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Der Wahlkampf hat noch nicht offiziell begonnen, doch die beiden Schwergewichte von Italiens politischer Szene, der zurückgetretene Premier Mario Monti und sein Vorgänger Silvio Berlusconi, haben bereits einen groß angelegten Wahlkampf im Fernsehen und Radio gestartet, um bei der Wählerschaft an Zuspruch zu gewinnen. Ob Polit-Show, Unterhaltungssendung oder Radioprogramm: Kein Tag vergeht, ohne dass Monti und Berlusconi persönlich oder zumindest telefonisch auftreten.
Die beiden Ex-Regierungschefs rennen gegen die Zeit an. 45 Tage vor den am 24. und 25. Februar geplanten Parlamentswahlen tritt das sogenannte „Par Condicio"-Gesetz in Kraft, das Wahlwerbung der Parteien im Fernsehen streng regelt. Beide werden dann ihre TV-Auftritte stark einschränken müssen. Kein Wunder, dass sie jetzt die verbleibende Zeit nutzen, um massiv im Fernsehen aufzutreten.
In ihrem Marathon vergessen die beiden Ex-Premiers auch die neuen Medien nicht. Monti sendet per Twitter seine täglichen Botschaften, in denen er seine ambitionierte Agenda wirtschaftlicher und politischer Reformen vorstellt und die Italiener dazu mahnt, den eingeleiteten Sanierungsweg fortzusetzen. Hierbei tut es ihm Berlusconi gleich, der erst am 6. Dezember sein Twitter-Profil eingeweiht und in zwei Tagen über 70.000 Followers gesammelt hat. Dies nährt bei Kritikern den Verdacht, dass sich der Medienzar die Followers "gekauft" habe.
Berlusconi hinten
Laut Meinungsumfragen hinkt Berlusconis Mitte-Rechts-Partei PdL mit 17 Prozentpunkten weit hinter der Mitte-Links-Kraft "Demokratische Partei" (PD) um seinen Rivalen Pierluigi Bersani her, doch gibt sich der TV-Tycoon nicht geschlagen. Er, der bei den Parlamentswahlen im Februar zum sechsten Mal in 18 Jahren als Premierkandidat antritt, setzt auf seine Mediengewandtheit, um die Gunst der unentschiedenen Wähler zu gewinnen. "Social Networks sind wichtig, doch ich bin überzeugt, dass das Fernsehen immer noch der beste Weg ist, den Familien die Wahrheit mitzuteilen, vor allem jenen, die keine Zeitung lesen", so Berlusconi. Hatte der Großunternehmer in den vergangenen Jahren direkte TV-Debatten mit seinen Rivalen gescheut, so erklärte sich Berlusconi diesmal zu einem TV-Duell mit Bersani bereit.
Fernsehmonolog
Für Empörung sorgte zuletzt ein Fernsehmonolog Berlusconis, der vor seinem TV-Sender "Canale 5" ausgestrahlt wurde. Über zwei Stunden lang sprach Berlusconi im Rahmen der sonntäglichen Unterhaltungsshow "Domenica Live", ohne dabei von der populären TV-Moderatorin Barbara D'Urso unterbrochen zu werden. Der Solo-Auftritt des Mailänder Magnaten, der mit scharfen Attacken gegen Rivalen und Richter nicht sparte, löste die hitzige Reaktion der Berlusconi-Kritiker aus.
Im Vergleich zum exzentrischen TV-Tycoon erscheint Monti im Fernsehen oft steif und gehemmt. Lediglich sein britischer Humor kommt ihm zu Hilfe. Der Umwandlungsprozess vom rigorosen Wirtschaftsexperten zum Politiker fällt dem 69-jährigen Lombarden offenkundig nicht ganz einfach. "Monti will seinen rigoroses Technokraten-Look abschütteln und ein stärkeres Pop-Image aufbauen. Dabei muss er sich zurückhalten, sich den Zuschauern wie ein Professor vom Katheder aus zuzuwenden", analysierte die römische Tageszeitung "La Repubblica".
Nach einer zweistündigen Pressekonferenz zu Jahresschluss ist auch Monti jetzt täglich in Talkshows und Unterhaltungsprogrammen zu sehen. Am Freitag nahm Monti als Gast der von RAI 1 gesendeten Morgenshow "UnoMattina" teil. Kritik musste er vom angesehenen Kommunikationsexperten Carlo Freccero hinnehmen: „Wenn Monti spricht, spürt man den Heiligen Geist, der ihm durch die Europäische Zentralbank eingegeben wird". (APA, 3.1.2013)
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