Vergängliche Liebe, ewiger Schenk

10. Jänner 2013, 17:21
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Richard Strauss' "Rosenkavalier" mit Angela Denoke: Späte bezaubernde Momente in einer unvergänglichen Inszenierung

Wien - Im seelischen Interieur des Wiener Opernliebhabers stellt Der Rosenkavalier ein innig geliebtes Wertstück dar. "Alles zergeht wie Dunst und Traum": Regentin des Spielverlaufs ist die Marschallin, doch auch sie hat sich schlussendlich unser aller Oberchefin, der Zeit, zu beugen. Das tut sie, ihrem Schöpfer Hugo von Hofmannsthal sei es gedankt, mit formvollendeter Eleganz. Wurden die Vergänglichkeit des Lebens und der Liebe je schöner besungen, auf lichtere Art und Weise beklagt?

Klug wie nett von der Wiener Staatsoper also, auf die (fast) neue Ariadne auf Naxos die Aufführungen 349, 350 und 351 der unvergänglichen Otto-Schenk-Inszenierung ihres Vorgängerwerks folgen zu lassen. Angela Denoke war es vergönnt, mit der weisen, leisen Fürstin Werdenberg eine der schönsten Partien der Opernliteratur zu geben. Natürlich singt man da gegen ein Jahrhundert Operngeschichte an - die Deutsche tat es im Schlussakt mit Dezenz und Understatement, im ersten ließ sie im amourösen Divertissement mit ihrem Liebhaber jugendliche Keckheit aufblitzen.

Einen matten, blassen Eindruck hinterließ hingegen Peter Rose als zentrales Buffo-Ingrediens des Werks: Stimmlich leichtgewichtig, ohne Fundament und Volumen, war er mehr weichgekochtes Schulterscherzl denn ein vitaler, polternder Ochs von Lerchenau.

Stephanie Houtzeel und Sylvia Schwartz, beide seit Antritt der neuen Direktion im Ensemble, demonstrierten souveräne Rollenbeherrschung. Houtzeel zeichnete einen vitalen Octavian, dem in Positionen stimmlicher und emotionaler Exponiertheit etwas die Eleganz abhandenkam; Schwartz vergnügte bei ihrem Rollendebüt mit einem energischen, robusten Stimmchen, welches sich nur im Leisen nicht immer zum Glanze hin öffnen wollte.

Späte bezaubernde Momente

Jeffrey Tate schlug im Orchestergraben den Takt, gab Einsätze und hielt die Klangglut von Strauss auf sängerfreundlichen Dezibelwerten; die Initiative zur emotionalen Ausgestaltung des Werks überließ der 69-Jährige großzügig und vertrauensvoll den Mitgliedern des Staatsopernorchesters. Im tastenden Charakter einer Durchlaufprobe beginnend, offerierte dieses dann mehr und mehr bezaubernde Momente. Kurzer Applaus.    (Stefan Ender, DER STANDARD, 11.1.2013)

13.1., 17.30, 17.1., 18.30

  • Angela Denoke als Feldmarschallin.
    foto: michael poehn

    Angela Denoke als Feldmarschallin.

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