Rundschau: Die verfluchte Ausgabe

Ansichtssache2. März 2013, 10:13
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coverfotos: bastei lübbe, heyne, golkonda, begedia, piper, blanvalet, septime

Verflucht indeed: Keinen anderen Titel konnte es für diese Rundschau-Ausgabe geben, nachdem sie sich durch eine Reihe unterschiedlicher Faktoren  - allen voran die nicht enden wollende Grippe-Epidemie - wieder und wieder verzögert hat. Aber sei's drum. Blicken wir nach vorne, wie es sich für eine Ausgabe zu "Jahresbeginn" gehört, und kiebitzen mal, worauf wir uns 2013 so freuen dürfen.

George R. R. Martin mal anders

Zum Beginn ein willkommenes Comeback: Mit "Dschiheads" veröffentlicht Altmeister Wolfgang Jeschke seinen ersten neuen Roman seit sieben Jahren. Die auf einem abgelegenen Planeten angesiedelte Geschichte verbindet religiöse und ökologische Motive und wird im Juni bei Heyne herauskommen. Kurz danach liefert der Verlag mit Paolo Bacigalupis "Versunkene Städte" ("The Drowned Cities") die Fortsetzung von "Schiffsdiebe". Der Titel aus dem Heyne-Programm, auf den ich mich am meisten freue, ist allerdings "Planetenwanderer", die längst überfällige Übersetzung von George R. R. Martins humorvollem Klassiker "Tuf Voyaging" über einen interplanetaren Handlungsreisenden in Sachen Biotechnologie.

Apropos Martin: Seine Reihe "Das Lied von Eis und Feuer" hat Blanvalet den seltenen Fall eines Kassenmagneten mit hoher Qualität beschert, steht aber nun fürs Erste still, bis Martin den nächsten Band fertiggeschrieben hat (und für so etwas braucht er bekanntlich lange). Als neuen Fantasy-Hoffnungsträger sieht der Verlag 2013 Royce Buckingham mit seinem Epos "Die Karte der Welt" ("Mapper"), das im Juli erscheint - ungewöhnlicherweise auf Deutsch zuerst.

Auf der dunklen Seite

Bastei Lübbe hat die Steampunk-Reihe "Burton & Swinburne" von Mark Hodder übernommen. Der erste Band ("Der kuriose Fall des Spring Heeled Jack", hier der Rückblick auf die Rezension der Originalversion) ist bereits erschienen, im August folgt mit "Der wundersame Fall des Uhrwerkmanns" ("The Curious Case of the Clockwork Man") der zweite. Und auch bei seinen SF-Autoren beweist der Verlag Treue. Von Peter F. Hamilton kommen heuer gleich mehrere Titel auf den Markt: Neben Wiederveröffentlichungen vor allem die Storysammlung "Die Dämonenfalle" ("Manhattan in Reverse") und im Sommer die Space Opera "Der unsichtbare Killer" ("Great North Road", erst im letzten Jahr veröffentlicht). Dazu kommt mit "Die Vergessenen" ("The Technician") ein neuer Titel aus Neal Ashers erfolgreicher "Polis"-Reihe heraus.

In Sachen Horror fällt unter anderem "The Fall of Hades" von Jeffrey Thomas auf, das im Spätsommer als "Der Untergang der Hölle" bei Festa erscheinen wird: Der jüngste Roman aus der "Hades"-Reihe des "Punktown"-Autors, die mit einer Cyperpunk-Version der Hölle aufwartet. Und wenn wir schon beim Thema Horror sind: Im Sommer werden wir dann auch endlich wissen, wie sich Brad Pitt als Produzent eines Zombiefilms macht. "World War Z" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Max Brooks, und rechtzeitig zum Kinostart bringt Goldmann noch einmal eine Neuauflage heraus ("Operation Zombie"; diesmal hoffentlich ohne den dämlichen Titelzusatz "Wer länger lebt, ist später tot").

Ich Edgar, du Leser

Einen Kassenknüller erhoffen sich auch die Macher des viermilliardsten Tarzan-Films, der ebenfalls im Sommer anlaufen wird. In 3D und mit Kellan Lutz in der Titelrolle, naja. Hier ist das Crossover-Marketing ungleich interessanter: Heyne wirft im Juni "Das Buch zum Film" auf den Markt, soll heißen drei Originalromane von Edgar Rice Burroughs zu einem 700-Seiten-Wälzer zusammengestellt. Wer nach einem knappen Jahrhundert Tarzan in unzähligen Versionen nicht mehr weiß, was für ein Bild vom Lord des Lendenschurzes das richtige sein soll, kann hier nachlesen, wie diese Ikone der Popkultur ursprünglich konzipiert war.

Fast so alt wie Tarzan sind die Romane "Last and First Men" und "Starmaker" von Olaf Stapledon, die Heyne nach einigen Verschiebungen im Juni als "Die Geschichte der Zukunft" herausbringen will. Und eine Future History ist es fürwahr: Kein Autor vor ihm und kaum einer danach wagte sich so weit in die Zukunft vor wie Stapledon.

Neuere Visionen

Wie eine Giraffe aus einer Elefantenherde ragte 2011 der atemberaubend technoide SF-Roman "Quantum" von Hannu Rajaniemi aus dem Programm des Piper-Verlags, der doch in seiner Phantastik-Schiene primär auf Fantasy setzt. Aber er hat sich offenbar gut genug verkauft, denn der Nachfolgeband "Fraktal" ("The Fractal Prince") kommt im März heraus.

Mit seinen biotechnologischen Visionen im Band "Prothesengötter" begeisterte 2008 der deutsche Autor Frank Hebben. Umso bedauerlicher, dass seine nächste Storysammlung "Das Lied der Grammophonbäume" zunächst nur als eBook erschien. Doch heuer folgt die große Print-Welle: Der Begedia-Verlag bringt sowohl die "Grammophonbäume" als auch die Cyber-Anthologie "Fieberglasträume", für die Hebben als Co-Herausgeber fungierte, in Druck - während das Haus Shayol gerade erst Hebbens Storysammlung "Maschinenkinder" auf den Markt gebracht hat.

Wurdack startet ein Shared Universe unter dem Titel "Die Neunte Expansion" mit dem Far-Future-Szenario einer Menschheit, die zum Dienervolk eines Alien-Imperiums geworden ist; pro Jahr sind vier Romane von verschiedenen AutorInnen geplant. Septime hat für Frühling den nächsten Band seiner James Tiptree Jr.-Reihe angekündigt ("Houston, Houston!"). Und der Atlantis-Verlag wird 2013 die SF gegenüber Fantasy und Horror herausstreichen. Hier steht unter anderem die Wiederveröffentlichung der legendären "Earl Dumarest"-Saga von E. C. Tubb an, die es von den späten 60ern bis Mitte der 80er Jahre auf über 30 Bände gebracht hatte.

Preiswürdig

Golkonda setzt indes nicht nur seine (Meta-)Fantasyreihe "Nimmèrÿa" von Samuel R. Delany fort, sondern wartet im Frühling auch mit einem besonderen Schmankerl auf: "In einer anderen Welt" ist die Übersetzung von Jo Waltons "Among Others", einem Roman über die Macht der Fantasie, der im vergangenen Jahr sowohl den Hugo als auch den Nebula ... und zum Drüberstreuen ein paar andere Preise gewonnen hat (hier die Nachlese).

Heuer wird unter anderem "2312" von Kim Stanley Robinson ins Rennen um den Nebula Award gehen, ein Roman, in dem die Menschheit mittels kühn konstruierter Habitate so gut wie das gesamte Sonnensystem besiedelt hat. Hurra: "2312" steht bei Heyne unmittelbar vor der Veröffentlichung - womit wir wieder in der Gegenwart angekommen wären und die Rundschau wieder ihren Normalmodus aufnimmt.

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