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München - Der neue Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, größte Organisation für anwendungsorientierte Forschung in Europa mit Sitz in Berlin und Niederlassung in Österreich, verblüfft manchen Besucher mit einem Plastik-Kugelschreiber als Geschenk. "Der Kunststoff ist aus Holz", erklärt Reimund Neugebauer und lacht. Plastik aus nachwachsenden Rohstoffen statt aus Erdöl kommt langsam auf den Markt. Joghurtbecher aus Maisstärke oder Cola-Flaschen aus Zuckerrohr haben schon den Weg in die Supermärkte gefunden.
Weltweit werden etwa 265 Millionen Tonnen hergestellt, nur ein halbes Prozent davon ist Bioplastik. "Bei weitem noch kein Massenmarkt. Aber über die Experimentierstufe sind wir schon hinaus", sagt Katja Schneider, Projektleiterin bei der deutschen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) in Gülzow bei Rostock.
Zu den Pionieren gehört die von zwei ehemaligen Fraunhofer-Forschern gegründete Firma Tecnaro bei Heilbronn. Hier wird aus dem bei der Papierherstellung übrig bleibenden Lignin, Pflanzenfasern und Wachs sogenanntes Flüssigholz gemacht, das sich mit Spritzgießmaschinen beliebig formen lässt. Einer der Kunden ist der Luxusmode-Hersteller Gucci: Für die umweltbewusste Dame von Welt erschuf er Öko-Pumps mit Absätzen aus Biokunststoff.
Inzwischen werden auch Kleiderbügel für Benetton oder Leuchtstifte für Edding daraus gefertigt, wie Entwicklungschef Lars Ziegler berichtet. Für den Versand von Solarmodulen seien schon Millionen Verpackungsecken hergestellt worden. "Wir schreiben schwarze Zahlen, die Entwicklung ist positiv, in den letzten vier Jahren hat sich der Umsatz verdreifacht."
Aber auf vielen Gebieten haben herkömmliche Kunststoffe aus Mineralöl noch die Nase vorn. Ein Beispiel: Bruchsicherheit bei Kinderspielzeug. "Wenn ein Spielzeugauto auf den Boden geworfen wird, dürfen keine spitzen Teile absplittern", sagt Playmobil-Sprecherin Judith Weingart im fränkischen Zirndorf. "Da fehlen noch Biomaterialien, die so sicher sind wie die bisherigen Kunststoffe." Außerdem seien die Kosten und die Ausschussquote beim Spritzgießverfahren wesentlich höher. Und schließlich gebe es Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen noch nicht in der benötigten Menge.
"Einige Werkstoffe haben noch nicht so optimale Eigenschaften", sagt auch Schneider. Bei anderen seien die Probleme gelöst und die Maschinen darauf eingestellt. Bio-PET aus Zuckerrohr etwa habe dieselbe Qualität wie PET aus Erdöl - auch die Weltmarke Coca-Cola fülle in solche Flaschen ab.
Eine Hürde sei auch der Preis einiger Bio-Kunststoffe. "Aber viermal so teuer ist es bei weitem nicht mehr. Die Schere geht weiter zusammen", sagt Schneider. Und irgendwann sei das Erdöl alle: "Dann ist das eigentlich die einzige Alternative" (APA, 10.1.2013)
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Habe selbst eine Maus aus umweltverträglichen Plastik, absolut kein Unterschied zu merken. Nur wird diese Maus nicht jahrhundertelang nicht verrotten.
Von mir aus können die Plastikproduzenten gerne ihr Geschäft behalten, aber sie sollen endlich angehalten werden auf recyclingfähiges Plastik umzustellen.
dass diese bio-kunststoffe tatsächlich besser sind als die herkömmlichen stelle ich eher in frage. es wird zwar kein erdöl aus grundstoff verwendet, ob bei der produktion jedoch auf die schädlichen chemischen weichmacher verzichtet wird ist aus dem artikel nicht ersichtlich.
Erstens enthält auch nicht jeder Erdöl-Kunststoff Weichmacher (die Panik der Öffentlichkeit ist ja schon lächerlich peinlich) und zweitens ist nicht jeder Weichmacher schlecht:
Stärke wird mit Weichmachern wie Sorbit oder Glycerin verwendet. Nicht Phtalate...
Und wie definieren Sie "besser"?
wenn man hanf nicht so vertäufelt hätte und eh schon viel früher sich gedanken über sowas gemacht hätte, könnte das heute schon etwas weiter sein. ausserdem wird mmn bei solchen themen immer zu einseitig gedacht/berichtet. es geht ja nicht nur um eine alternative zu erdöl, weil das ausgehen könnte (was es so schnell eh nicht tut). vor allem gehts auch um verträgliche herstellungsverfahren und am meisten um saubere entsorgung/recycling... ich finde, alles was bei der herstellung, verwendung oder beim recyclen unbrauchbare oder gar schädliche (neben-)produkte erzeugt, sollte langsam ersetzt werden. der planet ist ja vor homo sapiens schon eine ganze zeit ohne müll ausgekommen.
Das klingt so schön, was Sie da sagen. Aber es ist halt ein bisschen realitätsfern.
Ein Beispiel: Stahl, DER wichtigste Werkstoff überhaupt (Jahresproduktion 2011 so ca. 1500 Millionen Tonnen) setzt bei der Herstellung nun einmal C/CO als Reduktionsmittel ein. Kurz: Da entsteht nun einmal CO2 als Nebenprodukt. Und so verhält es sich in der chemischen Großindustrie eben öfters - und alles was an Nebenprodukt verwertbar ist, wird auch verwertet.
ich weiss, dass der gedanke noch viel handlung braucht. aber das denken vieler vermeindlicher pragmatiker ist meiner meinung nach eher konservativ motiviert als realistisch.
http://goo.gl/Tjaj4
man kann vielleicht heute nicht nach diesen idealistischen vorstellungen leben. aber als zielsetzung finde ich das alles durchaus realistisch!
kurz zu deinem beispiel: ich bezog mich mehr auf das thema "müll" als "co2". und da ist stahl eh ein recht sauberes material (gut recyclebar). das thema "co2" halte ich für überbewertet. vielmehr stört es in der öffentlichen und politischen diskussion die fokussierung auf wirklich sinvolle themen.
Und ehrlich gesagt beziehen Sie sich auf gar nichts so wirklich. Sie sprechen nur von der Herstellung, Verwertung oder vom Recycling und von unbrauchbaren oder schädlichen Nebenprodukten.
Das ist total allgemein und nichtssagend. Welche Nebenprodukte meinen Sie konkret, welche Verfahren kritisieren Sie?
Wo sehen Sie ein allgemeines Problem und konservative Industrie? Die bilden Sie sich doch lediglich ein!
Green Economy boomt und die chemische Industrie (in Staaten mit ordentlichen Umweltschutzgesetzen) hütet sich schon allein vor sinnlosen Nebenprodukten, weil man die ja irgendwie loswerden muss, geschweige denn schädliche Produkte.
Alleine zwischen 1990-2006 konnte die chemische Industrie ihren Energiebedarf um 40% senken - bei steigender Produktivität.
Sie können nicht einmal ein konkretes Problem nennen, von "ins Detail gehen" will ich gar nicht sprechen.
verklebte akkus und festplatten, nur noch pet-flaschen in der getränkeabteilung, schuhe aus unrecyclebarem materialmix, fleisch, wurst und teilweise auch gemüse und obst in plastik oder sogar immer noch in styropor, oder ein gefühlsmässig sehr grosser teil aller gebrauchsgegenstände, die nach ihrer nutzbarkeit kaum mehr weiterverarbeitet werden können. das, um nur ein paar beispiele zu nennen.
natürlich sehe ich auch die positiven seiten der entwicklung. dass inzwischen zumindest der zuwachs des energiebedarfs aus erneuerbaren energieen gewonnen wird. oder, dass elektrogeräte-hersteller ihre produkte wieder zurücknehmen und sie wieder zu verarbeiten.
ich glaube halt, dass alles etwas schneller, radikaler gehen könnte.
Wo sehen Sie unbrauchbare oder schädliche Nebenprodukte?
Einzig bei Akkus, Festplatten und Elektronikmüll sehe ich ein gültiges Argument, weil das oft auf zweifelhafte Art und Weise in China oder Afrika landet. Aber anderseits gibt es zur Li-Wiedergewinnung aus Akkus schon in Europa hochmoderne Werke.
Und anderseits vermisse ich da ein bisschen die Rolle des Konsumenten. Alle 1-2 Jahre ein neues Handy...
wenn jemand zb seine komplette bürostruktur auf apple ausgelegt hat und die dann plötzlich entscheiden, auch in den laptops alles zu verkleben, dann kann die "entscheidungsfreiheit der konsumenten" sehr teuer kommen. aber um so details gehts hier auch gar nicht. das konzept "müll" ist ein grundsätzliches problem. und solange es überhaupt noch irgendwo müll gibt, ist das grund genug, daran zu arbeiten. deine beispiele von "guten" industrien in allen ehren, es geht teilweise eh in eine gute richtung, aber das heisst nicht, dass es nicht noch viel besser gehen könnte... und um nix anderes gehts hier...
1) Verklebte Akkus und Festplatten: Erstens trotzdem recyclebar und zweitens finde ich es da lächerlich, die Verantwortung auf die Industrie abzuwälzen: Ich habe z.B. ein Smartphone, wo man ohne Probleme den Akku wechseln kann. Der Konsument kann also entscheiden.
2) Wo ist das Problem mit PET? http://www.pet2pet.at/
3) Man muss die 17x in Plastik verpackten Lebensmittel ja nicht kaufen. Aber selbst wenn: Die neuen Müllverbrennungsanlagen sind vorbildlich sauber (z.B. MVA Pfaffenau).
4) Wie Sie Schuhe recyceln wollen müssen Sie mir noch erklären. Ansonsten siehe oben.
Aber bei all Ihren Beispielen frage ich ich: Wo gibt es da jetzt ein Problem mit der sauberen Entsorgung (auch in Ihrem erstem Posting ging es nicht nur um Recycling)?
Mein Beispiel ist beliebig erweiterbar. Ein Beispiel wäre auch der Rotschlamm aus dem Bayer-Verfahren. Das fällt einfach an, obwohl es sogar schon ein schöner Kreislaufprozess zur Wiederverwertung der NaOH ist. Dass Aluminium super recyclingfähig ist, ändert an der Rotschlamm-Sauerei nichts.
Die 3. Industrielle Revolution ist mir selbstverständlich ein Begriff (gibt übrigens weit bessere Literatur dazu als das von Ihnen verlinkte Buch). Es bezweifelt auch absolut niemand, dass da viel machbar ist (und es geschieht auch sehr viel!).
Aber gewisse Verfahren sind einfach aufgrund von Naturgesetzen so. Die Aluminium-Elektrolyse braucht immer viel Strom. Man mag das optimieren können, aber es bleibt so.
"Es bezweifelt auch absolut niemand, dass da viel machbar ist (und es geschieht auch sehr viel!)."
um mehr ist es mir hier jetzt auch nicht gegangen.
natürlich kann man wahrscheinlich nie alles im c2c-prinzip herstellen. aber es ist doch wünschenswert, wenn man das trotzdem anstrebt. und alles, was ich ursprünglich sagen wollte ist, dass diese ideen schon älter sind als zb ich. und jetzt kommen solche meldungen als "innovationen". da hab ich nur angst, dass sich industrie und verbraucher schnell darauf "ausruhen" und glauben, schon "super umweltfreundlich" zu sein...
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