Neo-Russe Depardieu: Obelix als Kulturminister

Blog7. Jänner 2013, 14:17
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Darf zumindest Idefix in Sachen Pressefreiheit dem Kremlherrn ans Bein pinkeln?

Die Meldungen überschlagen sich: Obelix alias Filmstar Gérard Depardieu ist in der ihm eigenen Cleverness samt hauseigenen Euro-Hinkelsteinen nach Russland abgewandert. Zumindest ist er nun russischer Staatsbürger. Die russische Teilrepublik Mordwinien will ihn als Kulturminister haben. Die französische Journalistengewerkschaft SNJ-CGT fordert ihn auf, von seinem neuen Freund, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, die schonungslose Aufklärung unzähliger Journalistenmorde zu verlangen und sich in Russland für Pressefreiheit einzusetzen.

Ist Depardieu für einen solchen Appell die richtige Adresse? Aber sicher: Depardieu will jetzt sogar die russische Sprache erlernen. Sein Vater war, wie er in einem "Brief an die russischen Journalisten" betont, Kommunist und Fan des einstigen Sowjet-Senders Radio Moskau. Briefzitat: "Das ist Teil meiner Kultur" - für Sohn Gérard ist folgerichtig das heutige Russland eine große Demokratie. Der Brief endet mit "Ehre sei Russland" zu Ehren der russischen Nationalisten.

Großes Medienfressen

Am Wochenende war eine Stippvisite bei Freund Putin in dessen Feriendomizil in der russischen Olympiastadt Sotschi angesagt. Auf dem Rückweg noch schnell ein Ehrenempfang in Saransk, der Hauptstadt der Teilrepublik Mordwinien, 650 Kilometer südöstlich von Moskau gelegen. Angeblich wird Depardieu dort in einem Hochhauswohnblock seinen Hauptwohnsitz haben. Noch wirkt die Baustelle ziemlich trostlos, doch das mag einfach nur am Winterwetter liegen. In Saransk jedenfalls soll Depardieu der Posten des Kulturministers angeboten worden sein. Diese Ehre könnte den Filmstar über den Verlust Pariser Innenstadtflairs hinwegtrösten. Das Ganze ist ohne Zweifel ein großes Medienfressen.

Und Idefix?

Traurig ist nur, dass bisher niemand weiß, ob Obelix mit seinen Hinkelstein-Konten allein oder in Begleitung seines für feinen Spürsinn bekannten Vierbeiners Idefix zu Mütterchen Russland übersiedelt. Darf zumindest Idefix in Sachen Pressefreiheit gegebenenfalls dem Kremlherrn, salopp gesagt, ans Bein pinkeln? Oder muss das Hündchen künftig ohne Obelix in Frankreich Sauce Hollandaise schlabbern? Zurückgelassen bei Asterix, wer immer das heute ist.

Selbst Tierfreundin und Filmstarkollegin Brigitte Bardot, einst Modell für das französische Freiheitssymbol Marianne, verschwendet keinen Gedanken an das Schicksal des kleinen Idefix. Sie ist fixiert auf das Schicksal zweier Elefanten, die in Frankreich aussichtslos an Tuberkulose erkrankt sind und deshalb eingeschläfert werden sollen. B.B. will Depardieu nach Russland folgen, offenbar in der Hoffnung, dort einen amtlichen Rasputin für die Heilung der Schwergewichte zur Verfügung gestellt zu bekommen. In einer russisch-französischen Koproduktion hatte Depardieu den Mönch jedenfalls beeindruckend dargestellt. Zumindest das ist Fakt und kein Grubenhund. (Rubina Möhring, derStandard.at, 7.1.2013)

  • Präsentiert den neuen russischen Pass in lokaler Tracht: Gérard Depardieu.
    foto: reuters/yulia chestnova

    Präsentiert den neuen russischen Pass in lokaler Tracht: Gérard Depardieu.

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