Kein Compiz für X.org-Nachfolger Wayland

8. Jänner 2013, 18:02
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Hauptentwickler will nur mehr Wartung des Window Managers betreiben - Unklare Ubuntu-Zukunft

Einst eines der aufregendsten Projekte für den Linux-Desktop ist der Fenstermanager Compiz in den vergangenen Jahren zunehmend in den Hintergrund getreten. Zwar setzt Ubuntu - im Gegensatz zu allen GNOME3-basierten Distributionen - weiterhin auf Compiz, aber auch dort ist von einer aktiven Entwicklung der Software kaum etwas zu bemerken.

Offizielle

In einem Blog-Eintrag hat der Compiz-Hauptentwickler Sam Spillsbury diesen Zustand vor kurzem mehr oder weniger offiziell gemacht. Er habe keine Pläne den Window Manager aktiv weiter zu entwickeln, heißt es darin. Zwar sollen noch bei Bedarf Bugfixes eingepflegt werden, an neuen Features will er aber nicht mehr arbeiten.

Keine Wayland-Portierung

In diesem Zusammenhang erteilt Spillsbury auch der Entwicklung einer Wayland-Portierung von Compiz eine Absage. Er zweifle, dass es Sinn mache den Fenster-Manager an den X.org-Nachfolger anzupassen. Immerhin sei im Wayland-Modell die Rolle eines Windows Managers von wesentlich geringer Bedeutung.

Argumente

Auch gebe es mit Weston einen de fakto Default-Fenstermanager für Wayland. In Summe würde sich eine Umsetzung, die mit massiven Code-Änderungen verbunden wäre, schlicht nicht rentieren. Zudem zeigt sich der Entwickler davon überzeugt, dass die Fragmentierung durch viele ähnliche Softwarelösungen ein echtes Problem für den Linux-Desktop sei - an dem er sich nicht mehr beteiligen will.

Ubuntu

Bleibt abzuwarten, wie Softwarehersteller Canonical auf diese Ankündigung reagieren wird. Immerhin hat das Unternehmen in der Vergangenheit recht offensiv verkündet auf Wayland setzen zu wollen - auch wenn man sich mit eigenen Code-Beiträgen in diese Richtung bislang eher zurückhaltend zeigt. Nun steht das Unternehmen also vor der Wahl entweder die Compiz-Portierung selbst vorzunehmen oder den Unity-Desktop auf eine neue technische Basis zu stellen.

Historie

Damit steht man vor einer historisch durchaus interessanten Situation: Setzten erste Unity-Versionen doch auf den GNOME3-Fenstermanager Mutter. Diesen ließ man damals aber aus Performancegründen hinter sich, und portierte Unity vollständig auf Compiz. Nur wenige Wochen nach Ubuntus Wechsel flossen zahlreiche Performance-Optimierungen in Mutter ein, die den GNOME3-Fenstermanager deutlich flotter als Compiz machten - ein Vorsprung, den Mutter bis heute halten konnte. Zudem ist eine Wayland-Portierung des GNOME-WM bereits in Entwicklung. (apo, derStandard.at, 08.01.13)

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    grafik: kristian hogsberg
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