Hotellerie kämpft mit sinkenden Erträgen

7. Jänner 2013, 17:43
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Höhere Preise machen die Mehrkosten der Hoteliers nicht wett. Überkapazitäten zwingen viele Betriebe dazu, sich unter ihrem Wert zu verkaufen

Höhere Preise machen die Mehrkosten der Hoteliers nicht wett. Überkapazitäten zwingen viele Betriebe dazu, sich unter ihrem Wert zu verkaufen. Dass ihre Bonität dennoch steigt, ist nur den niedrigen Zinsen zu verdanken. Der Sommer bleibt ein Pferdefuß.

 

Wien - Die niedrigen Zinsen retten die Bilanzen der österreichischen Hoteliers. Unternehmen mit drei bis fünf Sternen ersparten sich dadurch zuletzt jährlich 300 Millionen Euro. Es sei eine Gnade und Glück für die Branche, davon voraussichtlich noch bis 2015 profitieren zu können, sagt Franz Hartl, Chef der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank. Denn die reine Ertragskraft der Betriebe sinke.

Die Auslastung sei gut, bei den Preisen geben es die Hoteliers aus seiner Sicht jedoch zu billig. Die Kosten für Energie und Marketing seien stark gestiegen, in Werbung fließe im Schnitt bereits mehr als vier Prozent des Umsatzes. Die erzielten Preise reichten nicht aus, um den Mehraufwand wettzumachen, auch wenn die Betriebe größer wurden und damit ihr Umsatz.

"Die Rentabilität nimmt ab, un- ser Problem ist der Sommer", bestätigt Sepp Schellhorn, Präsident der Hoteliervereinigung. Die Zahl der Betten sei in den vergangenen Jahren um 30.000 gestiegen, während den unteren Kategorien nur 10.000 verloren gingen. Das Überangebot zwinge Hotels dazu, sich letztlich zu einem Stern weniger zu verkaufen, als ihnen zustünde.

Schellhorn appelliert an die eigenen Reihen, im Sommer "mehr Profil und Innovation" zu zeigen. Die Österreich Werbung fahre bei ihren Kampagnen "im Brackwasser der Beliebigkeit". Auch die Po- litik müsse aufwachen: Die Dauer der Abschreibungen für touristische Investitionen gehöre massiv verkürzt und die Stilllegung von im Koma liegenden Betrieben erleichtert. Letztlich werde "die touristische Infrastrukturblase" platzen, seien Hoteliers nicht mehr finanziell in der Lage, die Kosten für Einrichtungen wie Thermen und Skilifte rundum mitzutragen.

Hohe Schulden

Bei den eigenen Betrieben hielt sich die Branche 2012 mit Investitionen erstmals seit Jahren zurück; sie stagnierten auf drei Mrd. Euro. Hartl spricht von flauen Finanzierungsanträgen, die er aber nicht negativ deutet. Denn das zuletzt hohe Investitionstempo erneut zu steigern, wäre verrückt gewesen. Es brauche die Konsolidierung, um Schulden zu senken.

Eine Belebung zeichnet sich bereits für heuer ab, erwartet man in der Tourismusbank. Die Hoteliers wenden das meiste Geld dafür auf, um Zimmer und Qualität auszubauen. Mit im Schnitt 45 Betten pro Betrieb ist die Branche international klein strukturiert - was, wie Hartl sagt, betriebswirtschaftlich ein Nachteil sei.

Deutlich weniger als früher geben Touristiker für Wellness aus. Österreich zählt mittlerweile rund tausend Wellnesshotels, das Thema habe sich angesichts der starken Konkurrenz erschöpft.

Rund 60 Prozent der Investitionen tätigen Ganzjahresdestinationen, Motor ist das Wintergeschäft. Nur drei Prozent entfallen auf Regionen, die sich dem Sommer widmen. "Die Investitionen dümpeln hier auf schwachem Niveau."

Der Pferdefuß der Branche ist aufgrund der hohen Abhängigkeit von Krediten die Eigenkapitalquote. 2012 war sie zwar erstmals in den wichtigsten Hotelkategorien positiv. Doch von den gesetzlich vorgesehenen acht Prozent bleibt sie weit entfernt. Die Entschuldungsdauer nahm seit Beginn der Wirtschaftskrise dank niedriger Zinsen um drei auf 14 Jahre ab. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 8.1.2013)

  • Wien erlebte einen Bettenboom. Die Folge sind Überkapazitäten, niedrigere Auslastung und sinkende Preise.

    Wien erlebte einen Bettenboom. Die Folge sind Überkapazitäten, niedrigere Auslastung und sinkende Preise.

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