Parken: Umsonst, aber nicht gratis

Kolumne4. Jänner 2013, 17:32
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Warum Wien nicht Salzburg werden kann - trotz Festspielen für Parkplatzgebührenzahler

Nicht jede Nachricht aus Salzburg in diesen Tagen ist eine finanztechnische Horrormeldung. Am Tag nach Neujahr etwa überraschte die Festspielstadt ihre Autofahrer. Quasi programmierte Hoffnung auf Festspiele für Parkgebührenzahler.

Das kam so: In der Touristenhochburg, in der grundsätzlich nichts umsonst ist (und schon gar nicht gratis), legte eine fehlerhafte Software hunderte Parkscheinautomaten lahm. Um die ob mutmaßlich verzockter 340 Millionen Euro genervten Salzburger nicht noch mehr zu nerven, zeigte sich der bei aufreizender Kunst mitunter kleinliche Bürgermeister generös. Er erließ Parkplatzbenutzern kurzerhand die Gebühren. Quasi Neujahrsgeschenk.

Ausbaufähige Geste

Diese Art der Großzügigkeit (auf Kosten der Allgemeinheit) ließe sich ausbauen. Kommunen und Bahnhöfe könnten darauf verzichten, bei öffentlichen Toiletten einen Obolus einzuheben. Die Wiener Rathausführung könnte temporär die 36 Euro fürs Gackerl aussetzen. Das wäre zwar unhygienisch, aber ein gleichwertiger Ersatz für die Sonderparkplatzbehandlung à la Salzburg.

Apropos: In Wien würde sich eine solche echt auszahlen. Hier kostet Parken nicht 1,30 Euro pro Stunde, sondern zwei. Macht bei werktäglich 13 Stunden Parkraumbewirtschaftung schlanke 26 Euro pro Tag. Abzüglich Wochenenden ist im Schnitt pro Jahr an 247 Tagen oder 3211 Stunden zu blechen. Macht bei lückenloser Bestückung der Windschutzscheibe mit bunten Scheinen 6400 Euro pro Jahr. Dagegen sind 130 Euro pro Jahresparkpickerl ein Klacks.

Wien ist anders

Aber darum geht es eigentlich eh nicht. Eine papierlose Amnestie wie in Salzburg ist in Wien gar nicht möglich. Denn dafür müssten in Ermangelung von Automaten alle Trafikanten streiken. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 4.1.2013)

  • Parkplätze in Wien. In Salzburg sehen sie ähnlich aus.
    foto: der standard/newald

    Parkplätze in Wien. In Salzburg sehen sie ähnlich aus.

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