Ich druck' dann schnell ein Haus aus

Günther Strobl
3. Jänner 2013, 18:16

3-D-Printing steckt zwar noch in den Kinderschuhen, doch die Technologie könnte viele Branchen auf den Kopf stellen

Wien - Der Kühlschrank funktioniert nicht, das Bein des teuren Designertisches ist abgebrochen, und die Vase, die als Geschenk für die Lieblingstante gedacht war, in tausend Scherben. Und das alles an einem Samstagabend, wo kein Geschäft mehr offen hat, und die Vase mit der speziellen Gravur ist noch dazu ein Einzelstück.

Keine Zukunftsmusik

Kein Problem, wenn man einen 3-D-Drucker zu Hause hat: Software laden, Pulver nachfüllen, Knopf drücken und warten, bis den Ersatzteil aus dem Drucker kommt. Wir schreiben das Jahr 2013 - und alle drei beispielhaft genannten Fälle sind keine Zukunftsmusik. Eines Tages fehlte an einem Geschirrspüler in Bochum ein Ersatzteil, eines dieser kleinen Rädchen, auf denen die Geschirrkörbe vor- und zurückgleiten. Statt das Plastikteil nachzukaufen, produzierten die Mitglieder der Bochumer Hackergemeinschaft "Labor" es einfach selbst - mit einem 3-D-Drucker. " Makerbot" heißt die Maschine, die das am Schirm konzipierte Teil in Kunststoff ausspuckte. Statt einer Bestellung beim Fachhändler oder der Suche im Internet hatte der "Herstell-Roboter" das Rädchen nach nur 40 Minuten gedruckt.

Dass Drucker Gegenstände ausspucken können, ist so neu nicht. Bereits in den 1980er-Jahren gab es erste Versuche von Auto- und Flugzeugherstellern, passgenaue Bauteile herzustellen. Nun gehen auch immer mehr Designer und Architekten zum 3-D-Druck über, wenn sie fertige Entwürfe plastisch vor sich haben wollen. Doch dass Konsumenten per Mausklick zu Hause ein neues Abflussrohr für das Waschbecken oder bunte Bauklötze für die Kinder drucken, war bisher kaum denkbar. Dafür kosteten die Maschinen zu viel.

"Das war bei den ersten PCs auch so: sehr groß, sehr teuer und vergleichsweise leistungsschwach. Das hat sich innerhalb von 20 Jahren total geändert", weist Andreas Reiter im Gespräch mit dem Standard auf mögliche Parallelen beim 3-D-Druck hin. Reiter ist Zukunftsforscher. Das Aufspüren neuer Trends gehört zu seiner Berufsbeschreibung. " 3-D-Printing trägt den Keim in sich, vieles zu revolutionieren. Globalisierung und Internet haben Plattformen wie Amazon oder Zalando, aber auch Paketdienste zu Gewinnern gemacht. Nun könnten sie die großen Verlierer werden", sagt Reiter.

Maschine kostet knapp 85.000 Euro

Bei der Deutschen Post etwa ist man sich der Konsequenzen bewusst, die der Vormarsch von 3-D-Printing mit sich bringen würde - und sucht nach Möglichkeiten, vermutlich wegbrechendes Geschäft durch neue Aktivitäten zu kompensieren. In einem Strategiepapier trägt man sich unter anderem mit dem Gedanken, selbst zu einem Betreiber von 3-D-Copyshops zu werden.

In Wien gibt es bereits einen 3-D-Copyshop. Nicht von der Deutschen Post und auch nicht von der Österreichischen betrieben, sondern von einem alteingesessenen Hasen, der seit 20 Jahren mit klassischen Kopieraufträgen sein Geld verdient. Vor gut einem Jahr hat Helmut Eder neben seinem Stammgeschäft in der Theobaldgasse einen zweiten Laden in der Burggasse im 7. Bezirk aufgesperrt. Dort druckt er auf einer knapp 85.000 Euro teuren Maschine Modelle von Häusern, Kirchen, Schulen, aber auch Prototypen von Geschirr, Schmuckstücken oder was auch immer aus.

"Der Anwendungsbereich ist unendlich", sagt Eder. Einschränkend sei lediglich die Größe des Bauraums in seinem 3-D-Drucker - 25,4 × 38,1 × 20,3 Zentimeter. Eder: "Die meisten Modelle, die Architekten bauen lassen, sind aber kleiner."

Schicht für Schicht

Der zweite limitierende Faktor sei das eingesetzte Pulver. Das von ihm verwendete, Gipspulver nicht unähnliche Rohmaterial sei für den Druck von Gebrauchsgegenständen nicht geeignet. Dafür würden andere Materialeigenschaften benötigt. Sobald die Daten elektronisch im Copyshop eingelangt und für den Drucker entsprechend aufbereitet sind, baut sich der Gegenstand Schicht für Schicht auf.

"Dort, wo Daten sind, wird per Tintenstrahler Bindemittel aufgetragen; wo keine Daten sind, gibt es trotzdem Pulver, das dient als Stützmaterial", erläutert Eder den Entstehungsprozess in 3-D. " Anschließend wird der Gegenstand vorsichtig aus der Baukammer gehoben, in einer Nebenkammer mit Blas- und Saugluft gereinigt und in eine Art dünnflüssigen Superkleber getaucht. Nach knapp 2,5 Stunden Trocknungszeit ist der Gegenstand stabil. Für den Ausdruck eines Häuschens in den Maßen 10 × 10 × 10 Zentimeter sind etwa 150 Euro zu kalkulieren. Das sei um etwa ein Drittel billiger als per Hand gefertigte Modelle. Und wesentlich schneller.

Adern und funktionierendes Herzgewebe

Selbst mit Körperzellen wird inzwischen drucktechnisch experimentiert. Naturwissenschafter arbeiten daran, menschliche Zellen in 3-D-Druckern zusammenzusetzen. Biologen ist es vor kurzem gelungen, Adern und funktionierendes Herzgewebe zu drucken. "Irgendwann könnte die Produktion kompletter Organe möglich sein", schrieb Der Spiegel in seiner letzten Ausgabe 2012.

Helmut Eder träumt in seinem Copyshop im 7. Bezirk bereits von Hüftgelenken und Sachen für die Operationsvorbereitung, die er gerne ausdrucken würde - den Schädel eines Patienten etwa, der an einem Gehirntumor erkrankt ist und operiert werden soll.

Für Andreas Reiter, den Zukunftsforscher, steckt der 3-D-Druck entwicklungsgeschichtlich kurz vor der Pubertät: "In zehn bis 15 Jahren kann es sein, dass wir Geräte in der Wohnung stehen haben, mit denen wir persönliche Dinge ausdrucken können." Weniger Emissionen, aber auch ein Minderverbrauch von Ressourcen träfen den Nerv der Zeit. (Günther Strobl, DER STANDARD, 4.1.2013)

Im Rahmen dieser Serie werden beispielhafte Entwicklungen vorgestellt.

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Ich bau dir ein Schloss,

so wie im Märchen
Da wohn ich mit dir, dann ganz allein.
Ich bau dir ein Schloss, wenn ich einst gross bin, ...

Ich befürchte nur das wieder Panik...

bei den Konzernen ausbricht und sie anstelle neuer Möglichkeiten nur wieder ihre Urheberrechte verletzt sehen und versuchen werden diese Technologie zu verbieten oder zu regullieren. Stellen sie sich zb. ein Schuhgeschäft vor, das ihnen den Perfekten maßgeschneiderten Schuh anbietet. Sie gehen hinein, ihre Füße werden genau gescannt, sie geben an wofür sie den Schuh brauchen (laufen, wandern, bergsteigen) und wählen sich dann noch ein Design aus. Die daten werden vom Computer verarbeitet und vom 3d Drucker ausgedruckt und 20 Minuten später haben sie ihr fertiges Paar Schuhe abholbereit im Laden liegen.

und dann macht das nicht das schuhgeschäft sondern der automat beim dm (wie bei den fotos). ich denke, die technik wird sehr viel verändern. ersatzteile für den gesch.spüler werden nicht mehr verschickt, man wählt im i-shop vom hersteller das ersatzteil (z.b. einschalter) bezahlt und bekommt eine datei die man am 3-drucker ausdruckt. vermutlich alles copyrightgeschützt wie bei musik, aber hintertüren wirds dann auch geben. viele ersatzteile würde es dann lebenslang für geräte geben, weil sie nicht mehr zentral hergestellt werden müssen, sondern bei bedarf "erstellt" werden. vermutlich wirds dann nur mehr eingussgeräte geben, dass man gar nix mehr austauschen kann - wie heute schon bei komplettplatinen, wo man nix reparieren kann.

ja genau,

die Hausfrau von nebenan hat auch die 7000€-Software am PC und das notwendige techn. Verständnis, damit sie das Rädchen vom Geschirrspühler schnell einmal in 3D konstruieren kann? Damit hätte sie nämlich erst die Daten die zur Steuerung des 3D-Druckers notwendig sind. Oder funktioniert dass nur über Gedankenübertragung???
Für jeden Teil, der ausgedruckt werden soll ist ein 3D-Datensatz notwendig (ob Haus, Geschirr, Waffe,...). Diesen Datensatz bekommt man a)durch selber zeichnen am PC oder b)Einscannen des gleichen Teiles oder c) durch u.g. runterladen (Hahaha).
Also bevor Zalando, Amazon und die deutsche Post Konkurs anmelden müssen, muß zuerest das WIFI reagieren und wieder seine tollen CAD-Konstrukteur-Kurse für jedermann anbieten!

es gibt recht brauchbare

OpenSource CAD tools:
2D: Librecad (aus QCAD hervorgegangen)
3D: OpenScad (aus Wien btw)

Webbased:
https://tinkercad.com/

Kommerziell: Rhino ist nicht sooo teuer.

Auch ohne konstruieren zu können ist ein 3d drucker nützlich, aber er wird damit noch viel besser.
Aber prinzipiell stimmts, 3d konstruieren ist ein bottleneck, und sollte IMHO flächendeckend ab Unterstufe unterrichtet werden. Darstellende Geometrie ist ja lieb, aber echt CAD zeichnen bildet das Vorstellungsvermögen genauso, und bringt mehr.

na na, so schlimm ist est nicht

beinahe jede Hausfrau bewegt sich per PC im Internet, tätigt Kontoüberweisungen und kauft ein. Fundierte Kenntnisse sind nicht notwendig.

Was vergessen wurde:

Für Wissenschaftler ist die Methode bereits "state of the art".
Da lassen Anthropologen heikle Knochenfragmente einscannen, die dann via 3-D Drucker ausgedruckt und später zusammengabaut werden. Oder man scannt mit CT ganze Schädeln ein, die dann als Endergebnis quasi als eine 1:1 Kopie des Schädels vorliegen - innen und aussen! Eine perfekte Vorlage für forensiche Gesichtsrekonstrukteure.
So schint man die heiklen Originale
Mir gefällt´s :-)

öhm,

Wien ist eigentlich schon eine Hochburg des 3d Druckens. Da braucht man nicht nach DE schauen oder sonstwohin, dass passiert alles vor eurer Nasenspize.

Es gibt einige Wiener Entwicklungen, die die Technologie geprägt haben. a) Makerbot wurde nach einem Wien Aufenthalt von Bre Pettis als Artist in Residence des MQ gegründet. b) Marius Kintel hat einiges zur Makerbot Firmware beigetragen, sowie an ReplicatorG c) wizard23 die noch immer genutzten Thermistortables. d) Teile der Marlin Firmware und vieles anderes.
Es gibt in Wien Umgebung geschätzte 30 RepRaps. Es gibt in Wien monatliche Treffen, wo man sich die Dinger in Action geben kann. Fünf stehen öffentlich zugänglich im Metalab.

und ich dachte immer in linz beginnts ;-).

coole sache jedenfalls

Otelo

tut einiges in OÖ, da gabs auch schon mal Building Workshops, IIRC

http://www.otelo.or.at

Es gibt in Wien monatliche Treffen, wo man sich die Dinger in Action geben kann

wo finden diese treffen statt?
danke für hinweise

Für's Metalab an sich:
https://metalab.at/

!Eines Tages fehlte an einem Geschirrspüler in Bochum ein Ersatzteil, eines dieser kleinen Rädchen, auf denen die Geschirrkörbe vor- und zurückgleiten. Statt das Plastikteil nachzukaufen, produzierten (sie) es einfach selbst"

"Das ... verwendete ... Rohmaterial sei für den Druck von Gebrauchsgegenständen nicht geeignet"

aha - alles klar

ja, es mag wohl schon nischenanwendungen geben, aber wofür das ding so gehyped wird (ich sag nur: sturmgewehr aus dem drucker) ist bisher und wohl lange noch science fiction

Es gibt verschiedene 3d Drucker für verschieden Anwendungen

Das oben beschriebene Verfahren funktioniert mit einer art Gipspulver und einem Druckkopf der einem Tintenstrahldrucker nicht unähnlich ist.
Vorteil: man kann sehr genaue Modelle in Farbe drucken,
Nachteil: nicht sonderlich Stabil (weil Gips).
Verwendung: Visuelle Prototypen erstellen (zb. ob das Gerät gut in der Hand liegt)
Eine zweite Druckmethode verwendet als Druckkopf ein Kunststoff Extruder (ähnlich einer Heißklebe Pistole).
Wird bei den meisten Privat Druckern verwendet (Makerbot, Reprap usw.).
Vorteil: man kann mit ABS Plastik (das Material von LEGO) drucken, was zu sehr stabilen Modellen führt . Nachteile: nicht so genau und weniger Farben
Verwendung: durck von funktionsfähigen Prototypen.
Beispiele: http://www.thingiverse.com

Es gibt verschiedene Drucksysteme. Jenes aus Bochum ist nicht das selbe wie das vom Copyshop. Per Filament extrudierung, kann ich mir ziemlich feste gegenstaende drucken - sind aber Optisch nicht 100% Praezise.

"warten, bis den Ersatzteil..."

kann man auch ersatzteile für tipp- oder rechtschreibfehler drucken?

Wenn der Author etwas gründlicher recherchiert hätte, wäre er sehr schnell aufs Metalab gestossen, welches seit 6 Jahren eine Vorreiterrolle in Österreich in diesem Bereich einnimmt:
http://reprap.soup.io/
https://metalab.at/wiki/RepRap

Finde die Technologie wirklich sehr interessant, und beobachte die Entwicklungen schon eine ganze Weile. Mein Kopf ist voller Ideen, was ich mir mit meinem ersten 3d-Drucker alles basteln werde ...

Es gibt uebrigens schon wesentlich guenstigere Modelle fuer daheim, zB den Cube

http://cubify.com/

Kann man schon um etwas mehr als 1000 Euro kaufen, und die Software die dabei ist finde ich auch soweit recht einfach zu nutzen.

Makerbot

http://downloads.makerbot.com/replicato... ochure.pdf

http://store.makerbot.com/replicator2.html

Kostet 2200 $

falls es wen interessiert. 3D Modelle (für versch. Gebrauchsszenarien) gibts auch zum herunterladen.

ich würd Makerbot

nicht empfehlen. Es gibt besseres und günstigeres. Eine gute Übersicht gibts im Magazin "Make: Ultimate Guide to 3D Printing".
In einem CT vom letzten Jahr gabs auch Vergleichstests.

"Ich druck' dann schnell ein Haus aus"

Das ist doch nur Spielzeug.

Besser: Man geht zur Bank, die "druckt" am Konto mal schnell eine runde Million aus. Geht ganz einfach, ohne 3D Drucker. Es ist nichtmal ein 2D-Drucker mehr nötig. Giralgeldschöpfung machts möglich. Und damit kauft man sich ganz einfach ein Haus in echt. Nicht so ein primitives Plastikding.

Man muss aber vorher schön zum Hörmann

gehen, der druckt einem dann auf Halbwahrheiten basierende Pamphlete aus, die mit groben Simplifizierungen und Denkfehlern zu solchen Behauptungen führen.

Ich verkauf ...

... Ihnen gerne das Grundstück dazu, in 2D-Druck.

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