Unerschöpflich und ungebunden

9. Jänner 2013, 17:25
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Die Wiener Galerie Knoll zeigt unter dem Titel "Spielraum" malerische Experimente von Patrick Schmierer und Tomek Baran: zwei Varianten abstrakter Malerei

Wien - Es ist weder ein spezifisches Thema noch der tatsächliche Auftrag von Farbe, der die aktuelle malerische Abstraktion definiert. In seiner Bestandsaufnahme von gegenwärtigen Experimenten mit dem malerischen Medium stellt der deutsche Künstler und Kritiker Sven Drühl vielmehr fest, dass eben gerade "ihre inhaltliche Ungebundenheit und die überwältigende ästhetische Bandbreite" das Neue an der aktuellen Abstraktion sei.

Diese Beobachtung greifen die beiden Kuratorinnen Malgorzata Jedrzejczyk und Ulrike Payerhofer mit dem Ausstellungstitel Spielraum auf. Sie versuchen zu zeigen, dass die Möglichkeiten der malerischen Abstraktion noch lange nicht ausgeschöpft sind.

Versammelt haben sie neue Arbeiten von Patrick Schmierer und Tomek Baran, die - diesem breiten Spielraum durchaus entsprechend - nicht vieles gemein haben: Obwohl Patrick Schmierer jede persönliche Markierung negiert, bleibt bei ihm der malerischer Gestus erkennbar, während man das Werk von Tomek Baran nicht sofort als ein malerisches einordnen würde.

Barans Arbeiten ähneln eher installativen Arrangements, in denen er monochromen schwarzen oder auch weißen Flächen durch Zerknittern, Falten oder Verkleben etwas Objekthaftes verleiht. Die meisten seiner minimalistisch anmutenden Werke tauchen überdies in Paaren auf: Baran spielt mit der klassischen Rahmung, wenn er einmal den Bildraum mit farblosem Öl bemalt, um auf der Leinwand desselben Formats gleich daneben dem Rahmen den eigentlichen Anstrich zu geben.

Schwarz und Weiß sind dabei die Farben, die sich buchstäblich in den Raum hineinfalten. Im Falle von Diptychon mit Spiegel ist ein Teil der Paarung ein rundes schwarzes Gemälde. In der Reflexion des Spiegels gegenüber sieht der Betrachter sich plötzlich direkt neben dem Bild stehen.

Während Baran mit verschiedenen Bildräumen spielt, experimentiert Schmierer mit der Materialität der Farbe. Ihren Verlauf überlässt er zum Teil der Schwerkraft.

In anderen Serien öffnet aber auch Schmierer das flächige Tafelbild: Auf einer Werbefolie, die sich nicht an das klassische Leinwandformat anpassen ließ, sind virenartige schwarze Flecken zu sehen. Fast wirkt es so, als würden sie das Bild von innen heraus verwandeln und in etwas Neues transformieren. Dieses Ansinnen wird im Bild daneben etwas weniger drastisch vorgeführt: Ein gemaltes schwarzes Quadrat hat der Künstler so im Rahmen platziert, dass die Komposition aus der Entfernung wie ein fertig entwickeltes Polaroid aussieht. (Christa Benzer, DER STANDARD, 10.1.2013)

Bis 19. 1.
Galerie Knoll
Gumpendorfer Straße 18, 1060 Wien
www.knollgalerie.at

  • Durch Falten oder Zerknittern erhalten Tomek Barans monochrome Flächen 
einen Objektcharakter: "Untitled (Diptych)".
    foto: knoll galerie wien

    Durch Falten oder Zerknittern erhalten Tomek Barans monochrome Flächen einen Objektcharakter: "Untitled (Diptych)".

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