Zynismusproben mit Swing

10. Jänner 2013, 17:26
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Der Wiener Dichter Joe Berger (1939-1991) war nicht nur ein Original, sondern ein begabter Zyniker mit Hang zum Aktionismus. Im Salzburger Oval gedenkt man seiner

Salzburg - Zu Lebzeiten war Joe Berger in den Beisln von Wien bekannt wie ein bunter Hund, vom Literaturbetrieb wurde der 1939 geborene Allroundkünstler und Provokateur eher ignoriert. Gerade einmal vier Bücher erschienen bis zu seinem Tod 1991, viele Texte des vielseitigen Vielschreibers und querköpfigen Wirtshausaktionisten blieben unpubliziert. Immerhin schaffte der Klagenfurter Ritter Verlag posthum einige Abhilfe, zuletzt mit Von Bestsellern und riesengroßen Brüsten: die Märchen (2012).

Neben dichterischen und journalistischen Arbeiten gehören aktionistische Auftritte und Interventionen zum Werk des Originals mit Hang zum Zynismus: Etwa mit der "first vienna working group: motion" oder dem "Arbeitskreis Bauernschnapsen", in denen Berger mit gleichgesinnten Zechbrüdern und Kollegen nicht nur Spießbürger, sondern auch humorlose Revolutionsrhetoriker vor den Kopf stieß. So geschehen 1969 beim Liedermacherfestival auf der Burg Waldeck im deutschen Hunsrück, wo Berger und Kumpane als "Faschisten" beschimpft wurden.

Schauspieler Wolfgang Böck trägt am Freitag die ironisch-skurrilen Texte des Autors vor, Saitenvirtuose Harri Stojka untermalt sie mit Gypsyswing. Die Idee zur Hommage stammt übrigens von Marianne Mendt.  (Gerhard Dorfi, DER STANDARD, 11.1.2013)

Salzburg, Oval, 19.30, 0662/84 51 10

 

  • Joe Berger (re.) - auch kraft seiner physiognomischen Besonderheiten ein gerne gebuchter Darsteller (seiner selbst), hier in Xaver Schwarzenbergers "Der stille Ozean".
    foto: schwarzenberger

    Joe Berger (re.) - auch kraft seiner physiognomischen Besonderheiten ein gerne gebuchter Darsteller (seiner selbst), hier in Xaver Schwarzenbergers "Der stille Ozean".

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