Den Biofilm an der Basis packen

8. Jänner 2013, 20:14
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Frauenärztin Marion Noe erforscht neue Therapien gegen chronische Infektionen

In der Welt der Mikroorganismen sind Gut und Böse nicht leicht zu unterscheiden. Candida albicans kann für eine Frau harmlos sein und die andere krank machen. Frauenärztin Marion Noe kann sich, wie viele Fachärzte, an keinen AKH-Ambulanzdienst erinnern, in dem sie nicht mehrere Frauen mit der pilzbedingten Scheideninfektion behandelte. 2006 gründete sie das Unternehmen ProFem, um einen neuartigen Therapieansatz dafür zu finden, denn Candida albicans wird von der Forschung komplett vernachlässigt.

Derzeit sind Pilzmedikamente aus den frühen 1970er-Jahren im Einsatz, die bei chronischen Infektionen nicht wirken oder starke Nebenwirkungen haben. Die Scham liegt wie ein Schleier über einem Leiden, von dem geschätzt 300 Millionen Frauen weltweit betroffen sind. 75 Prozent aller Frauen erkranken zumindest einmal im Leben, bei fünf bis zehn Prozent wird die Infektion zum Teufelskreis. Dann kann Candida albicans auch zum Beziehungskiller werden, weil Frauen ständig Schmerzen haben und in weiterer Folge Probleme bei Sex, Kinderwunsch und Schwangerschaft auftreten.

Die Klagenfurterin Noe wollte schon mit vierzehn Jahren in die medizinische Forschung. Sie war ein Fan der TV-Serie Alles Leben ist Chemie, quasi einer frühen Fördermaßnahme. Sie studierte zunächst Biochemie an der TU Wien, wo sie auch ihren Mann kennenlernte.

Nach dem ersten Abschnitt begann Marion Noe parallel mit dem Medizinstudium. Die Facharztausbildung absolvierte sie am Klinikum Darmstadt und im Wiener Allgemeinen Krankenhaus. In Deutschland schulte sie ihren "klinischen Blick", mit dem sie Probleme aus dem Klinikalltag in molekulare Mechanismen übersetzt und auf dieser Ebene zu lösen versucht.

Die Idee für ein Kombi-Präparat kam ihr über einem Fachartikel zu Anheftungsmechanismen von Mikroorganismen bei der Bildung von Biofilmen. Biofilme sind jene Struktur, mit der auch Pilze und Bakterien in der Scheide wachsen, sich schützen und tarnen. Die Biochemikerin will mit ihrem Pharma-Start-up Wirkstoffe koppeln: ein Pilzmittel und einen Stoff, das die Anheftung des Erregers am Körper - also den ersten Schritt der Infektion - verhindert.

Mögliche Marktzulassung 2014

2010 erschien ihre Idee der Förderbank Austria Wirtschaftsservice AWS förderwürdig, und sie absolvierte auch ein Schulungsprogramm beim universitären Gründerservice Inits. Die Verwendung bereits existierender Wirkstoffe ermöglicht ein verkürztes Zulassungsverfahren und vielleicht schon 2014 eine Marktzulassung.

Die Finanzierung der klinischen Studien ist gesichert, und auch das Studiendesign hat die 48-Jährige selbst ausgetüftelt. 2012 wurde sie schließlich von der ZIT Technologieagentur der Stadt Wien im Call FemPower unterstützt. Langfristig will die Ärztin und Managerin die frühe Frühgeburtlichkeit - zum Teil auch eine Folge chronischer Infektionen - senken.

Die Selbstständigkeit ist für sie die Voraussetzung, "um alles unter einen Hut zu bringen", sagt die fünffache Mutter. Dass sie viel arbeitet, packen ihre Kinder gut, und zwei studieren ja bereits. Dafür widmet Marion Noe die Freizeit ganz der Familie, und sportliche Hobbys werden gemeinsam ausgeübt. (Astrid Kuffner, DER STANDARD, 09.01.2013)

  • Marion Noe will die frühe Frühgeburtlichkeit senken.
    foto: privat

    Marion Noe will die frühe Frühgeburtlichkeit senken.

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