Zuckerland der Liebe

Ansichtssache7. Jänner 2013, 19:10
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foto: orf/breisach

Zu den grässlichsten Nachteilen, die eine leibhaftige Anwesenheit beim Neujahrskonzert im Musikverein mit sich bringt, gehört die Tatsache, die Uraufführung jenes die TV-Übertragung schmückenden Pausenfilms versäumen zu müssen. Immerhin aber erstrahlt am Sonntag die Kultur-Matinee auf ORF 2 - und ihr ist für eine Folgeaufführung zu danken.

Der Pausenfilm "Honeymoon" wurde dem abermals gezeigten Strauß-Konzert diesfalls vorangestellt: Ein Pärchen reist frisch vermählt durch die Schönheiten Niederösterreichs - und zu vermuten ist, mit unabsehbaren touristischen Folgen für das Bundesland. Bedenkt man, dass mehr als 80 Länder beim Walzervormittag dabei waren und immerhin einige diese (mit viel Zeitlupe zelebrierten) Glücksmomente genossen, wird der weitsichtige Landesvatervater bald für die Ausweitung der Hochzeitsinfrastruktur sorgen. Die Welt nämlich dürfte nur noch unter den gütigen Adleraugen des gelb-blauen Landeswappens heiraten oder zumindest Flitterwochen zelebrieren wollen.

 

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foto: orf/breisach

Wozu auf die Malediven fliegen? Geht in Niederösterreich ein Hochzeitsauto kaputt, ist im Pfarrer sogleich der süß lächelnde Mechaniker gefunden. Überhaupt ein Land der Liebe: glücklich winkendes Landesvolk, wohin das Pärchen auch fuhr; dazu selig aufspielende Abordnungen der Philharmoniker, strahlende Lipizzaner, gleißendes Regierungsviertel.

Nur der Landesvater selbst, konsequent wie er ist, blieb unsichtbar. Er hat ja für die bevorstehende Landtagswahl den kürzesten Wahlkampf aller Zeiten versprochen. Wobei: In seinen kühnsten Werbeträumen hätte ein Filmchen über seine schöne Machtheimat genauso ausgesehen wie Honeymoon. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 8.1.2013)

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