Do&Co will aus Ungarn keine Zug-Kellner mehr

4. Jänner 2013, 18:23
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Personalabgänge bei der Bahn-Catering-Tochter in Ungarn nicht nachbesetzen - "Henry am Zug" verbessern

Wien - Die Beschwerden über die Arbeitsbedingungen in ÖBB-Speisewägen und speziell in Schnellzügen ab Budapest nach Österreich, Deutschland und in die Schweiz bleiben nicht ohne Folgen. Do-&-Co-Chef Attila Dogudan zieht bei seinem Bahn-Caterer "Henry am Zug" die Notbremse. Er kündigt im Standard-Gespräch an, natürliche Abgänge bei den rund hundert aus Ungarn stammenden Catering-Mitarbeitern nur mehr durch Personal nachzubesetzen, das österreichischem Kollektivvertrag unterliegt.

"Ich brauche diese von der Gewerkschaft in diskreditierender Weise geführte Diskussion nicht. Das Angebot wird Zug um Zug verbessert, wir wollen nicht über billige Arbeitskraft aus Ungarn sparen", betont der Caterer. Daher stelle man künftig keine Ungarn mehr an.

Bessere Hotelzimmer, häufigere Pausen

Allerdings ließen sich über Jahre kumulierte Probleme bei 160 Zügen täglich nicht von heute auf morgen lösen. Fehlende Pausen bei langen Distanzen wie Budapest-Frankfurt sollte es bald nicht mehr geben, weil Zuläufe verkürzt werden und die Crew spätestens nach acht Stunden wechselt. Auch werde man bessere Hotelzimmer bereitstellen - ein altes Problem, das bereits beim Vorgänger-Caterer E-Express zu Kritik geführt hatte.

Ehemalige Mitarbeiter weisen in E-Mails allerdings auf weitere Mängel hin. Es gebe nicht wie versprochen warmes Essen, sondern nur Sandwiches und Obst. Trinkwasser müssten die Angestellten kaufen. Dogudan verweist auf reduzierte Personalpreise und Diäten, die genau deshalb ausgezahlt würden. Er verspricht aber, für Gratiswasser zu sorgen, weil es im Zug kein Leitungswasser gebe.

Hintergrund des Verpflegungsproblems: Warmes Essen gibt es nur in Wagen mit Bordrestaurant. Bei mobilem Zugservice mit Trolley sei Kochen oder Aufwärmen von Speisen technisch nicht möglich. Um alle Mitarbeiter gleich zu behandeln, habe man entschieden, Lunchpakete auszugeben.

Dogudan weist Drangsalierungen zurück

Schwere Geschütze fahren ehemalige Mitarbeiter bei angeblichen Kündigungsgründen auf: Wer zu wenig Umsatz bringe oder sich über Arbeitsbedingungen beschwere, fliege raus, klagt eine ehemalige Speisewagenkellnerin per Mail an den Standard.

Dogudan weist dies scharf zurück: "Der Umsatz der einzelnen Mitarbeiter wird überhaupt nicht gemessen. Aber wer keine Rechnung ausstellt, das geht sicherlich nicht." Solche Vorwürfe seien absurd und diskreditierend. Im Übrigen sei das ganze Zugcatering vom Soll-Umsatz noch weit entfernt. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 5./6.1.2013)

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    Do-&-Co-Chef Attila Dogudan will natürliche Abgänge bei den rund hundert aus Ungarn stammenden Catering-Mitarbeitern nur mehr durch Personal nachzubesetzen, das österreichischem Kollektivvertrag unterliegt.

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