Qualcomm-Keynote: Steve Ballmer, Star Trek und eine Copyright-Panne

9. Jänner 2013, 10:46
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Neue Highend-Chips, Windows-Devices und eine Botschaft von Desmond Tutu

Las Vegas ist eine Stadt der Show und Unterhaltung. Das hat sich anscheinend auch Chiphersteller Qualcomm zu Herzen genommen und mit der eigenen Keynote Highlight der diesjährigen CES hingelegt.

Entgeisterung zum Auftakt

Wie schon in den vergangenen Jahren drehte sich auch heuer alles um den Bereich "Mobile", weswegen man - nachdem das Publikum kurz vor dem Auftakt mit "Gangnam Style" beschallt wurde - nach Gary Shapiro, Präsident des Messe-Ausrichters CEA, drei Schauspieler über ihr "mobiles Leben" reden durften.

Besonders authentisch wirkte dieser Auftritt aber offenbar nicht, denn auf diversen Blogs und auf Twitter erntete er verwunderte bis bestürzte Kommentare. "Ich bin irgendwie beeindruckt, wie schlecht das ist", kommentierte etwa Marc Bennett, ein Leser der Liveberichterstattung von CNet. Bei The Verge hielt man die Vorträge Anfangs für eine parodistische Einlage.

Ballmer stiehlt Jacobs die Show

Nach einer Einleitung von Qualcomm-CEO Paul Jacobs, der über das Firmenleitmotiv "Born Mobile" und die "Generation M" sprach, stürmte schließlich Microsoft-CEO Steve Ballmer im wahrsten Sinne des Wortes die Bühne. In gewohnt energetisch-enthusiastischer Manier machte er dem Publikum neue Windows-Geräte mit Qualcomm-Hardware schmackhaft, die in den kommenden Monaten insbesondere das Tablet-Segment aufmischen sollen.

Microsoft: Mehr Apps und Smartphone-Verkäufe

Ein paar Zahlen hatte Ballmer auch parat. So gibt es im Windows Store laut ihm nun vier Mal so viele Apps wie noch zum Start von Windows 8, alleine im Dezember sind 10.000 neue Programme hinzugekommen, darunter die Reisesuche Expedia. Andere sollen bald folgen, etwa eine App der CNN und auch Twitter.

Positives wird auch über die Verkaufszahlen der Windows Phones berichtet. Im November sollen vier Mal so viele Geräte verkauft worden sein, wie noch letztes Jahr zu Windows Phone 7-Zeiten, zu Weihnachten konnte man das Vorjahr gar um den Faktor 5 übertrumpfen, wobei konkrete Zahlen für einen Vergleich mit der Konkurrenz fehlen. Anzumerken ist noch, dass Microsoft der CES 2012 den Rücken gekehrt und ab diesem Jahr nicht mehr als Unternehmen auf der Messe präsent ist.

Qualcomm zeigt Chipserien 600 und 800

Schließlich rückten die Neuheiten aus dem Hause Qualcomm in den Mittelpunkt. Vorgestellt wurde die Qualcomm 600-Chipsatzreihe, die einmal mehr eine Steigerung in Rechen- und Grafikperformance bringen soll. Der Hersteller verspricht, damit alle Konkurrenzen in Sachen Leistung-pro-Watt auszustechen.

Auch das neue Flaggschiff, die Snapdragon 800-Serie, wurde vom Stapel gelassen. Qualcomm vermarktet ihn als den "ersten Premium-Prozessor" für Smartphones, Tablets und Computer und brüstet sich mit einer Leistungssteigerung von 75 Prozent zur aktuellen Generation. Ein, sollte sich dies in der Praxis bewahrheiten, beachtlicher Sprung.

LTE und "Vibe"-Support

Das neue "Löwenmaul" bietet nicht nur eine Quadcore-CPU mit bis zu 2,3 GHz pro Kern, sondern unterstützt auch LTE mit Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 150 Mbps. Ebenso bringt er Support für den neuen WLAN-Standard "Vibe" (802.11ac) mit. Dieser soll den Datentransfer in Drahtlosnetzwerken mit bis zu einem Gbps ermöglichen.

Besonders betont wurden die Kapazitäten des integrierten Grafikchip, der "Konsolenqualität" bieten soll und mit einem Live-Rendering vorgeführt wurde. Auch flüssige UltraHD-Auflösung wird der Chip beherrschen, demonstriert anhand eines Videoschnipsels aus "Pacific Rim" von Regisseur Guillermo Del Toro höchstpersönlich. Durchstarten soll die Neuentwicklung im zweiten Halbjahr.

Big Bird

Nach einer weiteren Runde von Jacobs, in welcher er über Qualcomms Strategie zur Bewältigung des immer größer werdenden Datenaufkommens und die Welt der vernetzten Dinge sprach, sprach Nascar-Fahrer Brad Keselowski über Leidenschaft und Technologie im Sport.

Eine skurrile Angelegenheit war schließlich der Auftritt der Sesamstraßenfigur Big Bird sowie eines leitenden Entwicklers, der in seinem Kostüm eher den Eindruck einer gerupften Version davon erweckte. Ziel: Eine Augmented Reality-Demonstration anhand einer App, die via Handykamera Texte erkennt und vorliest.

Star Trek-Schauspielerin mit müdem Auftritt

Die zunehmende Verwirrung im Publikum wurde schließlich mit einer Videobotschaft des südafrikanischen Ex-Erzbischof Desmond Tutu komplettiert. Dieser lobte Qualcomms Engagement bei verschiedenen Gesundheitsinitiativen. Kurz danach warb Schauspielerin Alice Eve für Qualcomm und den kommenden Star Trek-Film "Into Darkness".

Die Darstellerin dürfte aber nicht besonders gut vorbereitet gewesen sein und starrte hauptsächlich mit wenig begeistertem Gesichtsaufdruck auf den Teleprompter. Twitter-User Adi Robertson schrieb per Nachricht an TheVerge-Autor Pierce David "Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie der großartigste Troll aller Zeiten ist." Pierce selbst hingegen verging laut Kommentar die Lust auf den SciFi-Streifen.

Vor dem Ende der Keynote wurde noch in einem elektrischen Rolls Royce die "Halo"-Technologie von Qualcomm präsentiert. Diese ermöglicht das drahtlose Aufladen der Akkus.

Dido statt Maroon 5 im Livestream

Den Ausklang bereitete ein Auftritt der Band Maroon 5. Zumindest für die Anwesenden im Saal. Aus lizenzrechtlichen Gründen wurde den Zusehern im Livestream nämlich zuerst der Ton ganz abgedreht. Wenig später wurde einfach Musik der britischen Sängerin "Dido" über das Bewegtbild der Show gelegt. (red, derStandard.at, 09.01.2013)

  • Energiegeladen wie immer: Überraschungsgast Ballmer stürmt die Bühne.
    foto: cea

    Energiegeladen wie immer: Überraschungsgast Ballmer stürmt die Bühne.

  • Demotiviert: Alice Eve blickte hauptsächlich entnervt auf den Teleprompter.
    foto: cea

    Demotiviert: Alice Eve blickte hauptsächlich entnervt auf den Teleprompter.

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