Protest in Votivkirche: Durststreik nicht bestätigt

4. Jänner 2013, 15:22
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Noch nicht alle Streikenden medizinisch untersucht - Die Flüchtlinge können weder von Rettung noch von Polizei zu Behandlung gezwungen werden

Seit zwei Wochen befinden sich die Protestierenden in der Wiener Votivkirche bereits im Hungerstreik. Seit Donnerstag soll sich die Situation laut Angaben eines Flüchtlings vor Ort zugespitzt haben: Manche würden sich auch weigern, Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Das kann eine Sprecherin der Johanniter, deren Ärzte sich in der Votivkirche befinden und die Streikenden betreuen, weder dementieren noch bestätigen: "Die Flüchtlinge sind deutlich geschwächt aber wir müssen nicht mehr Personen abtransportieren als in den Tagen davor." Mehr Informationen habe sie nicht.

Der Sprecher der Caritas, Klaus Schwertner, zitiert auf Twitter die Ärzte und erteilt den Gerüchten eine Absage: "EILT: alle trinken, keine medizinischen Anzeichen für durststreik lt johanniter. Auch Hungerstreik kann bleibende Schäden verursachen!" Laut Johanniter-Sprecherin wurden allerdings noch nicht alle Streikenden medizinisch untersucht.

Noch keine Zwangseinweisung

Die Flüchtlinge können prinzipiell nicht zur Nahrungsaufnahme gezwungen werden. "Die Personen können sich auch weigern, mit uns ins Krankenhaus zu fahren", sagt Ronald Packert von der Wiener Berufsrettung: "Auch wenn wir ihnen drigend raten, das zu tun." Der Polizei sind ebenso die Hände gebunden: "Die Beamten können keine Zwangsernährung anweisen", sagt Sprecherin Camellia Anssari.

Der Amtsarzt müsste feststellen, dass aufgrund des psychischen Zustands einer Person die eigene oder die Gesundheit von anderen erheblich gefährdet wird. Erst wenn diese Diagnose gestellt wurde, kann die Person aufgrund des Unterbringungsgesetzes in eine Krankenanstalt eingewiesen werden. Bei den Protestierenden in der Votivkirche habe es solch einen Fall laut Anssari noch nicht gegegeben. (bbl, derStandard.at, 4.1.2012)

  • Die Notärzte der Johanniter untersuchen die Streikenden regelmäßig.
    foto: standard/cremer

    Die Notärzte der Johanniter untersuchen die Streikenden regelmäßig.

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