Malen, kochen und braten

8. Jänner 2013, 17:41
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Materialintensiv und traditionell: Malerei von Miquel Barceló im Kunstforum

Wien - Malerei ist für Miquel Barceló ein schwindelerregendes Abenteuer, das es vermag, Perspektive und Tiefe zu illusionieren. Für den 55-jährigen Spanier ist das Magie, selbst wenn die Bildräume seiner eigenen Arbeiten ganz eigenen und nicht etwa realen Gesetzmäßigkeiten folgen.

"In meinen Bildern siehst du im Vordergrund kleine Keime, in der Bildmitte ausgewachsenes Korn und in der Ferne die Berge. Diese Räume und Zeiträume kann die Malerei aufspannen, und genau das will ich", sagt der Künstler, der Tintoretto, Tapiès und Beuys verehrt und in seiner Heimat zu den bekanntesten und auch erfolgreichsten Künstlern zählt. Seine Stierkampfarenen in Nachfolge von Goya oder Picasso fahren stolze Preise ein: Den Rekord hält Faena de muleta (1990), das 2011 - also zwei Jahre nach seiner Teilnahme an der Biennale Venedig - bei einer Londoner Auktion 4,4 Millionen Euro einbrachte.

Andernorts ist Barceló jedoch fast unbekannt. Mit seinem wild-expressiven, materialverliebten, pastosen Gestus steht er - gut 30 Jahre nach Transavanguardia, Figuration Libre und den Neuen Wilden der Malerei - recht allein auf weiter Flur. Und so nahm der Mallorquiner 2009 in Venedig mit Malereien und Keramiken eine echte Außenseiterposition ein.

Man könnte Barcelós Haltung zu illusionistischen Qualitäten der Malerei altmodisch nennen, weil sich die Alten Meister daran bereits jahrhundertelang abgearbeitet haben. Man könnte aber auch wohlgesonnen von so etwas wie Zeitlosigkeit sprechen. Barceló sieht sich selbst stark als Traditionalisten, der "etwas ganz und gar Selbstverständliches aufrechterhält".

Fix ist: Wer Barcelós Arbeit vorurteilsfrei begegnen will, muss sich von aktuellen Sehgewohnheiten verabschieden; den "Komplex gegenüber Materialität", wie Kurator Florian Steininger heutige Abneigung gegenüber jener Malerei auf den Punkt bringt, ablegen. Im Kunstforum, wo man sich nun verstärkt der Frage widmet: "Was wurde aus der Malerei der 1980er?", bringt man solche Neugierde auf. Und so begegnen dem gewillten Besucher der Ausstellung in Barcelós Bildern Erde, Ozean, Höhlen, Primaten und eine Menge von dem, was in Pfannen und Kochtöpfen landen kann.

Was in der Tat beeindruckt, ist die Konsequenz, mit der Barceló seinen anachronistischen Malereientwurf verfolgt. Man könnte sich auch an der kindlichen Freude ergötzen, mit der er sich Material und lustvollen, lebensnahen Motiven hingibt. Cézanne hat den Apfel nach dem Malen gegessen, Barceló den Fisch gebraten.

Es hilft nichts: Bei Bildern wie Giorgione von Felanitx (1984), einem malenden Zentauren, kommt einem nur das kalte Grausen - insbesondere wegen des ins Bild gepickten und in hummerrote Farbe getauchten Pinsels. Der Pferdemensch hält sich das Malutensil an explizite Stelle; direkt daneben reckt ein Krustentier sein Hinterteil. Fehlinterpretation unmöglich. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 9.1.2013) 

Bis 10.3.

  • Nicht nur für Paviane ("Aus einem ägyptischen Grab", 2012), auch für 
Gorillas, Esel, Elefanten und das, was das Meer hergibt, schlägt Miquel Barcelós 
Malerherz. 
    foto: a. morin / studio miquel barceló

    Nicht nur für Paviane ("Aus einem ägyptischen Grab", 2012), auch für Gorillas, Esel, Elefanten und das, was das Meer hergibt, schlägt Miquel Barcelós Malerherz. 

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