Wenn Haie noch Angst vor Schnecken haben müssen

9. Jänner 2013, 23:00
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Braungebänderte Bambushaie reagieren schon als Embryos auf ihre Umgebung: Bei nahender Gefahr erstarren sie

Sydney - Der Braungebänderte Bambushai (Chiloscyllium punctatum), der im Osten des Indischen Ozeans rund um Korallenriffe lebt, ist mit knapp einem Meter Länge keine besonders furchterregende Erscheinung. Vor allem sein Nachwuchs braucht Schutz. Während die erwachsenen Tiere einheitlich gefärbt sind, weisen die Jungen ein Muster aus Streifen und Flecken auf: Eine Tarnung, die die Körperumrisse auflöst - ein Effekt, wie er bei den Jungtieren vieler Spezies vorkommt.

Das Versteckspiel beginnt aber schon viel früher, wie Forscher nun feststellen konnten: nämlich im Embryonalstadium. Der Bambushai gehört zu jenen Haiarten, die Eier legen. Fünf Monate lang wächst ein Nachkomme in einem Ei mit einer lederartigen Hülle heran. Und während dieser Phase reagiert der Embryo auf potenzielle Gefahren von außen, wie die Forscher um Ryan M. Kempster von der University of Western Australia in "PLoS One" berichten. Der Embryo hält in seinem Ei inne, sobald er spürt, dass ein Feind vorbei schwimmt.

Immer schön vorsichtig

Schon ungeborene Haie können elektrische Felder wahrnehmen, die von den Feinden ausgesendet werden. Dafür sorgen besondere Sinnesorgane, die sogenannten Lorenzinischen Ampullen. Bisher war nur bekannt, dass erwachsene Haie mit diesen empfindlichen Rezeptoren potenzielle Beute aufspüren. Die Hai-Embryos hingegen nutzen die spätere Jagdausrüstung dazu, sich selbst zu schützen - gegen Raubfische, Meeressäuger oder auch fleischfressende Meeresschnecken.

Um Beobachtungen im Experiment zu überprüfen, hatte sich Kempsters Team aus einem australischen Aquarium frisch abgelegte Eier von Bambushaien besorgt. Jeder der elf Embryos wuchs dann in einer eigenen Petrischale mit Meerwasser heran. Währenddessen wurden die Tiere regelmäßig elektrischen Feldern ausgesetzt. Diese waren unterschiedlich stark - so wie von ihren Feinden verschieden starke elektrische Felder ausgehen.

Das System muss sich erst entwickeln

Das Ergebnis: Die weit entwickelten Tiere reagierten, indem sie ihre Kiemen kaum noch bewegten und den Schwanz einrollten. So verhinderten die Embryos, selbst verräterische Bewegungen und elektrische Signale auszusenden. Es sei erstaunlich, dass die Tiere in einem so frühen Entwicklungsstadium Gefahren erkennen können und instinktiv versuchen, diese zu vermeiden, schreiben die Forscher.

Jüngere Embryos reagierten hingegen weniger stark - und noch ganz junge Embryos reagierten überhaupt nicht. "Diese Ergebnisse stimmen überein mit der Differenzierung und der Entwicklung des elektrosensorischen Systems", begründen die Wissenschafter. (APA/red, derStandard.at, 9. 1. 2013)

  • Nur nicht auffallen: Die Embryos des Braungebänderten Bambushais erstarren, wenn sie das elektrische Feld eines möglichen Räubers wahrnehmen.
    foto: ryan kempster

    Nur nicht auffallen: Die Embryos des Braungebänderten Bambushais erstarren, wenn sie das elektrische Feld eines möglichen Räubers wahrnehmen.

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