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Wer kann gut Deutsch, wer nicht? In Wien ist diese Frage künftig ein Kriterium für den Schuleintritt, verfügte der Stadtschulrat.
Frage: Was sind derzeit die Kriterien für die Schulreife?
Antwort: Diese sind im Paragraf 6 des Schulpflichtgesetzes festgehalten. Darin heißt es: "Schulreif ist ein Kind, wenn angenommen werden kann, dass es dem Unterricht in der ersten Schulstufe zu folgen vermag, ohne körperlich oder geistig überfordert zu werden." Als Kriterien werden die körperlich/motorische, die geistig/kognitive sowie die sozial/emotionale Reife genannt.
Frage: Wer entscheidet darüber?
Antwort: Der Schuldirektor - oder in größeren Schulen der Klassenlehrer - stellt im Gespräch mit Kind und Eltern fest, ob eine Schulreife besteht.
Frage: Was macht Wien anders als der Rest des Landes?
Antwort: Bereits Ende vergangener Woche teilte der Stadtschulrat mit, dass in Wien nur noch Kinder in die erste Klasse Volksschulklasse kommen sollen, die ausreichend Deutsch sprechen. Wer das nicht kann, soll ein Jahr Zeit bekommen, um "sprach- und somit schulfit zu werden", wie das die rote Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl nennt. Diese Kinder kommen für ein Jahr in die Vorschule. Somit sind die Sprachkenntnisse erstmals offiziell ein Kriterium für die Schulreife. Das werde nicht nur Kinder aus Zuwandererfamilien betreffen, betonte Brandsteidl: Ungefähr ein Viertel der Vorschulkinder mit sprachlichen oder sozial-kognitiven Defiziten habe einen österreichischen Background.
Frage: Was will Staatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) ändern?
Antwort: Er begrüßt die Wiener Entscheidung und forderte am Montag, Deutsch als Schulreife-Kriterium explizit gesetzlich zu verankern, sprich, das Wiener Modell auf ganz Österreich auszuweiten. Das soll deswegen rechtlich verankert werden, um etwa Direktoren auch Sicherheit zu geben, falls Eltern ihre Kinder unbedingt ins Regelschulsystem "pressen" wollen. Zudem sollen sogenannte Quereinsteiger - also Zuwandererkinder, die nach der ersten Volksschule in das österreichische Schulsystem einsteigen - einige Monate Intensivdeutschkurse besuchen, bevor sie reguläre Klassen besuchen. Im Staatssekretariat geht man davon aus, dass im Wiener Pflichtschulbereich etwa 9000 Kinder davon betroffen wären.
Frage: Wie sieht dies das Unterrichtsministerium?
Antwort: Dort hält sich die Freude über den Kurz-Vorstoß in Grenzen. Man wolle ein "seriöses und umfassendes Paket" zu dem Thema verabschieden, erfuhr der STANDARD am Montag aus dem Ressort von Claudia Schmied (SPÖ). Dieses Paket beruht auf einem Ministerratsbeschluss von Anfang Dezember 2012. Laut dem soll Schmied bis März einen Vorschlag für Sprachfördermaßnahmen legen, der im Schuljahr 2013/14 mit Pilotversuchen starten soll. In dem Ministerratsbeschluss ist festgehalten, dass sowohl Vorschulkinder als auch Quereinsteiger gefördert werden sollen - "auch in Form von mehrmonatigen Intensivkursen zusätzlich zum Schulbesuch". Einen sprachlichen "Crashkurs" halte man aber für "Etikettenschwindel", sagt ein Sprecher der Unterrichtsministerin.
Frage: Inwieweit hängt das mit den Sprachstandsfeststellungen im Kindergarten zusammen?
Antwort: Formal gar nicht, die Kindergärten ressortieren nicht im Unterrichtsministerium. An dieser "Schnittstelle" wolle man aber arbeiten, heißt es. Auf Basis der Sprachstandsfeststellung sollen Kinder mit Defiziten im Kindergarten individuell gefördert werden. Laut dem Büro des Wiener Bildungsstadtrats dürfen die Informationen aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht an die Schulen weitergegeben werden. Dafür braucht es das Einverständnis der Eltern. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 8.1.2013)
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Seit Jahrzehnten verbeißen sich die Pädagogik und ihre Konstrukteure immer mehr in Defizite und Schwächen statt nach den POTENTIALEN zu fragen, auf sie zu achten, sie zu entwickeln und zu stärken und zum Wachsen zu bringen.
Wenn der gelernte verkehrte Umgang mit Kräften & Talenten die zweite und dritte Generation erreicht, schicken die Eltern die Kinder schon verkehrt erzogen in die Schule und die Großeltern wissen auch nur noch aus Kindheitserinnerungen, dass es einmal etwas anderes gegeben hat.
In der Ich-kann-Schule gilt das SOG-Prinzip; d.h.man sucht nicht, was man wie durchDRÜCKEN SOLL sondern lässt sich etwas ein- und auffallen, was ZIEHT. Was könnte SOG-Wirkung auf alle Beteiligten haben?
Freundlich grüßt
Franz Josef Neffe
Da wird grad wieder mal das Rad neu erfunden. Die Sprachstandsfeststellung gibt es seit mehreren Jahren und selbst vorher erhielten die Kinder (im Rahmen der zur Verfügung stehenden Ressourcen und nicht nur auf sprachlicher Ebene) individuelle Förderung, denn Beobachtung war schon vorher die Grundlage unserer Arbeit - auch ohne der Wichtigmacherei irgendwelcher Politiker sondern aufgrund unseres pädagogischen Selbstverständnisses!
und wie gesagt: die offizielle Sprachstandsfeststellung wurde uns übergestülpt. Inoffiziell wurden schon immer Kinderbeobachtungen durchgeführt. Und wenn sie den Eindruck haben, es passiert gar nichts, dann kann ich ihnen sagen, dass alltägliche Aktionen wie Singen, Würfel- und andere Spiele, Experimentieren, Bilderbuchbetrachtung, usw. einen großen Teil der Förderung ausmachen. Man kann es "nur spielen" nennen, oder genauerer Betrachtung erkennen, was ein Kind dabei alles lernt (Sprachförderung, Konzentrationsfähigkeit, selbstständiges Finden von Problemlösungsstrategien, Frustrationstoleranz, motorische Fähigkeiten,...)
Das Problem ist, dass uns durch die Rahmenbedingungen die Hände gebunden sind und wir den Kindern nicht die Förderung bieten können, die ihnen gebühren würde. Angesichts der zunehmenden Forderungen und der immer schlimmer werdenden Bedingungen (die Sprache der Kinder ist dabei oft nur ein Folgeproblem, Konzentrationsschwierigkeiten aufgrund von viel zu hohem Medienkonsum nehmen zu und erschweren das Lernen) bemerke ich im Kolleginnenkreis zunehmend Resignation. Btw: Gemeindekindergärten haben noch immer nicht den besten Ruf, im Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen aus anderen Institutionen habe ich allerdings rausgehört, dass kaum wo die Sprachstandsfeststellungen so ernst genommen werden wie bei uns.
Persönliches Engagement in allen (!) Ehren.
Was es aber braucht ist eine Struktur.
Wenn der Lehrer sich reinhaut und neben den ganzen Tätigkeiten auch noch eine Sprachförderung machen will, ist es klar, dass er aufgrund fehlender Ressourcen irgendwann frustriert wird.
Wenn es aber eine Struktur gibt, viele Stunden, wo es dezidiert NUR um die Sprachförderung geht - ja, bitte spielend! - dann fällt die Doppelbelastung für alle weg.
btw: ich glaube, Schule allein wird nicht reichen. Wesentlich wird sein, dass Kinder mit einem anderen Sprachhintergrund ihr Deutsch von anderen Kindern mit dt. Muttersprache lernen - in der Freizeit. Auch aus Integrationsgründen. Ein Grund mehr für verschränkte Ganztagsschule.
Mit ihrem langen Statement haben Sie für mich die Aussagen des Interviews voll und ganz bestätigt - auch wenn das wohl nicht ihre Absicht war. Es braucht mehr Sprachförderung - aber keiner weib wies geht... Dementsprechend schauen auch Evaluationsstudien aus: Alles was passiert ist Gschaftelhuberei um viel Geld mit kaum Output...
und genau das ist es ja, was mich ankotzt - da werden Unmengen für Studien ausgegeben und supergscheite Theoretiker, die im Endeffekt auch nur das sagen, was wir täglich erleben und sowieso machen. Anstatt in das ausführende Organ zu investieren...
Nein, da haben Sie mich falsch verstanden: Es gibt ZU WENIG Forschung. Viel zu wenig. Wenns gscheite Forschung gäbe, dann wüsste man auch, was zu tun ist, und müsste sich nicht auf individuelle "Expertenmeinungen" von KindergärtnerInnen, LehrerInnen und selbsternannten BildungsexpertInnen verlassen, sondern könnte auf basis empirischer Befunde qualifizierte Maßnahmen einführen. Im Moment wird Geld sinnlos in die Praxis gepulvert, das dort niemandem was bringt. Schon gar nicht den Kindern, die davon profitieren sollen.
Vor gut 12 Jahren (oder ist es länger her, ich weiß es nicht genau) wurde in Kindergärten der Gemeinde Wien das interkulturelle Netzwerk gegründet, dass sich neben den kulturellen Unterschieden, die aufeinanderprallen, auch mit der Sprachförderung auseinandergesetzt hat (mittlerweile wurde es umgewandelt ins Forum Friedenspädagogik). Es gibt hier genug Leute aus der Praxis, die sich genau damit beschäftigen, wie wir (basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen) die Kinder bestmöglich in ihrer Sprachentwicklung unterstützen können.
Im Bereich der Forschung ist schon viel geschehen (und wird sich hoffentlich auch noch genug tun), auf nationaler und internationaler Ebene. So viele Erkenntnisse wurden schon veröffentlicht...
... jetzt wäre es an der Zeit, für die nötigen Mittel zu sorgen, damit diese Erkenntnisse auch umgesetzt werden können.
Wir brauchen nicht schon wieder eine Evaluation mit Ergebnissen, die wir sowieso kennen - diese brauchen nur die Politiker, um ihre Unfähigkeit zu rechtfertigen. Wir brauchen qualifiziertes Personal zur Förderung der Kinder, denn sie sind es, die es wirklich zu unterstützen gilt, nicht irgendwelche Zahlen einer Statistik!
„Schulunterrichtsgesetz §3 (3):
(3) Die Erziehungsberechtigten haben dafür Sorge zu tragen, dass ihre Kinder zum Zeitpunkt der Schülereinschreibung die Unterrichtssprache im Sinne des Abs. 1 lit. b soweit beherrschen, dass sie dem Unterricht zu folgen vermögen.“
http://www.jusline.at/3_Aufnahm... SchUG.html
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