte Jänner-Termin wird sich wohl nicht mehr ausgehen?

Blimlinger: Der Jänner wird sich nicht mehr ganz ausgehen, aber Mitte Februar sollte das Ergebnis feststehen. (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD, 11.1.2013)

Thomas Blimlinger (56) hat Volkswirtschaft studiert und wurde 2001 der erste grüne Bezirksvorsteher Wiens. Bei der Wahl 2010 erhielten die Grünen in Neubau 45 Prozent der Stimmen.

  • Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger hofft, dass sich auch die SPÖ intern einigt.
    foto: andy urban

    Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger hofft, dass sich auch die SPÖ intern einigt.

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