Heimat eines der sieben Weltwunder teilweise wiedererrichtet

13. Jänner 2013, 17:59
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Der Zeustempel in Olympia beherbergte Jahrhunderte lang die große Zeusstatue des griechischen Bildhauers Phidias

Einst beherbergte der Zeus-Tempel von Olympia eines der Sieben Weltwunder: Nach seiner Errichtung im Jahr 438 vor unserer Zeitrechnung stand die große Zeusstatue des griechischen Bildhauers Phidias fast 800 Jahre lang in dem griechischen Nationalheiligtum, ehe sie im vierten Jahrhundert nach Konstantinopel geschafft und rund 100 Jahre später bei einem Brand zerstört wurde. Der Tempel selbst gilt als Höhepunkt der dorischen Baukunst, die erhaltenen Überreste lassen jedoch kaum mehr den ursprünglichen Aufbau und die Größe des Bauwerks erahnen. Um das zu ändern, führt das Deutsche Archäologische Institut bereits seit einigen Jahren umfangreiche Restaurierungen und partielle Wiedererrichtungen unter Verwendung der originalen, erhaltenen Bauteile (sog. Anastilosis) durch.

Der Rekonstruktion liegt ein 1992 erarbeiteter Masterplan zugrunde. Einen Anfang machte dann 2004 die Wiederaufrichtung einer Säule. Die nächste Stufe der Restaurierung wurde Ende November 2012 erfolgreich abgeschlossen. Ziel war es, den Bereich der westlichen Rückhalle des Tempels, den sog. Opisthodom, den Besuchern verständlich zu präsentieren.

Zuerst mussten für den teilweisen Wiederaufbau des Opisthodoms 38 Architekturbauteile umgelagert werden, die im Zuge der Grabungen des 19. Jahrhunderts dort liegen geblieben waren. Dabei wurden Säulentrommelfragmente und undefinierbare Bruchstücke (wahrscheinlich Hinterfütterungssteine des Frieses) parallel der nordsüdlich verlaufenden Straße vor dem antiken Versturz gelagert, zwölf Wandquader hingegen auf die oberste, bereits sichtbare Schicht des Wandfundamentes (Toichobat) der Westmauer der Cella aufgesetzt. Erst durch diese Aufräumarbeiten und den Abschluß der Wandquaderreihe ist die räumliche Erfahrung des Opisthodoms wieder möglich.

Die gut erhaltenen Orthostaten (große, aufrecht stehende Steinblöcke der untersten Lage eines Mauerwerks) der westlichen Ante (vorgezogene Mauerzunge) wurden von Steinmetz und Restaurator F. Beuthan gereinigt. Die fehlende nördliche Ecke wurde mit einer Titanbewehrung und der schon in den früheren Restaurierungen bewährten Kunststeinmischung "in Bosse" angegossen und anschließend der antiken Oberfläche angeglichen.

Puzzelarbeiten mit tonnenschweren Steinen

Der Stylobat des Opisthodoms (die oberste Stufe ddes Unterbaus) wurde von dem Befall durch Flechten und Moose befreit und feine Risse, aber auch einige tiefe Löcher ebenfalls mit einer feineren Mischung des Kunststeins geschlossen, um Eindringen von Feuchtigkeit und dadurch bedingte Schäden für die nächste Zeit zu verhindern. Ein großes Stück der südlichen untersten Trommel der Ophisthodomsäule lag zwar noch in situ, war aber in drei Teile gebrochen. Diese wurden mit profilierten Titanstäben verbunden und das fehlende Stück mit titanbewehrtem Kunststein ergänzt. Abschließend erfolgte dort die Ausarbeitung der Kanneluren in antiker Manier mit der Hand.

Nach den teilweise technisch aufwändigen Restaurationarbeiten und dem "Puzzlespiel" mit tonnenschweren Tempelteilen präsentiert sich dem Besucher der Opisthodom wieder als Raum und die beiden allein durch Ihre Größe eindrucksvollen und gut erhaltenen Kapitelle sind aus der Nähe erfahrbar. (red, derStandard.at, 13.01.2013)


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Deutsche Archäologische Institut: Projekt Olympia

  • Ein "Puzzelspiel" mit tonnenschweren Bauteilen: Hier wird das Kapitell auf der untersten und der obersten Trommel der südlichen Opisthodom-Säule versetzt.
    foto: r. senff

    Ein "Puzzelspiel" mit tonnenschweren Bauteilen: Hier wird das Kapitell auf der untersten und der obersten Trommel der südlichen Opisthodom-Säule versetzt.

  • Der Zeus-Tempels aus westlicher Richtung nach Abschluss der Arbeiten.
    foto: r. senff

    Der Zeus-Tempels aus westlicher Richtung nach Abschluss der Arbeiten.

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