Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Sprachwissenschaftler Rudolf de Cillia: "Wenn jetzt Schulreife so definiert wird, dass man die Bildungssprache gut genug beherrschen muss, dann ist das pädagogisch nicht sinnvoll. Das ist eine Diskriminierung nach sprachlichen Kriterien."

Germanist Hans-Jürgen Krumm: "Es wirkt diskriminierend auf Kinder, wenn ihnen gesagt wird, sie dürfen aufgrund der Sprachkenntnisse noch nicht in die Schule gehen. Probleme könnte es auch bei der späteren Jobsuche geben."
Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) will ein neues Konzept zur Sprachförderung entwickeln, zu dem sie auch Experten zu Rate ziehen will. Dazu zählen der Sprachwissenschaftler Rudolf de Cillia und der Germanist Hans-Jürgen Krumm von der Universität Wien. Sie sprechen sich im Gespräch mit derStandard.at jedoch klar gegen den Plan aus, Kinder, die Probleme mit der deutschen Sprache haben, in Vorschulklassen zu geben, was Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) und seit kurzem auch Ministerin Schmied befürworten.
De Cillia und Krumm erklären, in welche Richtung sie arbeiten möchten. Dazu verweisen sie auf ein Maßnahmenpapier von SOS Mitmensch mit dem Titel "Migration, Integration und Gleichstellung in Österreich", an dem beide mitgearbeitet haben. Es enthält viele bildungspolitische Vorschläge zur Förderung der deutschen und anderer Sprachen - allerdings keine Deutsch-Crashkurse in Vorschulklassen.
De Cillia ist dagegen, Kinder nach sprachlichen Kriterien zu trennen. "Wenn jetzt Schulreife so definiert wird, dass man die Bildungssprache gut genug beherrschen muss, dann ist das pädagogisch nicht sinnvoll. Das ist eine Diskriminierung nach sprachlichen Kriterien. Das kann außerdem auch deutschsprachige Kinder betreffen, die Dialekt sprechen."
Derselben Meinung ist Germanist Hans-Jürgen Krumm, der ebenfalls das Bildungsministerium hinsichtlich der Sprachförderung beraten soll. Er sagt, es wirke diskriminierend auf Kinder, wenn ihnen gesagt wird, sie dürften aufgrund der Sprachkenntnisse noch nicht in die Schule gehen. Probleme könnte es auch bei der späteren Jobsuche geben, wenn sich Jugendliche rechtfertigen müssen, warum sie mit sechs Jahren noch nicht in die Schule gehen durften.
Krumm und de Cillia setzen stattdessen auf Sprachförderung im Kindergarten. Man sollte zwei verpflichtende Kindergartenjahre kostenlos einführen und die Mittel für die Kindergärten wesentlich erhöhen. Eine Pädagogin mit 25 Kindern, wie es derzeit oft der Fall sei, könne bei der Sprachförderung nicht viel erreichen. Zurzeit kämen vom Bund fünf Millionen Euro im Jahr für 200.000 Kindergartenkinder, also 25 Euro pro Kind. Damit könne man nicht viel anfangen.
Man müsste also viel mehr Geld in die Hand nehmen, um hier sowohl die deutsche als auch die jeweilige Familiensprache der Kindergartenkinder zu fördern. Das heißt: mehr KindergartenpädagogInnen und mehr Betreuung in den Muttersprachen wie Türkisch, Serbisch und Bosnisch. Das setze allerdings voraus, dass die im Regierungsprogramm schon lange versprochene Ausbildung von KindergartenpädagogInnen auf tertiärem Niveau durchgeführt wird, also an Hochschulen.
De Cillia setzt die geringen Mittel für Kindergärten in Relation zu "Sprachförderkursen für außerordentliche SchülerInnen mit einer anderen Erstsprache als Deutsch", für die die Bundesregierung 23,9 Millionen Euro und 440 Lehrerplanstellen für das Schuljahr zur Verfügung stellt. Der Sprachwissenschaftler: "Wenn man diese Summen vergleicht, sieht man sehr schnell, wo man mit einem differenzierten Modell ansetzen könnte."
Die Devise von de Cillia: "Früher beginnen und den Kindern Zeit für den Spracherwerb lassen." Wenn man in zwei Kindergartenjahren effizient Sprachförderung betriebe, würden die Kinder dem Unterricht folgen können. "Dann spart man sich die ganze Aufregung um eine punktuelle Maßnahme, die so in den Vordergrund gestellt wird, statt dass man mit nachhaltigen differenzierten Maßnahmen den Spracherwerb von Beginn des Kindergartens an bis zum zehnten Lebensjahr unterstützt." Eine solche Herangehensweise sei jedoch nicht so einfach und plakativ zu vermarkten. (Rainer Schüller/Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 8.1.2013)
Linguist Krumm: "Schule macht mehrsprachige Kinder einsprachig"
Koalition regelt Sprachförderung per Erlass neu - Kein zusätzliches Geld
Jedes dritte Wiener Kind unter sechs hat Deutsch-Probleme - Auf 50 Kinder kommt eine Sprachassistentin
In Kindergärten und Schulen herrsche großer Druck, Deutsch zu sprechen, sagen Pädagogen
Migranten erzählen, wie sie Deutsch gelernt haben - Autor Michael Stavarič sieht Vorschulklassen für fremdsprachige Kinder als Stigmatisierung
Vorarlberger Ex-Landesrat verweist auf regionale Unterschiede und will Reform der Lehrerausbildung
"Verschwindend kleine Anzahl" fachlich qualifizierter Lehrkräfte, zu wenige Ressourcen in der Forschung
Bildungsministerin Schmied wiederholt ihre Forderung nach punktuellen Vorschulklassen, bevorzugt aber "integrative Ansätze"
In Wien entscheidet der Direktor, ob ein Kind gut genug Deutsch spricht
Niederösterreich gegen Vorschlag von Sebastian Kurz: Familienlandesrätin Barbara Schwarz setzt bei der Sprachförderung auf den Kindergarten
Nicht nur zwischen der roten Unterrichtsministerin und dem schwarzen Integrationsstaatssekretär, auch zwischen Rot und Grün in Wien gibt es Dissonanzen rund um das Thema Sprachförderung
Unterrichtsministerin will Kriterien zur Schulreife verfeinern - Wirft Staatssekretär Kurz "medialen Schnellschuss" vor, da er mit der Einigung an die Öffentlichkeit ging
Integrationsstaatssekretär Kurz bringt das Thema Deutsch wieder aufs Tapet. Was müssen Volksschüler können?
Schuleinschreibung von 14. bis 25. Jänner - Bei Sprachproblemen Förderung in Vorschulklassen
Staatssekretär Kurz will mit Kursen in Wien starten - Unterrichtsministerium: Außer Grundsatzeinigung nichts Neues
Bildungsausgaben sind zwischen den Jahren 2000 und 2009 um 25 Prozent gestiegen - "Hohes Ausmaß an Chancenungleichheit und Kompetenzarmut"
Montessori-Methoden und Lesepaten: Zahlreiche User schickten Vorschläge zur Sprachförderung
derStandard.at startet anlässlich der Debatte über ein zusätzliches Vorschuljahr eine Serie - Schicken Sie uns Ihre Vorschläge!
Die Schule allein wird die Defizite der Integrationspolitik nicht beheben können - Von Lisa Nimmervoll
In Wien sollen nur Kinder mit ausreichenden Deutschkenntnissen die Volksschule beginnen dürfen
Hierbei kann ich auch keine Diskriminierung erkennen.
Denn man bietet ja Vorschulklassen für Kinder an, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind.
Es gibt unzähle LehrerInnen die sich beklagen dass sie nicht mehr unterrichten können, weil über die Hälfte der SchülerInnen die Unterrichtssprache nicht verstehet. Daher finde ich gehört daran dringend etwas verändert. Ohne Deutschkenntnisse kann halt leider nun mal kein Unterricht stattfinden. Es herrscht mit diesem Modell ja keine Ausgrenzung, sondern auch ein neuer Lösungsansatz wie man bisherige Probleme in Zukunft vermeiden kann.
Ich finde das mal einen guten Vorschlag der Politik.
Diskriminierung, weil der Sprachunterricht viel früher ansetzten müsste und, weil dann die nicht deutschprachigen Kinder unter sich bleiben.Am besten lernt man mit genügend deutschprachigen Input.dh.Auf die Mischung in den Klassen kommt es an .
Die LehrerInnn sind auch überfordert, weil sie darauf nicht vorbereitet wurden, obwohl Ö. seit 30 Jahren Einwanderungsland ist.Leider glaubt man in Ö. je kleiner die Kinder desto weniger muss man für sie ausgeben..Dabei werden viele Weichen schon Im kindergarten gestellt.Die Bezahlung der kindergärterinnen ist aber unter aller Sau.Letztendlich entscheidet die Wiege.
Die getrennten Klassen mögen nicht als Diskriminierung gedacht sein, haben aber diesen Effekt.
ich habs ja zuerst nicht geglaubt, als mir das ein freund erzählt hat:
http://www.gissv.org/admissions/tuition
also wenn man mal im silicon valley arbeitet und seine kinder in eine deutsche schule schicken will kostet das, nämlich so richtig: schule fängt an bei 14.800$ jährlich. und das ist jetzt ohne einschreibgebühr und nur am vormittag.
in der schule gesprochen werden. Wenn einige Türkisch reden kann man doch auch mal für alle das türkische Wort benutzen. Das bildet alle weiter. Wir reden in der Firma auch mal deutsch, englisch und selten spanisch. Ja nach Teilnehmer im Meeting.
... wie soll das dann mit anderen Sprachen funktionieren?
Wir schaffen es ja nicht mal deutsch allen beizubringen (siehe diskussion) wie soll das dann für weitere Sprachen funktionieren?
Nette idee, aber ich befürchte leider wunschdenken..
Besseres Deutsch und daher bessere Chancen!
Die Sprache ist ein immenser Beitrag zur Integration und ein wichtiger Schritt zum Miteinander und nicht zum nebeneinander !
Fürchte es gibt sicher nen Brickerl Block innerhalb der nächsten 72 Stunden zu diesem Thema.....
"Wenn jetzt Schulreife so definiert wird, dass man die Bildungssprache gut genug beherrschen muss, dann ist das pädagogisch nicht sinnvoll"
Wie bitte stellt sich der Herr Wissenschaftler den Wissenserwerb vor, wenn das Kind die Unterrichtssprache nicht versteht?
Aber es kommt ja noch dicker: "Probleme könnte es auch bei der späteren Jobsuche geben, wenn sich Jugendliche rechtfertigen müssen, warum sie mit sechs Jahren noch nicht in die Schule gehen durften"
Na Hauptsache, sie waren mit 6 Jahren schon in der Schule. Dass sie dort nix verstanden haben (weils dem Unterricht mangels Sprachkenntnissen nicht folgen konnten) und darum nix glernt haben, wird sie bestimmt nicht benachteiligen.
Ich kann nur noch den Kopf schütteln....
kommt mit der Bildungssprache in die Schule, sondern mit wienerisch, steirisch,alemannisch etc.
Es ist die Aufgabe der VS die Kinder an die Bildungsprache heranzuführen.
Nur weil jemand nicht so denkt wie Sie ist er noch nicht wo "angrennt".by the way,Ein Herzpatient wird nicht zum Kardiologen.Bei der Schule tun aber alle so als seien sie die eigentlichen Experten, nur weil sie einmal in die Schule gegangen sind.Seltsam, wo sind die alle "angrennt" ?
Werter Herr Strobl, hier geht es nicht um Dialekte - hier geht es um FREMDsprachen. Ein Kind, das mit einem Dialekt der Muttersprache Deutsch aufwächst, ist immer in der Lage, dem Unterricht zu folgen.
Bei einem Kind, das mit einem türkischen Dialekt (so es solches geben sollte) und türkischer Muttersprache im Unterricht einer deutschsprachigen Schule sitzt bezweifle ich dessen Fähigkeit, dem Unterricht zu folgen.
Expertentum: Woher nehmen Sie das Wissen um meinen Beruf, meine Kenntnisse, meine Erfahrungen? Und selbst wenn ich keine Kenntnisse oder Erfahrung im Bereich der Pädagogik hätte, so bliebe mir immer noch mein gesunder Menschenverstand. Und der sagt mir: Nix Deutsch, nix verstehen im Unterricht!
Wenn man heute als Erwachsener eine neue Sprache lernen möchte, kann man entweder einen Volkshochschulkurs (oder Äquivalente) besuchen oder in ein Land fahren in dem die Sprache gesprochen wird und sich dort ein paar Monate aufhalten. Leichter ist zweiteres.
Daher glaube ich, dass es besser wäre, zu versuchen die Kinder mit Nicht-Deutscher-Muttersprache auf Schulen zu verteilen, damit ein gutes Verhältnis der Sprachen in der Klasse entsteht.
Separate Klassen zum Deutsch lernen ohne Deutschsprachige Kinder darin zu haben ist in etwa so als würde man Schwimmen lernen ohne dabei ins Wasser zu gehen. Ist bestimmt auch irgendwie möglich, sonst wäre die Regierung nicht auf eine solche Idee gekommen.
Ich durfte mal den "Buchstabentag" einer Volksschule besuchen, in dem Eltern/Freunde der Kinder mit allen Kindern der 1. Klasse Übungen machen.
Z.B. die folgende übliche Übung zum Buchstabenlernen: Die Kinder sehen ein Bild von etwas, und sollen erkennen, ob ein gewisser Buchstabe am Anfang, Mitte oder Ende des Wortes vorkommt. Nicht wenige Kinder der Klasse kannten das deutsche Wort fürs Bild nicht, und hatten keine Chance, die Aufgabe zu lösen, und den Buchstaben zu lernen.
Wenn die Kinder nicht deutsch sprechen können, können sie lesen & schreiben auf deutsch gar nicht lernen... wir sollten ihnen die Chance geben, das vor der 1. Klasse zu lernen!
Sie testet nämlich nicht, ob die Kinder die Buchstaben kennen, sondern eine recht komplexe, abstrakte Kompetenz. Es könnte leicht vorkommen, dass einige Kinder das Wort kennen, es auch von Anfang bis Ende richtig buchstabieren können und trotzdem diese Aufgabe nicht oder unsicher lösen.
Wie oft hätte er denn das Wort "Deutsch" verwenden müssen, damit Sie nicht mehr kritisch sind?
Ein deutschsprachiger Text kann vom Erwerb des Deutschen handeln ohne andere Sprachen schlecht zu machen oder das eine als Widerpart des anderen darzustellen - und ohne immer "Deutsch, Deutsch" zu sagen.
Man nennt es "Kontext" (ein deutsches Wort).
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.