Ideen zur Schulreife müssen noch reifen

7. Jänner 2013, 17:50
15 Postings

Integrationsstaatssekretär Kurz bringt das Thema Deutsch wieder aufs Tapet. Was müssen Volksschüler können?

Frage: Was sind derzeit die Kriterien für die Schulreife?

Antwort: Diese sind im Paragraf 6 des Schulpflichtgesetzes festgehalten. Darin heißt es: "Schulreif ist ein Kind, wenn angenommen werden kann, dass es dem Unterricht in der ersten Schulstufe zu folgen vermag, ohne körperlich oder geistig überfordert zu werden." Als Kriterien werden die körperlich/motorische, die geistig/kognitive sowie die sozial/emotionale Reife genannt.

Frage: Wer entscheidet darüber?

Antwort: Der Schuldirektor - oder in größeren Schulen der Klassenlehrer - stellt im Gespräch mit Kind und Eltern fest, ob eine Schulreife besteht.

Frage: Was macht Wien anders als der Rest des Landes?

Antwort: Bereits Ende vergangener Woche teilte der Stadtschulrat mit, dass in Wien nur noch Kinder in die erste Klasse Volksschulklasse kommen sollen, die ausreichend Deutsch sprechen. Wer das nicht kann, soll ein Jahr Zeit bekommen, um "sprach- und somit schulfit zu werden", wie das die rote Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl nennt. Diese Kinder kommen für ein Jahr in die Vorschule. Somit sind die Sprachkenntnisse erstmals offiziell ein Kriterium für die Schulreife. Das werde nicht nur Kinder aus Zuwandererfamilien betreffen, betonte Brandsteidl: Ungefähr ein Viertel der Vorschulkinder mit sprachlichen oder sozial-kognitiven Defiziten habe einen österreichischen Background.

Frage: Was will Staatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) ändern?

Antwort: Er begrüßt die Wiener Entscheidung und forderte am Montag, Deutsch als Schulreife-Kriterium explizit gesetzlich zu verankern, sprich, das Wiener Modell auf ganz Österreich auszuweiten. Das soll deswegen rechtlich verankert werden, um etwa Direktoren auch Sicherheit zu geben, falls Eltern ihre Kinder unbedingt ins Regelschulsystem "pressen" wollen. Zudem sollen sogenannte Quereinsteiger - also Zuwandererkinder, die nach der ersten Volksschule in das österreichische Schulsystem einsteigen - einige Monate Intensivdeutschkurse besuchen, bevor sie reguläre Klassen besuchen. Im Staatssekretariat geht man davon aus, dass im Wiener Pflichtschulbereich etwa 9000 Kinder davon betroffen wären.

Frage: Wie sieht dies das Unterrichtsministerium?

Antwort: Dort hält sich die Freude über den Kurz-Vorstoß in Grenzen. Man wolle ein "seriöses und umfassendes Paket" zu dem Thema verabschieden, erfuhr der STANDARD am Montag aus dem Ressort von Claudia Schmied (SPÖ). Dieses Paket beruht auf einem Ministerratsbeschluss von Anfang Dezember 2012. Laut dem soll Schmied bis März einen Vorschlag für Sprachfördermaßnahmen legen, der im Schuljahr 2013/14 mit Pilotversuchen starten soll. In dem Ministerratsbeschluss ist festgehalten, dass sowohl Vorschulkinder als auch Quereinsteiger gefördert werden sollen - "auch in Form von mehrmonatigen Intensivkursen zusätzlich zum Schulbesuch". Einen sprachlichen "Crashkurs" halte man aber für "Etikettenschwindel", sagt ein Sprecher der Unterrichtsministerin.

Frage: Inwieweit hängt das mit den Sprachstandsfeststellungen im Kindergarten zusammen?

Antwort: Formal gar nicht, die Kindergärten ressortieren nicht im Unterrichtsministerium. An dieser "Schnittstelle" wolle man aber arbeiten, heißt es. Auf Basis der Sprachstandsfeststellung sollen Kinder mit Defiziten im Kindergarten individuell gefördert werden. Laut dem Büro des Wiener Bildungsstadtrats dürfen die Informationen aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht an die Schulen weitergegeben werden. Dafür braucht es das Einverständnis der Eltern. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 8.1.2013)

  • Wer kann gut Deutsch, wer nicht? In Wien ist diese Frage künftig ein Kriterium für den Schuleintritt, verfügte der Stadtschulrat.
    foto: standard/fischer

    Wer kann gut Deutsch, wer nicht? In Wien ist diese Frage künftig ein Kriterium für den Schuleintritt, verfügte der Stadtschulrat.

Share if you care.