Klasnic-Kommission entschädigt erstmals Admont-Opfer

9. Jänner 2013, 15:06
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Drei Jahre nach Gesuch erhalten zwei Zöglinge je 25.000 Euro - Einer will Stift auf höhere Summe klagen

Zwei ehemaligen Zöglingen, die im Konvikt des steirischen Stifts Admont missbraucht worden waren, hat die Klasnic-Kommission nun als ersten Opfern dieser Einrichtung eine Entschädigung zugesprochen. Wie das Ö1-"Morgenjournal" berichtete, hatten sich die beiden Männer vor drei Jahren an die Kommission gewandt, waren wegen "haltloser" Vorwürfe aber bisher abgewiesen worden. Nun erhalten sie jeweils 25.000 Euro und einen Anspruch auf 100 Therapiestunden.

Einer der beiden Betroffenen zitierte gegenüber dem Sender einen Brief, wonach sich die katholische Kirche bei dem heute 58-Jährigen entschuldigen will, wissend, dass für das ihm zugefügte Leid "Worte der Entschuldigung niemals ausreichen werden". 

Kommission erkannte keine Plausibilität

Zwei Patres hatten sich im Stift sexuell an den Buben vergangen und sie misshandelt, was laut psychologischem Gutachten zu "psychischen Beeinträchtigungen und Traumatisierungen" geführt hatte. Diese würden noch Jahrzehnte später fortwirken.

Obwohl der 58-Jährige neben dem Gutachten auch einen Zeugen vorweisen konnte, verweigerte ihm die von der ehemaligen steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic geleitete Kommission seit 2010 wegen mangelnder Plausibilität die geforderten Entschädigungszahlungen.

Klage in Vorbereitung

Mit den zuerkannten 25.000 Euro wollen sich das Opfer und sein Anwalt nicht zufrieden geben. Sie bereiten eine Klage vor und fordern 360.000 Euro Entschädigung sowie die Absetzung der beiden Patres, die nach wie vor Dienst verrichten. Laut der Leitung des Stifts Admont sei das nicht vorgesehen, die Geistlichen hätten bereits um Verzeihung gebeten.

 

Am Mittwoch Nachmittag bezog der Generalvikar der Diözese Graz-Seckau, Heinrich Schnuderl, Stellung: Eine Enthebung der beiden Patres von ihren Seelsorgepflichten werde man vom Stift nicht fordern. Die Tatzeiträume lägen über 40 Jahre zurück, seither seien seitens der beiden keine "ähnlichen Vorkommnisse bekannt geworden".

Kritik von Opfer-Plattform

Die Plattform "Betroffene kirchlicher Gewalt" hatte nach Bekanntwerden der Entscheidung der Klasnic-Kommission Kritik geäußert: "Opfer werden mit Almosen abgefertigt, pädokriminelle Priester bleiben im Dienst". Schnuderl erklärte dazu auf der Homepage der Diözese, man habe vom Stift Admont erst am Mittwoch die Verständigung der Opferschutzanwaltschaft (datiert 10. Dezember 2012, Anm.) erhalten. Darin werden beiden Opfern - Zöglinge des Stifts - wegen ihnen zugefügter körperlicher und psychischer Gewalt finanzielle Hilfen und Therapiestunden zuerkannt.

Von sexueller Gewalt oder pädophilem Missbrauch sei darin nicht die Rede gewesen. Der Tatzeitraum von 1966 bis 1969, bzw. bis 1975 liege über 40 Jahre, oder fast 40 Jahre zurück. Seitdem seien von keinem der beiden Beschuldigten irgendwelche ähnliche Vorkommnisse bekannt geworden.

Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche werden in Österreich erst seit der Einsetzung der Klasnic-Kommission im März 2010 systematisch aufgearbeitet. Die Unabhängigkeit dieses Gremiums wurde in der Vergangenheit von Opferverbänden immer wieder kritisiert. 

Kritik an Aufarbeitung auch in Deutschland

Auch in Deutschland geriet die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der römisch-katholischen Kirche zuletzt in die Kritik. Das Forschungsabkommen zwischen der Bischofskonferenz und dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsens (KFN) wurde "aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung" gekündigt, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" am Mittwoch. Die Kirche suche nun nach einem "anderen Vertragspartner"; der Direktor des KFN, Christian Pfeiffer, sprach in einer Reaktion von "Zensur".

In Deutschland erreichte der Missbrauchsskandal ebenfalls im Jahr 2010 eine breite Öffentlichkeit. Anders als in Österreich übersteigen die Entschädigungszahlungen dort allerdings kaum 5.000 Euro. (mm, APA, derStandard.at, 9.1.2013)

  • Im Konvikt des Stiftes Admont kam es zu sexuellen und gewalttätigen Übergriffen. Drei Jahre weigerte sich die Klasnic-Kommission, die Misshandlungen einzugestehen.
    foto: apa/stift admont/kren

    Im Konvikt des Stiftes Admont kam es zu sexuellen und gewalttätigen Übergriffen. Drei Jahre weigerte sich die Klasnic-Kommission, die Misshandlungen einzugestehen.

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