Kunstshopping à la Antonio

4. Jänner 2013, 17:44
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Sammler zeitgenössischer Kunst stöbern in Galerien, auf Messen und besonders gerne im New Yorker Auktionsangebot

Solide, aber gedämpft, darauf ließ sich die Stimmung am Rande der elften Auflage der Art Basel Miami Beach (ABMB) im Dezember reduzieren. Weil abseits des Partymarathons für die Galeristen letztlich doch nur der schnöde Mammon zählt und weil fraglich ist, ob die Teilnahme an der (noch) wichtigsten Messe für zeitgenössische Kunst außerhalb Europas auch aus wirtschaftlicher Sicht lohnend war. Nur für eine Minderheit der 260 Aussteller war diesem letzten Kraftakt des Kalenderjahrs 2012 insofern Erfolg beschieden.

Kein Wunder, denn aus Sicht einschlägiger Sammler wie Robbie Antonio sind Events wie die ABMB nur eine Option von mehreren. Der 35-jährige Immobilienentwickler aus Manila repräsentiert eine neue Kundengeneration und die potenzielle Kaufkraft der neuen Wachstumsmärkte.

Seine schmucke Kunstsammlung umfasst Werke von Picasso, Rothko, Pollock, Murakami, Koons, Hirst oder Cattelan, um nur einige wenige zu nennen. Eine Miami-Stippvisite später war sie um Arbeiten von Gilbert & George, Olafur Eliasson oder Ivan Navarro gewachsen. Angesichts einer schwarzen Metallskulptur von Anish Kapoor blieb Antonio unschlüssig, er hätte der bereits verkauften blauen Version eindeutig den Vorzug gegeben.

Nun, genau genommen ist es ja nur eine Frage von wenigen Wochen, bis er wieder fündig wird: im Fundus seines Lieblingsgaleristen Thaddaeus Ropac (Paris, Salzburg), bei den Auktionen in London oder New York und spätestens bei den Art-Basel-Events in Hongkong (23. bis 26. Mai) oder Basel (13. bis 16. Juni). Antonios Kunstshopping steht auch synonym für die ungebrochene Nachfrage an bildender Kunst. Gemessen an den für 2011 weltweit erzielten Auktionsumsätzen - jene von 2012 liegen noch nicht vollständig vor - entfällt der wertmäßig größte Anteil auf das Segment der Moderne: 5,7 Milliarden Euro oder 58,6 Prozent, die Riege der Impressionisten (187 Mio. Euro, 2,9 %) ist hierbei noch gar nicht inkludiert. An zweiter Stelle rangieren Alte Meister (2,3 Mrd., 23,9 %), gefolgt von zeitgenössischer Kunst mit 955 Millionen Euro bzw. 1,24 Milliarden Dollar.

Niedliches Zahlenspiel

Geografisch habe China (45 %) dabei Europa (24 %) und die USA (25 %) längst überholt. Diese Zahlen stammen aus der Tefaf-Studie 2012, sind jedoch nicht mehr als ein niedliches Zahlenspiel. Denn tatsächlich ist die Entwicklung dieser Sparte in den vergangenen zehn Jahren weit beeindruckender, ist der Marktplatz New York weit wichtiger - und die Absatzzahlen bedeutend höher, wie ein Abgleich mit den internationalen Auktionsbilanzen belegt.

Beispielhaft dafür stehen die jeweils im Mai und im November lediglich bei den renommierten Abendauktionen bei Christie's und Sotheby's in New York verzeichneten Umsätze (siehe Diagramm): 2011 beliefen sich diese auf 993,04 Millionen Dollar.

Zusammen mit den Ergebnissen aus den Tagesauktionen sowie den Sales in Europa und Hongkong schlug Zeitgenössisches allein bei den beiden Marktführern also deutlich über dem vermeintlichen Weltwert von 1,24 Milliarden zu Buche.

2012 war jedenfalls ein Rekordjahr für diese Sparte: Denn erstmals in der Geschichte des Kunstmarktes überstieg der Umsatz einer einzelnen Abendauktion die 400-Millionen-Dollar-Marke. Ein Erfolg, den sich Christie's dank seiner kauflustigen Klientel an die Fahnen heften darf. (kron, Album, DER STANDARD, 5./6.1.2013)

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