Bassem Youssef und Morsis Liebe

4. Jänner 2013, 15:14
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Islamisten feinden ägyptischen Fernsehkomiker an

Dass Lachen eine potente Waffe ist gegen die, die glauben, im Besitz der allein gültigen Wahrheit zu sein, weiß schon der böse Mönch Jorge de Burgos in „Der Name der Rose". Nun sind die Schwierigkeiten, in denen sich der ägyptische Komiker Bassem Youssef befindet, nicht primär religiös - denn er legt sich's mit allen an ¬-, aber im heutigen Ägypten ist das nun einmal die Ecke, aus der dem von der Mubarak-Autokratie befreiten, sich demnach frei wähnenden Individuum am meisten Gefahr droht. Also hat einer der findigen islamistischen Juristen Bassem Youssef angezeigt - man muss allerdings anmerken, dass solche Gottesadvokaten den Liberalen schon zuzeiten Hosni Mubaraks das Leben schwer machten, man denke an die Zwangsscheidungsfälle von angeblich vom Islam abgefallenen Wissenschaftern wie Nasr Hamid Abu Zeid. Es ist auch noch nicht gesagt, dass die Klage gegen Bassem Youssef durchgeht, aber eines ist klar: Solche Fälle werden sich in Zukunft in Ägypten häufen.

Ermittelt wird gegen den 38-jährigen, in den USA ausgebildeten Herzchirurgen (der vor einem Jahr eine Stelle in einem renommierten US-Krankenhaus ausgeschlagen hat, um in Ägypten zu bleiben) wegen Herabwürdigung des Präsidenten. In seinen The Daily Show von Jon Stewart nachempfundenen Auftritten parodierte Bassem Youssef „Super-Morsi" als Pharao, der sich durch einen inflationären Einsatz des Wortes „Liebe" auszeichnet: was Bassem Youssef durch ein Liebeslied darstellte, in Interaktion mit einem roten Polster mit Mursis Porträt (Video).

So weit so harmlos. Aber Bassem Youssef ist gerade deshalb so gefährlich, weil er so relativ verhalten und dabei messerscharf ist. Er ist das Gegenteil eines Krawall-Komikers, er selbst ist hochintelligent und seine Shows professionell ausgefeilte Produkte, etwas ganz Neues in der ägyptischen Medienlandschaft. Bassem Youssef zitierte in einem Interview einmal Jon Stewart: „Ich glaube an eine konstruktive, geplante Kreativität." Die Arbeit dahinter sei Recherche und seriöser Journalismus.

„Das Programm"

Seine Sendung heißt ganz simpel „Al-Bernameg", das Programm. Angefangen hat Bassem Youssef mit Youtube-Videos gleich nach dem Sturz Mubaraks: Er wurde schnell zu einem der schärfsten Kritiker der Militärjunta. Bald landete er mit seinen Sketches zuerst im Privatfernsehen ONTV, dem Sender des reichen koptischen Unternehmers Naguib Sawiris. Der wurde zwar keineswegs von ihm verschont, dennoch hatte Bassem Youssef bald den Ruf als „Hund von Sawiris" weg - als den er sich prompt zu Beginn seiner neuen Showserie im Sender CBC zeigte, mit langen Schlappohren. In dieser Show nahm er sich auch seine neuen Arbeitgeber und ihren unsauberen Umgang mit der Vergangenheit vor. Denn heute wollen natürlich alle ägyptischen Medien bei der Revolution dabei gewesen sein...

Am herausforderndsten ist jedoch seine Auseinandersetzung mit den Islamisten - und Bassem Youssef macht in Interviews auch kein Hehl daraus, dass ihm das zusetzt. Die Schmierkampagne gegen ihn ist zwar nach objektiven Standards äußerst lächerlich - so werfen ihm die Scheichs etwa vor, sich nicht zu waschen -, aber dennoch beinhart. Nicht nur er, sondern die anti-islamistischen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz werden als sexbesessene, pervertierte, vom Ausland bezahlte Söldner bezeichnet, die sich allesamt in der Hölle wiederfinden werden. Bassem Youssef antwortet mit seiner Waffe: Er mixte für seine Show Clips von solchen Aussagen mit den fast gleichlautenden von Regimeleuten gegen die Demonstranten während der Revolution. Das ist in der Tat sehr komisch - und sehr erschreckend. Aber vor den Fernsehschirmen biegen sich die Menschen vor Lachen, und das ist wohl das Schlimmste, was den Islamisten passieren kann.

Im vergangenen Februar, als seine Frau - die, wie er sagt, für ihre Geduld den Himmel verdient - schwanger war, sagte Bassem Youssef in einem Interview mit al-Masry al-Youm, dass er nicht sicher sei, ob er sein Kind in Ägypten großziehen wolle. Noch ist er da. (Gudrun Harrer, derStandard.at, 4,1,2013)

  • Bassem Youssef in typischer Pose
    foto: epa/khaled elfiqi

    Bassem Youssef in typischer Pose

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