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Oft ist es Liebe auf den ersten Blick: ein Rahmen, zu dem man sich einfach hingezogen fühlt; manchmal mit, manchmal ohne das ganze Drumherum, das ein richtiges Fahrrad ausmacht.

Unzählige Fahrräder, Rahmen und Zubehör harren im Keller von "Reanimated Bikes" ihrer Wiederbelebung. Die Werkstatt zur Reanimierung von "Fahrradleichen" wurde im Mai 2010 in einem Kellerlokal in Hernals ins Leben gerufen. Heute befindet sich Reanimated Bikes mit einem Ladenlokal samt Werkstatt und großem Kellerlager in der Westbahnstraße 35 in Wien-Neubau.

Komplett-Zerlegungen und Wiederaufbau alter Räder, die im Original nicht mehr fahrtüchtig sind, sind die Spezialität der Reanimated-Bikes-Begründer Peter und Richard: "Dank leichterer Anbauteile und Felgen, zeitgemäßer Schaltungen und Bremsen fährt sich zum Beispiel ein reanimiertes Puch Clubman wesentlich flotter und schnittiger als die alte Version."

"Bei uns kann man den gesamten Entstehungsprozess eines Fahrrades mitverfolgen", sagt der ausgebildete Kfz-Techniker und Sonderschullehrer Peter (Bild links). "Man muss ein bisschen mutig sein, wenn man bei uns ein Rad kauft", ergänzt Kompagnon Richard (rechts), gelernter Feinmechaniker, Fahrrad- und Veranstaltungstechniker. Das beginnt damit, dass die meisten Räder, die in ihrem Urzustand im Ladenlokal und im Keller herumstehen, wild ausschauen.

Hat man sich für ein Fahrrad entschieden, nimmt es oft erst langsam Gestalt an. Zuerst findet ein Beratungsgespräch zu Körpergröße, Fahrstil und Anforderungen an das Rad statt. Dann fertigen Peter und Richard in ihrer Werkstatt aus funktionsfähigen gebrauchten Fahrradteilen und neuen Verschleißteilen ein Fahrrad, das den individuellen Wünschen und Bedürfnissen der Kunden entspricht.
Nach und nach wird es bestückt und modifiziert. Dazwischen kann man probefahren. "Wer draufkommt, der Lenker passt doch nicht, bekommt einen neuen. Die Teile, die wir auf Lager haben, werden so lange hin und her montiert, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist", sagt Peter. Das bedeutet aber nicht, dass der Erwerb eines Fahrrades bei Reanimated Bikes ein langwieriger Prozess sein muss. Es sind auch viele fahrtüchtige Räder auf Lager, die nur ein wenig modifiziert werden müssen.

Ausgangsmaterial für das Wiederbelebungsprojekt sind Fahrräder, die auf der Straße zurückgelassen wurden oder jahrelang unbenutzt in Fahrradräumen und Kellern herumgestanden sind. Quellen sind die MA 48, die Wiener Linien, Hausverwaltungen und Privatpersonen, die direkt im Geschäftslokal vorbeikommen. Zuweilen kommt es vor, dass der erste Satz "Ich hätte da ein Rad, das ich nicht mehr brauche" zu einem Prunkstück führt.

"Jedes einzelne Fahrrad hat eine Geschichte", meint Richard. "Von manchen wissen wir sie, von den meisten nicht." Schwer gezeichnet vom Zahn der Zeit ist dieses gut 50 Jahre alte Ferry-Dusika-Rad. Der Besitzer hat es als Bub geschenkt bekommen und ist damit ganz Österreich abgefahren. Später hat er es in einem Keller abgestellt und schließlich beschlossen, es den Jungs von Reanimated Bikes zu schenken. "Bevor es verkauft wird, möchte er es noch einmal sehen. Er hängt anscheinend immer noch dran", erzählt Richard.

Reanimated Bikes ist als Antwort auf das aktuelle Konsumverhalten gedacht. Kein Fahrrad soll auf dem Müll landen. "Es wird so viel erzeugt, verkauft und weggeschmissen", sagen Peter und Richard. "Die Leute erwerben beim Diskonter ein Billigrad, kommen drauf, sie fahren nicht gut damit, stellen es im Keller ab und hören mit dem Radfahren auf oder kaufen sich ein neues Rad."
Das schmerzt die beiden Mechaniker, da in jedem Fahrrad viel Energie steckt: menschliche Arbeitskraft, Material und Transportwege. "Wir versuchen den Wertschöpfungsprozess jedes Fahrrades noch einmal zu wiederholen, damit er nicht immer wieder gänzlich von Neuem beginnt. Ausgenommen davon sind Billigsträder von schlechter Qualität. Auch deshalb, weil wir der Meinung sind, dass Billigsträder von der Straße wegsollten. Sie passen nicht in unsere persönliche Fahrradkultur."

Die Reanimated Bikes werden in einwandfreiem technischen Zustand zum Verkauf angeboten und entsprechen der Fahrradverordnung. Sie sind mit neuen Bremsbelägen und Reifen und, sofern die technischen Voraussetzungen gegeben sind (klassische und Rennräder ausgenommen), mit V-Brakes ausgestattet.
"Aus technischer Sicht stehen unsere Räder Neurädern in nichts nach", erklären Peter und Richard. Alle verfügen über einen Lieferschein, so ist die Transparenz für die Kunden gewährleistet. Auf jedes Rad besteht ein Jahr Garantie. Mit 450 Euro muss man für ein Fahrrad ohne Zusatzausstattung rechnen. "Um den Preis kann man zwar ein funkelnagelneues Rad kaufen, aber das entspricht oft wieder nicht den eigenen Vorstellungen, und vielleicht wurde am Material gespart", so die Unternehmer.

Neben dem Verkauf neu zusammengesetzter alter Räder schauen auch Kunden ins Geschäftslokal, um Bestandteile abzuholen oder abzuliefern. Alte Fahrradschläuche werden an DesignerInnen weitergegeben, die Recyclingprodukte daraus fertigen. So mutiert das Geschäftslokal zu einer kommunikativen Drehscheibe.
Und was geschieht mit den Fahrrädern und Teilen, die selbst bei Reanimated Bikes nicht verwertet werden können? "Auch wir müssen Räder entsorgen, aber das Rahmenrohr wegzuwerfen bringe ich als Rahmenmechaniker nicht über mich", sagt Richard und tüftelt über neuen Rahmen-Recycling-Ideen. (Eva Tinsobin, derStandard.at, 21.1.2013)

Reanimated Bikes
Westbahnstraße 35, 1070 Wien
Mo.-Fr. 13 bis 19 Uhr (Winter 15 bis 18 Uhr)
Tel.: 01/522 40 18
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m.m. nach ist der schalltkomfort, die bremsverzögerung und bei etwas besseren rahmen auch der fahrkomfort besser als bei alten rädern - dazu kommt dass die neuen weniger gewicht haben.
etwa eine hohlgeschmiedete kurbel, carbon/alu als werkstoff.
die alten waren nach stürzen besser reparierbar/fester - stahl kann man leichter gradbiegen, die haltbarkeit von stahlkränzen war sehr hoch - neue alukränze sind regelmässig zu tauschende verschleissteile.
Keine Frage, wenn man das Rad so gelassen hat, wie es war, Stahlkurbeln mit Pedalkeilen, Stahlfelgen ...
Aber das habe ich längst ausgewechselt, ALU-Felgen, ALU-Vierkant-Tretlager, ALU-Sattelstütze, schmaler leichter Sattel, ... kein neues Rad ist leichter.
Schaltkomfort ... das stimmt, aufgrund der hinteren Gabelweite konnte ich nur von 2x5 auf 3x6 umbauen, und da passten keine Bremsschaltgriffe, deswegen fahre ich klassisch, Hebel am Unterrohr, ohne Rasterung. Bei einem Tourenrad reicht das, und ich bin es 55 Jahre gewohnt; man hört die Gänge, und kann fein regeln (bei Rasterschaltung nicht).
Als Rennrad anders, da habe ich 3x9 und Bremsschalthebel, aber das braucht man nicht in der Stadt; da langt meist 1 Gang.
Wenn man grad fahren will, und die schaltung fängt an über 2 Ritzel zu hüpfen.... beim Rennrad habe ich im Werkzeugtäschchen einen kleinen Kreuzschlitz-Schraubenzieher; 5000 km will ich nicht warten :-) aber beim Tourenrad brauche ich auch das nicht.
angesichts deiner lösung mit kreuzschlitzschraubenzieher bei diesem problem rat ich dir sowieso zu einer eingangvariante ;-)
hint: wenns wieder über 2 ritzel hupft dreh doch einfach mal dort wo man die seilspannung reguliert. das wird zwar den erfolg erst nach ein bisserl üben bringen, aber wenigstens verstellst dir nicht wieder die begrenzer mitm schraubenzieher.
Der Grund ist, daß die Rückholfeder bei der Schaltung hinten die Widerstandskraft des Drecks nicht schafft. Dann drehe ich den Begrenzer etwas zurück, und dann geht es wieder. Klarerweise nur soviel, daß die Kette nicht ratscht oder gar herunterhüpft, aber die läuft ja auch in einem kleinen Verstell-Bereich ohne zu ratschen.
Wenn Sie den Unterschied nicht ausmachen können, zwischen einem ungeliebten, abgelegten Rad und einem liebevoll Restaurierten, mit Neuteilen Verbesserten, dann kann ich Ihnen nicht helfen.
Klar, Tretkurbeln haben beide Arten von Rädern, egal, ob die wackeln oder nicht.
wäre halt gescheit, wenn man auf der homepage so ein renoviertes rad zeigt, nicht nur die, die gerade aus dem mist gefischt wurden.
das sind ja keine exklusiven, oder hochwertige marken sondern billige massenware.
ich habe meines auch mit neuteilen "liebevoll" verbessert, aber trotzdem würde ich dafür kaum mehr als 100€ bekommen.
Ja,
das ist der Unterschied zwischen Gebrauchswert und Handelswert.
Für 90 % der Leute ist Rad=Rad, und Räder mit 3x8 gibt es schon neu um etwas mehr als 100.- Euro. Wozu soll jetzt wer ein gebrauchtes Rad kaufen, uralt (pfui).
Ich habe mir für eines meiner Tourenräder einen 125er Vorbau gekauft, der hat vorne 3 Schrauben, da muß man nicht ständig das Lenkerband zerstören, wenn man was umbauen will. der hat 56.- Euro gekostet. Aber meine Kinder werden das Rad nach meinem Ableben trotzdem auf den Schrottplatz bringen. Oder wenn sie 100.- Eurö bekämen, wäre ich auch froh. Zuletzt habe ich ein 24 Zoll Kinderrad gekauft, für 6.- Euro.
jetzt werden sie gestohlen.
Ein Dieb erfüllt die Nachfrage - was derzeit gewünscht wird, wird gestohlen.
Und Hipster-Singlespeeds boomen derzeit und kommen auch oftmals weg:
http://bikeboard.at/Board/sho... gestohlen!
was haben fixies eigentlich für nen vorteil? also ich steh auch auf objektiv sinnlose sachen, aber die haben zumindest nen subjektiven vorteil. aber der verzicht auf gangschaltung, welchen subjektiven vorteil hat der? "schaut her, ich habs nicht notwendig"?
abgesehen von den schon genannten:
- Freilauf zu Fixie verhält sich wie Bärentatze zu Klick-Pedal - man hat eine viel stärkere "Bindung" ans Rad, und somit mehr Gefühl und Einfluss aufs Rad
- gerade an Tagen wie heute ist ein Fixie Gold wert, wenn man über die Pedale verzögern kann, und nicht auf Bremsen angewiesen ist die bei Schnee/Matsch versagen
- nicht zuletzt ises auch einfach cool ;-P
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