Der Fisch, der auf Hawaii hohe Wasserfälle erklimmt

4. Jänner 2013, 23:00
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Die Kiefermuskeln helfen der O'opu nopili nicht nur beim Fressen, sondern auch beim Kraxeln - bis zu hundert Meter hoch

San Francisco / Wien - Um sich zu paaren und Nachwuchs in die Welt zu setzen, nehmen Lebewesen oft beeindruckende Anstrengungen auf sich. Besonders erstaunlich ist die Leistung einer speziellen Spezies von Grundeln, die ausschließlich auf Hawaii lebt und dort O'opu nopili genannt wird. Die wenige Zentimeter langen Fische, deren wissenschaftliche Bezeichnung Sicyopterus stimpsoni lautet, überwinden nämlich bis zu hundert Meter hohe Wasserfälle, um ihre Paarungsdestination zu erreichen.

Nach erfolgreicher Kopulation legen die Weibchen die Eier im Oberlauf der Flüsse, die Jungfische werden dann nach unten gespült und verbringen das erste halbe Jahr ihres Lebens im Meer. Haben sie ihre Geschlechtsreife erreicht, schwimmen sie zurück ins Süßwasser und machen eine plötzliche Veränderung durch.

Innerhalb von zwei Tagen bildet sich am Bauch eine Art Saugnapf aus, und die Wasserfallbesteigung kann beginnen, für die nicht nur der Saugnapf am Bauch, sondern auch das saugende Maul verwendet wird. Dann dauert es für einen 100 Meter hohen Wasserfall gerade einmal drei Tage, bis sich die Fische mit ihren doppelten Saugnäpfen nach oben gearbeitet haben.

Warum aber kam es dazu, dass die Felsklettergrundeln diese doch etwas aufwändige Kraxelei "erfanden"? Der Grund dafür dürfte eine andere verwandte Fischart sein, wie Richard Blob von der Clemson-Universtät in South Carolina erklärt: Ihr Hauptfeind Elotris sandicensis kann keine Wasserfälle bezwingen.

Bleibt eine zweite Frage: Wie bildete O'opu nopili diese eingebauten Kletterhilfen aus? Das hat Blob mit Kollegen erstmals erforscht und dabei eine überraschende Entdeckung gemacht, von der sie im Fachblatt "PLoS One" berichten: Jene Kiefermuskeln, die den Fischen beim Klettern helfen, werden in ähnlicher Weise verwendet, wenn die Fische Algen futtern. Ob die Fressbewegungen fürs Klettern adaptiert wurden oder umgekehrt, bleibt offen und soll durch die nächste Studie geklärt werden, sagt Blob. (tasch/DER STANDARD, 5./6. 1. 2013)

  • Diese wenige Zentimeter lange Grundel kraxelt mittels zwei Saugnäpfen vertikal nach oben.
    foto: takashi maie

    Diese wenige Zentimeter lange Grundel kraxelt mittels zwei Saugnäpfen vertikal nach oben.

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