"Paradies: Glaube": Dienerin nur eines Herren

9. Jänner 2013, 17:39
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Der zweite Teil von Ulrich Seidls filmischer Trilogie über weibliche Glückssuchende und weitere Filmstarts der Woche

In Ulrich Seidls Paradies: Liebe hat Annamaria mit der strengen Flechtfrisur schon einen kleinen Auftritt. Sie nimmt die Katze ihrer Schwester Teresa in Obhut, die nach Kenia reist, um dort ihr Glück zu finden. Annamaria hat andere Vorstellungen von Erfüllung: Sie geht ganz in ihrem Glauben auf, ihren eigenen Urlaub nutzt sie, um mit einer Wandermuttergottes im Gepäck in den Niederungen von Wien verlorene Seelen zu retten. Just zu diesem Zeitpunkt kehrt auch ihr querschnittgelähmter muslimischer Ehemann aus Ägypten ins gemeinsame Domizil am Stadtrand zurück. Bald entbrennt dort ein erbitterter Kleinkrieg, den der Regisseur als Konfrontation von Ritualen und Bewegungsroutinen in spartanischen Räumen inszeniert.

Mit "Paradies: Glaube" kommt der zweite Teil von Seidls filmischer Trilogie über weibliche Glückssuchende ins Kino - in rund einem Monat wird der letzte, Paradies: Hoffnung, in Berlin uraufgeführt. Maria Hofstätter, die dieses Jahr den Großen Diagonale-Schauspielpreis erhalten wird, beeindruckt als Annamaria einmal mehr mit Unbeirrbarkeit und vollem Körpereinsatz.

In Erwartung rostiger Zeiten

Schauspielhaus-Mitglied Thiemo Strutzenberger verkörpert in Henning Backhaus' Musikerdrama "Local Heroes" den egomanischen Frontman einer Wiener Nachwuchsband.

Außerdem starten: die Dickens-Adaption "Große Erwartungen" und das irische Gesellschaftsdrama "Parked - Gestrandet"; die deutsche Komödie "Schlussmacher" von und mit Matthias Schweighöfer und die Kinderbuchadaption "Ritter Rost" sowie Jacques Audiards "Der Geschmack von Rost und Knochen / De rouille et d'os". (irr, DER STANDARD, 10.1.2013)

  • Übung in gläubiger Hingabe: Maria Hofstätter in Ulrich Seidls "Paradies: 
Glaube".
    foto: stadtkino

    Übung in gläubiger Hingabe: Maria Hofstätter in Ulrich Seidls "Paradies: Glaube".

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