Immobilien-Trends 2013: Die Rückkehr der Eigennutzer

3. Jänner 2013, 14:47
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Immobilien-Trends 2013: Das Angebot sinkt, doch die Anleger halten sich zurück, was die Preiskurve abflachen lässt

Eine nur moderat steigende Nachfrage (+2,4 Prozent) bei neuerlich leicht sinkendem Angebot (-0,3 Prozent) dürfte den Anstieg der Immobilienpreise 2013 einbremsen, das erwarten zumindest die Makler des Franchise-Netzwerks Re/Max Austria. Im obersten Preissegment der Wohnimmobilien dürfte die Nachfrage heuer sogar sinken, sagte Österreich-Chef Alois Reikersdorfer am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Wien. Laut dem hausintern erstellten "Real Estate Future Index" des Franchise-Netzwerks, der auf einer Umfrage unter den Maklern des Netzwerks basiert, sollten die Immobilienpreise bundesweit betrachtet (Wohnen und Gewerbe, alle Kategorien) heuer somit um 2,8 Prozent zulegen.

Wiener Wohnimmobilien 2012 plus 4,5 Prozent

Mit endgültigen Zahlen für das Jahr 2012 konnte Reikersdorfer noch nicht aufwarten, diese präsentiert Re/Max traditionellerweise erst im März. Die gewohnten Superlative der letzten Jahre wird man dann aber vermutlich nicht mehr benötigen, wird doch von Zuwächsen im knapp zweistelligen Bereich, etwa für Wiener Wohneigentum, keine Rede mehr sein. Laut vorläufigen Transaktionsdaten, die auf Grundbucheinträgen basieren, zeichnet sich für das Vorjahr ein Preisanstieg bei Wiener Wohnimmobilien von "nur" 4,5 Prozent ab - was mehr als einer Halbierung entsprechen würde; von 2010 auf 2011 hatte der Anstieg noch fast zehn Prozent betragen.

Bundesweit dürften Eigentumswohnungen im Vorjahr um knapp vier Prozent teurer geworden sein. Die Preisstatistiken diverser Plattformen, die weiterhin von starken Zuwächsen sprechen, zog Reikersdorfer deshalb am Donnerstag schwer in Zweifel; diese Zahlen würden nämlich nur Angebots-, keine tatsächlich erzielten Verkaufspreise beinhalten. Und der Unterschied sei mitunter gewaltig, was einerseits an den teils völlig überzogenen Preisvorstellungen mancher Abgeber liege, andererseits auch an fallweise "wenig genau recherchierenden Maklern".

Selbstnutzer statt Anleger

"Die Preiskurve wird abflachen", fasste der Managing Director von Re/Max Austria, Anton Nenning, die Trends für das neue Jahr zusammen. Intern habe man das Jahr 2013 als "Zwei-Drittel-Jahr" bezeichnet - "die Hälfte bis zwei Drittel des Wachstums von 2012, das beschreibt das Jahr 2013 ganz gut".

Bei den Käufern seien wieder die Selbstnutzer im Vormarsch, die Anleger halten sich zurück, so Nenning weiter. Mietwohnungen in zentraler Lage werden außerdem wieder begehrter als Eigentumswohnungen, unter anderem deshalb, weil kaufwillige Maklerkunden aufgrund des geringen Angebots vermehrt auf Mietwohnungen ausweichen würden. 

Wohnen am Land billiger

In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass für Eigentumswohnungen in zentraler Lage stärkere Wertsteigerungen (+5,9 Prozent) erwartet werden. Gleiches gilt für zentral gelegene Mietwohnungen (+4,7 Prozent). Billiger wohnen kann man am Land, hier dürften sowohl Eigentums- als auch Mietwohnungen um knapp zwei Prozent günstiger werden.

"Unverändert schlecht" werde der Markt für Gewerbeimmobilien laufen, so Nenning. Bei Büroflächen wird heuer ein Preisrückgang um 3,6 Prozent erwartet.

Große Unterschiede nach Bundesländern

Beträchtliche Unterschiede weisen auch die Bundesländer-spezifischen Erwartungen der Makler auf. Am stärksten zulegen dürften die Preise im Burgenland mit 5,4 Prozent, hier finde allerdings eine "Nachholaktion im Vergleich zum Vorjahr" statt, erklärte Nenning. Stärker zulegen dürften die Preise auch in Kärnten (4,5 Prozent) sowie in Wien und in der Steiermark (jeweils 3,9 Prozent).

Keine Änderung wird in Oberösterreich erwartet, auch in Salzburg (+0,9 Prozent), Tirol (+1,4 Prozent), Niederösterreich (+2,6 Prozent) und Vorarlberg (+3,0 Prozent) wird eine eher verhaltene Preisentwicklung erwartet.

Eine Milliarde Transaktionsvolumen

Re/Max Austria meldet für 2012 erstmals ein Transaktionsvolumen von mehr als einer Milliarde Euro, was einem Plus von 10,8 Prozent entspricht. Der stärkste Zuwachs sei bei der Vermittlung von Mietwohnungen erzielt worden, nämlich mehr als 30 Prozent. Die Provisionsumsätze stiegen um acht Prozent; die Immobilienertragssteuer habe sich auf den Markt kaum ausgewirkt, sagte Reikersdorfer.

Mit der Luxus-Vertriebsschiene "Re/Max Collection", die Reikersdorfer und Nenning vor einem Jahr präsentiert hatten, habe man 2012 "Erfahrungen gesammelt", sagte Reikersdorfer. Weiterhin werden mit dem in Velden erstmals erprobten Konzept zwölf Standorte in ganz Österreich angestrebt.

Mehr Büros

103 Büros mit 450 Mitarbeitern arbeiten derzeit im Zeichen des Ballons, für 2013 hat man sich die Erweiterung um zehn Büros zum Ziel gesetzt. Im ersten Quartal 2013 werden neue Büros im 15. Wiener Bezirk sowie in Klagenfurt und Groß-Enzersdorf eröffnet. (Martin Putschögl, derStandard.at, 3.1.2013)

  • 30 Prozent des österreichischen Immobilienmarktes finden in Wien statt (Bild: Linke Wienzeile). Wohneigentum ist hier knapp und begehrt, der Gewerbeimmobilienmarkt schwächelt aber weiter.
    foto: putschögl

    30 Prozent des österreichischen Immobilienmarktes finden in Wien statt (Bild: Linke Wienzeile). Wohneigentum ist hier knapp und begehrt, der Gewerbeimmobilienmarkt schwächelt aber weiter.

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    grafik: apa
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