Lust aufs Dornröschenschloss

8. Jänner 2013, 17:47
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Die höchst umtriebige Mittelbühne Garage X wälzt kühne Wachstumspläne. Die beiden Chefs Harald Posch und Ali. M. Abdullah blicken begehrlich auf das Kabelwerk in Meidling

Wien - Erfolg beschert Wachstumsträume. Die Wiener Mittelbühne Garage X wird seit 2009 von den Regisseuren Harald Posch und Ali M. Abdulla geleitet. In der arbeitsteiligen Welt der Wiener Theaterhäuser haben sich die beiden Impresari als Barometermacher verdient gemacht.

Kein Trendwort, kein Krisensymptom, das im Kellerlokal am Petersplatz unregistriert bliebe. Vier Eigenproduktionen schießt das Haus pro Spielzeit heraus. Dazu kommt ein erklecklicher Anteil von Koproduktionen, die mit potenten Partnern aus der höchsten deutschsprachigen Spielklasse abgewickelt werden: dem Thalia Theater Hamburg, dem Theater Oberhausen, demnächst dem Münchner Residenztheater.

Jetzt droht den beiden Direktoren die Decke über dem Kopf einzustürzen. Allzu deutlich werden in der vierten Spielzeit die Einschränkungen durch Platzmangel und stagnierendes Budget. Während es der Garage X sogar gelingt, den Berliner Hauptstadtkulturfonds anzuzapfen, schlagen kooperationswillige Partner nach Besichtigung des Kellertheaters die Hände zusammen.

Abdullah: "Wir können Bühnenbildvorschläge unserer Partner nicht verwirklichen. Da haben wir uns gesagt: Gut, wir mieten einen anderen Raum an!" Posch: "Nur kostet uns eine solche Anmietung am Ende so viel wie eine halbe Produktion." Die Garage X muss mit 720.000 Euro jährlich wirtschaften. Vergleichbare Häuser wie das TAG in Wien-Gumpendorf oder der Erdberger Rabenhof erhalten mehr. Vor allem der Bund ziert sich, Mittel kontinuierlich flüssig zu machen. Posch: "Wir dachten 2009, die 180.000 Euro des Bundes aus der Ära Haspel würden uns erhalten bleiben. Das war ein Irrtum."

Nicht von ungefähr schweifen die Blicke der beiden Theatermacher aus der Inneren Stadt nach Meidling. Dort schläft das um teures Geld renovierte Kabelwerk einen Dornröschenschlummer. Als "niederschwelliges soziokulturelles Projekt" ressortiert das mit jährlich 400.000 Euro unterhaltene Industriebauwerk bei der Stadtentwicklung.

Noch müssen alle Beteiligten die Entscheidungen jener Theaterjury abwarten, deren Vorschläge für Ende Jänner erwartet werden. Tatsächlich haben Posch und Abdullah einen Antrag auf Konzeptförderung ab 2014 gestellt. Das Kabelwerk Meidling und das Theater Petersplatz könnten in ein Werk X (AT) überführt werden. Finanzbedarf: 1,46 Millionen Euro. Und Regisseure wie Schorsch Kamerun und Milan Peschel lernen endlich Meidling kennen. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 9.1.2013)

  • Kulturförderung und Stadtentwicklungskosten im Blick: Harald Posch (li.) und 
Ali M. Abdullah, Leiter der Garage X.
    foto: yasmina haddad

    Kulturförderung und Stadtentwicklungskosten im Blick: Harald Posch (li.) und Ali M. Abdullah, Leiter der Garage X.

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