"Die drei Kühe": Von Matrei nach Guadalajara

10. Jänner 2013, 18:39
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Max Bair und Egon Erwin Kischs "Die drei Kühe" - eine Buchpräsentation am Freitag in Lingenau

"Dass jemand seine Kühe verkauft, damit er in Spanien gegen den Faschismus kämpfen könne, schien ihnen maßlos komisch." Mit "ihnen" meint Egon Erwin Kisch die Kameraden Max Bairs, die sich an seiner Seite engagiert hatten und nun wie der junge Tiroler, "zwanzig Jahre alt, im Weltkrieg geboren", im Lazarett lagen.

Da der Bruder des Journalisten und Schriftstellers dort operierte, kam es zur Bekanntschaft zwischen dem Reporter mit dem selbstgewählten Epitheton ornans und jenem Genossen, der zwar nur einen Monat an der Front stand, aber zu einem berühmten Protagonisten des bewaffneten Widerstandes werden sollte.

In der weiteren Rezeption schienen Bairs Politisierung und ihre Konsequenzen nämlich nicht "maßlos komisch", sondern vielmehr beeindruckend und in linken Zusammenhängen vorbildlich. Max Bair, der vom Wipptal nach Paris aufgebrochen war, um sich einzubringen, brachte es über Lebensabschnitte als Partisanencoach und als Spionagefall bis zum DDR-Mathematiker. 2000 starb er unter falschem Namen. Egon Erwin Kisch war dem Tiroler väterlich verbunden geblieben.

Sein Text Die drei Kühe, der zu Bairs Werdegang einiges beigetragen haben dürfte, gelangte von Madrid über Moskau und London in die ganze Welt. Der heimatlichen Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit wurde er 1980 in der ersten Ausgabe des fürderhin den kritischen Tirol-Diskurs prägenden Gaismair-Kalenders präsentiert. 2012 besorgte Joachim Gatterer in der Edition Raetia in Bozen eine Neuausgabe. Als Illustrationen wurden wieder jene des Plakatkünstlers Amado Oliver Mauprivez aus der Broschüre von 1938 verwendet.

Gatterer, der Kischs Bericht in literarische und politische Kontexte eingebettet hat, präsentiert das Buch auf Einladung des Kulturforums Bregenzerwald. Wolfgang Weber referiert über Kommunisten in der Region. (pen, DER STANDARD, 11.1.2013)

Kulturraum, Hof 15 ("gegenüber Wäldersaal"), Lingenau, 20.00

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    foto: edition raetia
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