Ein Salzburger Tunnel für den Hochleistungszug Paris - Bratislava

10. Jänner 2013, 18:47
159 Postings

Ein 14 Kilometer langer Tunnel ist Herzstück des Trassenkonzepts nördlich der Landeshauptstadt

Salzburg - Die ÖBB treiben den Ausbau der Westbahnstrecke voran. Am Donnerstag stellte der Vorstandsdirektor der ÖBB-Infrastruktur AG, Franz Bauer, den Planungsstand für den 20 Kilometer langen Abschnitt der neuen Hochleistungsstrecke nördlich der Landeshauptstadt Salzburg vor. Diese Strecke ist Teil der Verbindung Paris-Bratislava und damit auch Teil des Transeuropäischen Netzes TEN.

Herzstück des neuen Trassenverlaufs von Salzburg bis zur Einmündung in die bestehende Westbahnstrecke nahe der Flachgauer Gemeinde Köstendorf ist ein 14 Kilometer langer Tunnel. Mit diesem wird faktisch das gesamte Gemeindegebiet von Seekirchen unterfahren. Dazu kommt noch ein zwei Kilometer langer Tunnel nahe der Stadtgrenze. Damit verlaufen etwa 80 Prozent der TEN-Hochleistungstrasse unterirdisch.

Hohe Kosten, lange Baudauer

Entsprechend hoch sind die Kosten: Auf Preisbasis 2012 kalkulieren die ÖBB mit 1,65 Milliarden Euro. Die Zeitersparnis ist mit fünf Minuten von Salzburg nach Wien vergleichsweise gering. Die notwendigen Tunnel und die damit verbundenen hohen Kosten sind letztlich der verfehlten Raumordnungspolitik vergangener Jahrzehnte geschuldet. Durch die starke Zersiedelung des Flachgaus sind - anders als etwa im benachbarten Bayern - keine Korridore für Infrastrukturprojekte vorhanden.

Der Streckenneubau - voraussichtliche Inbetriebnahme 2032 - ist aus Sicht der Bahn trotz der hohen Kosten von großer Bedeutung. Die neue Trasse bringt eine wesentliche Kapazitätssteigerung. Und sie entlastet die bestehende Westbahn, auf der dann der Ausbau des Personennahverkehrs und der S-Bahn möglich wird. Stadt und Land Salzburg drängen daher auf ein Vorziehen des erst für 2024 geplanten Baubeginns.

Grundwasserschutz

Technisch habe man das Optimum herausgeholt, hieß es vonseiten der ÖBB bei der Trassenpräsentation in Salzburg. Die Längsneigung sei durch die Tunnelvariante von elf in älteren Planungen auf acht Promille reduziert worden. Damit könnten voll beladene Güterzüge mit nur einer Lok gezogen werden.

Der bis zu 120 Meter unter der Oberfläche liegende Tunnel habe zudem den Vorteil, dass die geologischen Verhältnisse einfacher seien als bei jenen Planungsvarianten, bei denen die Untertunnelung näher zur Oberfläche gelegen habe. Auch aus Sicht der Umweltverträglichkeit habe man mit dem Tunnel die bestmögliche Streckenführung gefunden, meint Bahnmanager Bauer. Ein wichtiges Grundwasservorkommen im Gemeindegebiet von Seekirchen könne so einfach unterfahren werden.

Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden Köstendorf, Seekirchen und Hallwang sind jedenfalls voll des Lobes: Man habe "das Optimale herausgeholt", sagt die Seekirchener Ortschefin Monika Schwaiger (ÖVP). An Anrainerproteste glaubt sie nicht.

"Kuhdorf"

Erleichtert ist der Bürgermeister der Landeshauptstadt Heinz Schaden (SPÖ). Vor etwas mehr als zehn Jahren wurden die Ausbaupläne der Hochleistungsstrecke nach Salzburg nach einer Kampagne der Kronen Zeitung und der FPÖ nämlich auf Eis gelegt. Eine Trasse über Passau stand im Raum. Für Salzburg wäre das ein "wirtschafts- und standortpolitischer Wahnsinn" gewesen, erinnert sich Schaden.

Das wäre in etwa so, wie wenn Salzburg im 19. Jahrhundert nicht an die Elisabeth-Bahn angebunden worden wäre. Die Stadt wäre zu einem " hübschen, aber uninteressanten Kuhdorf" verkommen. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 11.1.2013)

  • Nordwestlich der bisherigen Trassenführung entsteht der neue Tunnel.
    karte: der standard

    Nordwestlich der bisherigen Trassenführung entsteht der neue Tunnel.

Share if you care.