Milchstraße beherbergt 17 Milliarden erdähnliche Exoplaneten

8. Jänner 2013, 19:44
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Neueste "Kepler"-Daten legen nahe, dass die Entdeckung einer "zweiten Erde" nur mehr eine Frage der Zeit ist

Washington - Seit den frühen 1990er Jahren gibt es Beweise für die Existenz von Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Waren es zu Beginn vor allem riesige Gasplaneten, so finden die Astronomen mit fortschreitender technischer Entwicklung immer mehr erdähnliche Welten. Die Daten weisen mittlerweile darauf hin: Die Milchstraße wimmelt nur so von kleinen Felsplaneten - und damit steigt auch die Chance, in naher Zukunft eine Welt auszumachen, auf der Leben, wie wir es von der Erde kennen, möglich sein könnte. Führende Experten wie der "Kepler"-Forscher Steve Howell vom Ames-Forschungszentrum der NASA sind mehr als optimistisch: "Es ist nicht mehr die Frage, ob wir ein echtes Gegenstück zur Erde finden, sondern nur mehr, wann."

US-Wissenschaftler haben am Dienstag auf der Jahrestagung der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft (AAS) in Long Beach (Kalifornien) die neuesten Ergebnisse auf dem Gebiet der Exoplaneten-Forschung vorgestellt: Vermutlich besitzt demnach mindestens jeder zweite Hauptreihen-Stern des Spektraktyps F, G oder K in etwa erdgroße Planeten. Damit würde unsere Galaxis geschätzte 17 Milliarden Exoplaneten beherbergen, die in Größe und Masse den Felsenplaneten unseres Sonnensystems ähnlich sind.

Wissenschafter um den Astronomieprofessor Geoff Marcy von der Universität von Kalifornien in Berkeley hatten für ihre Prognosen aktuelle Daten des Planetenjägers "Kepler" der US-Raumfahrtbehörde NASA analysiert. Das 2009 gestartete Weltraumteleskop hat bereits 2.740 Planetenkandidaten um 2.036 Sterne aufgespürt. Die neuesten 461 wurden nun auf der AAS-Jahrestagung vorgestellt. Vier davon sind kleiner als die doppelte Erdgröße und kreisen in jener Zone um ihre Zentralgestirne, die flüssiges Wasser begünstigen würde.

Um 20 Prozent mehr Exoplaneten-Kandidaten seit Februar 2012

Seit der letzten Veröffentlichung von "Kepler"-Daten im Februar 2012 wuchs die Zahl der Exoplaneten-Kandidaten damit um 20 Prozent, den größten Anteil darunter machen kleinere Welten von erdähnlicher Größe aus. Auch die Zahl der Mehrfachsysteme nahm zu: 43 Prozent der Kandidaten haben vermutlich mindestens einen Nachbarplaneten.

Die Analyse der "Kepler"-Daten durch das Team um Marcy zeigt, dass zumindest jeder sechste sonnenähnliche Stern erdgroße Planeten besitzt, die ihn eng umkreisen - in maximal einem Viertel der Entfernung unserer Erde zur Sonne. Auf so engen Bahnen ist es allerdings in der Regel für Leben zu heiß. Weiterführende Analysen, die auch größere Umlaufbahnen einbeziehen, legten jedoch nahe, dass etwa die Hälfte aller Sterne ungefähr erdgroße Planeten habe, die ihren Heimatstern in maximal derselben Entfernung umkreisten wie unsere Erde die Sonne, berichtete das Team.

Auf der Suche nach Planeten ferner Sterne misst "Kepler" regelmäßig die Helligkeit von rund 150.000 Sonnen im Sternbild Schwan. Zieht von der Erde aus gesehen ein Planet direkt vor seinem Heimatstern vorbei, dunkelt er ihn ganz leicht ab. Diese Mini-Sternenfinsternis kann "Kepler" messen.

Crowdsourcing-Projekt: 15 Exoplaneten in habitablen Zonen entdeckt

Doch die automatische Auswertung der Daten findet nicht alle Planetenkandidaten. In einem großen Crowdsourcing-Projekt, an dem sich jeder beteiligen kann, werden die "Kepler"-Beobachtungen von Freiwilligen begutachtet. Das Projekt Planet Hunters (Planetenjäger), das unter anderem von den Universitäten Oxford und Yale koordiniert wird, hat bereits knapp 50 zuvor unentdeckte Planetenkandidaten in den "Kepler"-Daten gefunden, wie die Yale-Universität berichtete. Darunter finden sich 15 Kandidaten in der bewohnbaren Zone ihres Sterns, wo die Temperaturen gerade richtig für flüssiges Wasser sind. Flüssiges Wasser gilt als Voraussetzung für Leben wie wir es kennen.

Einer dieser 15 Kandidaten, ein Jupiter-großer Gasriese mit der Katalognummer PH2b, ist durch Nachbeobachtungen bereits als Planet bestätigt worden. Yale-Astronom Ji Wang betonte, dass nicht nur die Planeten selbst als mögliche Heimat für extraterrestrisches Leben infrage kommen. "Jeder Mond um den neu entdeckten, Jupiter-großen Planeten könnte bewohnbar sein.  (APA/red, derStandard.at, 08.01.2013)

  • Die Zahl der entdeckten bestätigten und potenziellen Exoplaneten steigt stetig; im selben Ausmaß sinkt die Größe der beobachteten Welten. Astronomen glauben, dass es nur mehr eine Frage der Zeit ist, bis eine "zweite Erde" gefunden wird.
    illustration: harvard-smithsonian center for astrophysics/ap/dapd

    Die Zahl der entdeckten bestätigten und potenziellen Exoplaneten steigt stetig; im selben Ausmaß sinkt die Größe der beobachteten Welten. Astronomen glauben, dass es nur mehr eine Frage der Zeit ist, bis eine "zweite Erde" gefunden wird.

  • Den größten Zuwachs verzeichneten die Astronomen bei den erdgroßen Felsplaneten.
    foto: nasa

    Den größten Zuwachs verzeichneten die Astronomen bei den erdgroßen Felsplaneten.

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