Einzigartige Satelliten-Antennen aus CFK und Metall entwickelt

13. Jänner 2013, 19:14
  • Links: Der unbehandelte CFK-Hohlleiter. Rechts: Am Fraunhofer IST wurden die CFK-Hohleiter innen und außen mit einer dünnen Schicht Kupfer überzogen.
    foto: fraunhofer ist

    Links: Der unbehandelte CFK-Hohlleiter. Rechts: Am Fraunhofer IST wurden die CFK-Hohleiter innen und außen mit einer dünnen Schicht Kupfer überzogen.

  • Insgesamt knapp 600 der metallisierten CFK-Hohlleiter werden zum Radar-Antennensystem für Sentinel-1a-Satelliten zusammengefügt
    vergrößern 600x434
    foto: astrium

    Insgesamt knapp 600 der metallisierten CFK-Hohlleiter werden zum Radar-Antennensystem für Sentinel-1a-Satelliten zusammengefügt

Forscher überzogen kohlenstofffaserverstärkten Kunststoff mit dünner Kupfer-Schicht, die auch Weltraumbedingungen standhält

Wissenschafter haben in einem von Astrium geleiteten ESA-Projekt innen und außen metallisierte Antennen aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff CFK entwickelt, die zukünftig beim Radar-Antennensystem der "Sentinel-1"-Satelliten zur Anwendung kommen. Den Forschern des Fraunhofer-Instituts für Schicht- und Oberflächentechnik IST in Braunschweig ist damit eine extrem strapazierfähige Verbindung zwischen dem High-Tech-Material CFK und Kupfer gelungen. Mit den neuen Leichtgewichten werden zukünftig wichtige Umweltinformationen vom Zustand der Erde aus dem All zur Erde gefunkt.

Die etwa 12 Meter lange Antenne setzt sich aus etwa 600 einzelnen metallisierten CFK-Hohlleitern zusammen. CFK besteht aus Kohlenstofffasern und Harzen und ist im Vergleich zu herkömmlichen Antennenmaterialien wie Kupfer oder Aluminium sehr leicht und fest. Der Hochleistungskunststoff ist aber auch anspruchsvoll in der Verarbeitung und ihm fehlt die notwendige elektrische Leitfähigkeit. Um als hochsensibler Antennenstrahler zu funktionieren, müssen alle CFK-Bauteile innen wie außen homogen mit einer dünnen Schicht aus Kupfer überzogen werden.

"Jedes einzelne der 600 Bauteile hat eine sehr komplexe innere Geometrie. Die homogene Innenbeschichtung war einer der größten Knackpunkte in dem mehr als fünfjährigen Projekt" beschreibt Andreas Dietz, Gruppenleiter für Galvanotechnologie, den Projektverlauf. "Wir haben das hier am Fraunhofer IST galvanisch gelöst."

Vom Satelliten- zum Automobil- und Flugzeugbau

Die größte Herausforderung für die Fraunhofer IST-Wissenschafter: Trotz der im Weltraum herrschenden heftigen Temperaturwechsel und mechanischen Belastungen muss die dünne Kupferschicht einwandfrei auf dem Kohlefaserverbundstoff haften. Mit der in Braunschweig hergestellten und beschichteten Antenne wird "Sentinel 1a" Ende 2013 exakte Informationen über den Rückgang des arktischen Meereises, die Ausdehnung von Öl- und Hochwasserkatastrophen, Waldbränden bis hin zum Verlauf von Flüchtlingsströmen an die Erde senden. Zukünftig könnte leitfähiges CFK auch im Automobil-, Flugzeug- und Maschinenbau eine große Rolle spielen. (red, derStandard.at, 13.01.2013)

Kommentar posten
16 Postings
Hohlleiter

Warum muss der auch außen beschichtet werden?
Warum hat der so eine ungewöhnliche Form?

damit die elektromagnetische welle erkennt wo oben und unten ist!

Kohlenstoff leitet doch sehr gut, warum nicht gleiche die ganze Antenne aus Kohlefaserverbindungen bauen?

Du hast natürlich recht (am besten das Forum nicht so ernst nehmen). Ich vermute aber - ich bin aber keinesfalls Experte für sowas - das der Anwendungszweck das Problem ist. Ich denke das ein Material das aus vielen vielen vielen Fäden besteht kein einheitliches Abstrahlverhalten hat wie es für so eine moderne SAR-Antenne notwendig ist. Drum ist es ja auch so wichtig das die Cu-Schicht überall gleich dick ist.

CFK ist ein Verbundwerkstoff. Ein paar Kohlefasern und viel Harz dazwischen. Das "dazwischen" dürfte schon Hinweis genug sein dass hier kein durchgehender Leiter entsteht.

Ein paar Kohlefasern und viel Harz

das würde sofort zerbröseln.

Viel Kohle und wenig Matrix (Harz) ist notwendig.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kohl... Kunststoff

"leitet doch sehr gut"
Nicht wirklich .
Sonst wären die alten Glüh - Birnen / Fäden gleich durchgebrannt .

Die sind nicht durchgebrannt weil im Kolben ein extrem hohes Vakuum erzeugt wurde. An der Luft wäre der im nu abgeheizt.

Artikel lesen?

Sicher eine beachtliche Gewichtsersparnis und so kann man

bei gleichem Satelitengewicht noch das eine oder andere Instrument zusätzlich einbauen. Andere Frage: Würde das Fraunhofer IST auch den Carbonrahmen meines Fahrrads verkupfern? Das sähe sicher ganz mächtig aus ;-)

Das könnte man auch recht einfach selbst zustande bringen:
Ein wenig Schwefelsäure, Kupfersulfat und H2O in eine Badewanne als Elektrolyt, dann ein Kupferrohr als Anode, den Rahmen als Kathode, Spannung anlegen und schon ist es geschehen.
Weitere Informationen: http://de.wikipedia.org/wiki/Galvanotechnik

fast

http://www.umweltschutz-bw.de/?lvl=3937

http://www.tu-ilmenau.de/fileadmin... eidung.pdf (seite 6)

die außenstromlose metallabscheidung ist etwas komplexer. und hat in der badewanne den nachteil, das sie auch die badewanne selbst metallisiert (könnt aber gut aussehen, so eine kupferbadewanne).

der vorteil ist aber, das auch dort metallisiert wird, wo eine normale galvanisierung schon nicht mehr wirken würde. gerade in bohrlöchern fällt die metallionenkonzentration beim galvanisieren rapide ab, und dann hat man keine sinnvolle schichtdicke mehr.

Kupfer ist aber besch....n zu putzen...

Weil ja CFK ein so guter Leiter ist!

Hm, das nahm ich an. Daran sieht man, dass ich den Artikel nicht gelesen habe :-)
Dann entweder mit Leitsilber (wird wahrscheinlich eher kostenintensiv) oder mit Gravitspray vorbehandeln.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.