Forscher präsentieren den "saurierfressenden Herrscher der Meere"

11. Jänner 2013, 17:07
20 Postings

Thalattoarchon saurophagis war ein früher Vertreter der Ichthyosaurier - und ein beeindruckender dazu

Berlin - "Spitzenprädator" ist ein Ausdruck für Raubtiere, die in ihrem jeweiligen Ökosystem an der Spitze der Nahrungspyramide stehen bzw. standen. Im allgemeinen wird dabei an Spezies wie Großkatzen, Weiße Haie oder den T-rex gedacht - dabei hängt es rein von der Größe und Artenvielfalt des jeweiligen Ökosystems ab, wer den obersten Platz einnimmt. Auch mikroskopische Spezies können "Spitzenprädatoren" sein.

Insofern hat es keine besondere Bedeutung, wenn derzeit Berichte über den "ersten Spitzenprädator der Meere" durch die Schlagzeilen geistern. Aber beeindruckend war das Tier, dessen fossile Überreste 1997 bei einer wissenschaftlichen Grabung in Nevada entdeckt wurden, allemal: 8,6 Meter lang und mit einem mächtigen Schädel ausgestattet, musste es sich nicht mit der Jagd auf kleine Fische begnügen. Das Tier, das die Bezeichnung Thalattoarchon saurophagis ("saurierfressender Herrscher der Meere") erhielt, konnte sich auf Beute seiner eigenen Größe stürzen. Seine Kiefer waren mit großen Zähnen bewehrt, die scharfe Schneidekanten aufwiesen, mit denen andere marine Reptilien gepackt und zerlegt werden konnten.

Eine Spezies stellt sich vor

Entdeckt wurde das Fossil in einer abgelegenen Bergkette im zentralen Nevada vom Bonner Forscher Martin Sander und Olivier Rieppel vom Field Museum in Chicago, es verblieb aber zunächst im Gelände. Ein Großteil des Fossils ist erhalten, darunter der Schädel abzüglich des vorderen Endes der Schnauze, Teile der Flossen sowie die gesamte Wirbelsäule bis hin zur Schwanzspitze. Nach der insgesamt drei Wochen dauernden Bergung im Sommer 2008 wurde es analysiert und die Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift PNAS publiziert.

Thalattoarchon war ein früher Vertreter der Ichthyosaurier. Das Fossil ist 244 Millionen Jahre alt - der Großräuber lebte also nur acht Millionen Jahre nach dem größten Aussterbeereignis der Erdgeschichte an der Perm-Trias-Grenze. 80 bis 90 Prozent der marinen Arten verschwanden damals. Das Fossil dokumentiert damit auch, wie schnell sich das Ökosystem anschließend wieder erholt hat.

"Jeden Tag lernen wir Neues über die Biodiversität unseres Planeten, sowohl in Hinsicht auf die lebenden als auch die fossilen Arten" sagt die Paläontologin Nadia Fröbisch vom Berliner Museum für Naturkunde. "Dieser neue Fossilfund charakterisiert die Etablierung einer neuen, modernen Ökosystemstruktur. Funde wie Thalattoarchon helfen uns, die Dynamik unseres evolvierenden Planten besser zu verstehen und letztendlich auch die Auswirkungen, die wir Menschen auf die Umwelt haben, zu erfassen". (red, derStandard.at, 11. 1. 2013)

  • Rekonstruktion von Thalattoarchon saurophagis. Darunter der Schädel und ein Zahn des in Nevada gefundenen Fossils.
    illustration: raul martin/national geographic magazine

    Rekonstruktion von Thalattoarchon saurophagis. Darunter der Schädel und ein Zahn des in Nevada gefundenen Fossils.

  • Artikelbild
    foto: jörg fröbisch, museum für naturkunde, berlin
  • Artikelbild
    foto: nicole klein, universität bonn
Share if you care.