Gewaltopfer der katholischen Kirche leiden bis heute

4. Jänner 2013, 08:20
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Psychologen attestieren jedem zweiten Opfer posttraumatische Belastungsstörungen

Rund die Hälfte der Opfer von Gewalt in der katholischen Kirche in Österreich leidet an posttraumatischen Belastungsstörungen. Das habe eine Studie von Psychologen der Uni-Wien ergeben, berichtet der ORF im Ö1-Morgenjournal am Freitag. Fazit: Das Leben der Betroffenen ist bis heute durch Depressivität und psychosomatische Leiden teils massiv beeinträchtigt.

Ausgewertet wurden Daten von 450 Betroffenen, die sich an die von der katholischen Kirche eingesetzte Klasnic-Kommission gewandt haben. Zwei Drittel von ihnen haben sexuelle Gewalt durch katholische Kirchenangehörige erlebt, so die Studie. Meist sei es schwerer sexueller Missbrauch an Buben gewesen, sagt Studienleiterin Brigitte Lueger-Schuster im Morgenjournal. In der Studie aufgeschlüsselt werden auch die Formen von erlebter körperlicher und psychischer Gewalt in kirchlichen Internaten und Heimen in vergangenen Jahrzehnten, von Schlägen und Demütigungen über Isolation vom Elternhaus bis zu Drohungen mit der Gottesstrafe.

Posttraumatische Belastungsstörungen

Das Durchschnittsalter der Betroffenen ist 55 Jahre. Durch posttraumatische Belastungsstörungen seien knapp die Hälfte der Männer und zwei Drittel der Frauen massiv beeinträchtigt, so die Psychologin. Ihr psychisches Leid zeige sich auch an erhöhten Werten bei Depressivität, paranoidem Denken und psychosomatischen Leiden, sagt Lueger-Schuster im Ö1-Interview. Dazu kämen überdurchschnittlich große Probleme in Beziehungen und mit Sexualität.

Lueger-Schuster geht davon aus, dass viele Opfer sich gar nicht gemeldet haben, weil sie nicht darüber reden können. Für diese müsse es aber weiterhin die Möglichkeit geben, sich an die Kommission wenden zu können. Die Psychologin vermutet auch, dass viele Opfer sich umgebracht haben könnten. (red, derStandard.at, 4.1.2013)

  • Rund die Hälfte der Opfer von Gewalt in der katholischen Kirche in Österreich leidet an posttraumatischen Belastungsstörungen, besagen die Ergebnisse einer neuen Studie der Universität Wien.
    foto: apa/jäger

    Rund die Hälfte der Opfer von Gewalt in der katholischen Kirche in Österreich leidet an posttraumatischen Belastungsstörungen, besagen die Ergebnisse einer neuen Studie der Universität Wien.

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