Einer, der sich der Transparenz verschrieben hat

Kopf des Tages9. Jänner 2013, 18:21
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Porträt von Sloweniens obersten Korruptionsjäger Goran Klemencic

Wir brauchen einen Durchbruch. Wenn das nicht passiert, dann bin ich entweder nicht der richtige Mann für diesen Job, oder das gesamte Konzept der Anti-Korruptions-Institution ist fehlgeleitet oder hoffnungslos", sagte Goran Klemencic 2011. Heute hat er weniger Gründe für Selbstzweifel. Nach den Ermittlungen gegen den Bürgermeister von Maribor, Franc Kangler, der mittlerweile zurücktreten musste, hat Klemencic auch Fakten über ungeklärte Finanzflüsse auf die Privatkonten von Premier Janez Jansa und Oppositionschef Zoran Jankovic vorgelegt.

Klemencic kämpft seit Jahren gegen eine Kultur der Straflosigkeit an, er nimmt staatliche Unternehmen in die Zange und fordert strengere Gesetze. Vor allem aber redet er so offen, wie man es im kleinen Slowenien mit seinen vielen Abhängigkeiten kaum gewohnt ist. "Warum sollte nicht alles erlaubt sein, wenn es innerhalb von zwanzig Jahren keine einzige Verurteilung wegen Missbrauchs öffentlicher Gelder gibt?", fragt er. In Slowenien sei Korruption keine Frage von Armut, sondern von "Gier, Stolz und Macht". Der Jurist, der zuvor Staatssekretär im Innenministerium war und jahrelang den Europarat, die OECD und Post-Konflikt-Staaten in Südosteuropa, dem Kaukasus und Lateinamerika beriet, hat sich dem Prinzip Transparenz verschrieben. Eines seiner Lieblingsprojekte ist die Webapplikation Supervizor, mit der man Zahlungen öffentlicher Gelder an private Firmen nachvollziehen kann. Das Projekt könne das "Paradigma der Informationsfreiheit ändern", meint der 40-Jährige.

Klemencic ist ein Nerd und schrieb bereits in der Volksschule Bewertungen über Computerspiele. Er gehört zu der Generation, die die Demokratisierung Anfang der 1990er aktiv mitgetragen hat. "Ich kann mich noch an die Zeit vor zwanzig Jahren erinnern, als man die neue Verfassung neben jedem Eissalon kaufen konnte. Alle haben sie gelesen, so stolz waren wir", sagte er kürzlich zum Standard . Heute sei Slowenien aber "lost in transition". Man habe völlig unterschätzt, wie wichtig es sei, Rechtsstaatlichkeit zu stärken. " Wir sind einfach so in die EU und Nato gerannt", so Klemencic.

Der Mann, der als Beirat für Amnesty International tätig ist, hat einen Abschluss der Harvard Law School, er arbeitete an der rechtlichen Basis für den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag mit. Klemencic ist mit der Anwältin Nina Zidar verheiratet, hat zwei Töchter, und er mag Basketball und seinen Hund. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 10.1.2013)

  • Sloweniens oberster Korruptionsjäger Goran Klemencic.
    foto: commission for the prevention of corruption 2011 - 2012

    Sloweniens oberster Korruptionsjäger Goran Klemencic.

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