Handy-Diebstahl: Kaum Möglichkeiten zur Ortung

15. Jänner 2013, 09:48
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Als Opfer eines Handy-Diebstahls bleibt einem oft nur der Kauf eines Ersatz-Handys

Wenn ein Handy, insbesondere ein Smartphone, gestohlen wird, ist das für die Betroffenen immer eine ärgerliche Angelegenheit. Schließlich befinden sich heutzutage nicht nur Nachrichten und Nummern auf den Mobiltelefonen, sondern allerlei persönliche Daten, Fotos und in vielen Fällen sogar Kreditkarteninformationen oder Zahlungsbelege, durch die man schnell in eine unangenehme Situation geraten kann. Zudem ist der Verlust eines Handys meist mit finanziellen Verlusten verbunden, der in mehreren Hundert Euro Schaden ausufern kann. 

Sperre der SIM-Karte

Die erste Anlaufstelle bei einem Handydiebstahl ist die Polizeiwache. Die dort aufgegebene Diebstahlsanzeige ist vor allem deshalb nötig, damit man nicht auf den Kosten sitzen bleibt, die ein Dieb nach dem Diebstahl mit dem Handy erzeugen könnte. Mit dieser Anzeige kann der Mobilfunker die SIM-Karte sperren, sodass die GSM- und 3G-Dienste nicht mehr genutzt werden können. Als Ersatz bekommt der Kunde eine neue SIM-Karte ausgehändigt. Dieser Service ist seit der Einführung der jährlichen Servicepauschale kostenlos. Und recht viel mehr bleibt dem Diebstahls-Opfer nicht übrig, denn auf den Kosten eines Ersatztelefons bleibt man alleine sitzen.

Polizei nutzt "Find my iPhone"

Das Orten von Handys wird trotz technischer Möglichkeit in sehr seltenen Fällen vorgenommen. Laut Pressestelle der Bundespolizeidirektion Wien wird bei der Sachfahndung allerdings auf Apps wie "Find my iPhone" oder "Seekdroid" zurückgegriffen, die in der Polizeistation zum Einsatz kommen. Bei einer erfolgreichen Ortung wird eine Streife entsendet, die nach dem Smartphone Ausschau hält.

Bewahrung der Privatsphäre

Die Mobilfunker haben bei Diebstahl oder Verlust des Handys laut eigenen Angaben eher wenig Spielraum. Zwar gibt man auch bei der Diebstahlsanzeige die IMEI des Gerätes an - eine eindeutige Identifikationsnummer des Telefons -, eine Fahndung mache aber laut A1 keinen Sinn, da es kein gemeinsames IMEI -Register bzw. keine gemeinsame Datenbank aller europäischen Netzbetreiber für gestohlene Handys gibt. "Ein Betrieb einer solchen wäre zu aufwändig und stünde in keinem Verhältnis zum Nutzen für den Kunden", so A1-Pressesprecherin Livia Dandrea-Böhm.

Viele Netzbetreiber würden sich deshalb gegen eine solche Datenbank aussprechen. Ein weiterer Grund für die Ablehnung dieser vermutlich teuren Datenbank ist die Tatsache, dass IMEIs in Handys manipulierbar seien und ein solches Register deshalb kaum Früchte tragen würde. Eine IMEI-Registrierung würde sich auch aufgrund der relativ kurzen Lebensdauer heutiger Produkte nicht auszahlen. A1 empfiehlt den Kunden deshalb Handy als auch SIM-Karte mit PIN-Code abzusichern und im Falle eines Diebstahls eine sofortige Sperrung zu veranlassen. Eigene Handyschutz-Produkte der Mobilfunker sollen zudem eine Sperrung via SMS und eine Ortung des Handys ermöglichen. Damit können auch Daten aus der Ferne gelöscht werden, was eine erfolgreiche Bewahrung der Privatsphäre mit sich bringen würde.

Theoretisch möglich

Rein technisch gesehen ist es möglich, ein Handy mit einer bestimmten IMEI aus einem GSM-Netz auszusperren. Gebe es dieses zentrale Register gestohlener IMEIs, könnte ein Mobilfunker also bei dem Versuch, ein gestohlenes Handy in diesem Netz anzumelden, Alarm schlagen. Im gleichen Netzwerk ist das noch einfacher möglich, die wenigsten Mobilfunker führen aber über gestohlene IMEIs Buch. Die Manipulation von IMEIs ist in manchen Ländern sogar verboten. In Großbritannien wird ein nationales IMEI-Register geführt, das bei Diebstählen zum Einsatz kommt. Die technischen Möglichkeiten sind gegeben, sind aber vermutlich zu teuer, um sie weltweit umzusetzen. Auch trotz immer mehr werdender Handydiebstähle in Österreich gibt es keine absehbaren Bestrebungen, ein zumindest nationales IMEI-Register zu führen. So bleibt dem Opfer oft nur der ärgerliche Weg zur Polizeistation, dem ein Kauf eines neuen Gerätes folgt. (iw, derStandard.at, 15.1.2012)

  • Apps wie "Find my iPhone" sind oft der letzte Ausweg aus der Diebstahls-Misere
    screenshot: find my iphone

    Apps wie "Find my iPhone" sind oft der letzte Ausweg aus der Diebstahls-Misere

  • Die IMEI eines Handys ist meist auf einem Sticker im Gerät selbst angeführt
    foto: derstandard.at/wisniewska

    Die IMEI eines Handys ist meist auf einem Sticker im Gerät selbst angeführt

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