Ubuntu stellt Betriebssystem für Smartphones vor

Andreas Proschofsky
2. Jänner 2013, 21:34
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    foto: ubuntu.com

Setzt auf Web-Apps oder native Anwendungen, Desktop-Modus und neue User-Interface-Konzepte - "Hilfe" von Android

Das Ubuntu-Jahr 2013 beginnt mit einer Ankündigung der besonders ambitionierten Sorte: Im Vorfeld der Consumer Electronics Show (CES), die kommende Woche in Las Vegas abgehalten wird, hat Softwarehersteller Canonical die Erweiterung seiner Aktivitäten auf den Smartphone-Bereich angekündigt.

Zielsetzung

Mit "Ubuntu for Phones" will man eine Alternative zu Android, iOS und Co schaffen - und hofft dabei vor allem auf die Verlockungen der Konvergenz zwischen unterschiedlichen Gerätetypen. Eine für Ubuntu entwickelte App soll künftig auf unterschiedlichsten Formfaktoren laufen, also vom Smartphone bis zum Desktop.

UI-Konzepte

Darüber hinaus will man aber auch mit neuen User-Interface-Konzepten glänzen, die weder den klassischen Android/iOS-Konzepten noch einem Windows-Phone-Ansatz folgen. Ähnlich wie bei Nokias N9 mit MeeGo stehen bei Ubuntu for Phones Wischgesten ganz im Vordergrund: So kann etwa die Liste der favorisierten Apps über einen kurzen "Swipe" vom linken Bildschirmrand aufgerufen werden - vergleichbar mit dem Unity-Launcher der Desktop-Version von Ubuntu.

Gesten

Ein vollständiger Swipe von links nach rechts führt hingegen zu einer Übersicht der aktuell laufenden Anwendungen. Mit einer Wischbewegung in die umgekehrte Richtung wird hingegen zur zuletzt benutzten App zurückgekehrt. Auf klassische Navigationselemente verzichtet man hingegen zur Gänze, fixe Knöpfe am Smartphone sind in diesem Konzept also nicht mehr vorgesehen. Der "Home Screen" wiederum präsentiert sich vor allem als Liste der zuletzt genutzten Anwendungen und Dokumente.


Mark Shuttlworth stellt "Ubuntu for Phones" vor

Es ist nicht Canonicals erster Versuch Fuß im Smartphone-Bereich zu fassen. Rund ein Jahr ist es her, da verfolgte man mit "Ubuntu for Android" noch einen etwas anderen Ansatz. Als ein Aufsatz für Android war die damals präsentierte Lösung gedacht, ein Art "Webtop", der bei der Verbindung mit einem Dock statt dem Android-System genutzt werden hätte können.

Desktop

Diesen Ansatz hat man dabei keinesfalls begraben, wie Shuttleworth eilig betont, so soll "Ubuntu for Phones" ebenfalls einen Desktop-Modus bieten, der beim Einstecken in ein Dock auf einem externen Monitor dargestellt wird. Aktuelle Smartphones seien längst so leistungsfähig wie kleine Desktop-Rechner, also können sie auch als solche benutzt werden - so der Gedanke. Gerade für Firmen sieht man in so einem Ansatz einen entscheidenden Vorteil, immerhin gebe es nur ein System zu warten und abzusichern. Das erwähnte "Ubuntu for Android" soll übrigens trotzdem separat weiter gepflegt werden. Hier hofft man im Verlaufe des Jahres die ersten konkreten Partnerschaften verkünden zu können.

Technische Basis

Bei der technischen Implementation von "Ubuntu for Phones" hat man sich (ähnlich wie auch Mozillas Firefox OS, Anm.) indirekt Hilfe von Google geholt, nutzt Ubuntu for Phones doch den Android-Kernel - der wiederum allerdings natürlich eine angepasste Version des Linux-Kernels ist. Der entscheidende Vorteil dieser Herangehensweise: Man bekommt all die für Android entwickelten Treiber quasi "gratis" dazu, kann also bestehende Smartphones rasch unterstützen.

"Ubuntu for Phones" Hands on

Über der Kernel-Ebene gehen die Systeme dann allerdings deutlich auseinander, Ubuntu will ein vollständiges Linux sein, wo Android nur begrenzte Ähnlichkeit mit dem üblichen "Userspace" des freien Betriebssystems aufweist. Auch in der Entwicklung von Apps geht man vollständig andere Wege: So können Ubuntu-Apps sowohl als "Web Apps" - also in HTML5 - oder "nativ" für das auch von MeeGo, Symbian oder KDE bekannte Qt/QML samt OpenGL-Support für 3D-Operationen verfasst werden.

Vorteile

Ubuntu-Gründer Shuttleworth streicht dabei heraus, dass durch den Verzicht auf eine Virtual Machine, wie sie bei Android in Form von "Dalvik" zum Einsatz kommt, ein entscheidender Overhead entfällt, Ubuntu-Apps (zumindest jene, die in QML mit C++ verfasst werden, Anm.) also eine bessere Performance - und einen niedrigeren Speicherverbrauch - liefern sollen.

Zeitablauf

Wann - und ob - erste Geräte mit "Ubuntu for Phones" auf dem Markt kommen, steht derzeit allerdings noch in den Sternen. Shuttleworth spricht vage von Anfang 2014, konkrete Partnerschaften kann man bislang jedoch nicht vorweisen, insofern ist dies also eher noch als Hoffnung zu werten.

Galaxy Nexus

Bis es soweit ist, nutzt man bestehende Hardware: Für EntwicklerInnen - und interessierte Ubuntu-EnthusiastInnen soll in den "kommenden Wochen" ein erstes Image von "Ubuntu for Phones" veröffentlicht werden, das sich auf dem Galaxy Nexus installieren lassen soll. Das Vorjahresmodell von Google soll zumindest vorerst auch die einzige offiziell von Canonical unterstützte Plattform bleiben. Aufgrund der vollständigen Verfügbarkeit des Source Codes ist allerdings zu erwarten, dass sich die Community rasch um weiter Portierungen kümmern wird.

Einheitlich

Aktuelles Entwicklungsziel ist es jedenfalls mit Ubuntu 14.04 - also jener Version, die im April 2014 erscheinen soll - ein gemeinsames Linux-System vom Server bis zum Smartphone anzubieten.

Einschätzung

Auf dem umkämpften Mobilfunkmarkt wird es für Canonical trotzdem nicht gerade leicht werden, konkurriert man - neben Google, Apple und Microsoft, doch auch noch mit einer wachsenden Schar anderer Unternehmen, die ebenfalls einen Fuß in den Smartphone-Markt bringen wollen. So arbeitet etwa Samsung aktuell an Tizen, Mozilla setzt mit Firefox OS - und dem Partner Telefonica - ganz auf Web Apps, und dann steht natürlich noch Jolla mit dem MeeGo-Nachfolger Sailfish OS in den Startlöchern. (apo, derStandard.at, 03.01.13)

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Jolla oder Ubuntu

das wird noch eine Spannende Frage. Oder noch besser, ein Handy auf welches ich beides installieren kann. Dann könnte ich beides ausgiebig testen und nachher entscheiden. Das wird jetzt ein spannendes Jahr. Vor allem weil mich mein sehr günstiges Android schon langsam ein wenig nervt.

Jetzt werden sich die ganzen mobilen Opensource Entwickler wieder gegenseitig umbringen. Siehe Firefox OS, Jolla, Ubuntu usw.

Aber sonst geht's Ihnen hoffentlich gut!?

Wobei er nicht ganz unrecht hat.
Je mehr verschiedene Plattformen es gibt um so mehr, müssen die Apps Portiert werden.
Mögliche Folge einige Apps gibt es nur für die eine Plattform, andere nur für die andere Plattform.

Es ist jetzt schon im Grunde kein Platz mehr für andere Mobile OS. WP ist zb. ein sehr gutes OS ist aber leider zu spät gestartet und dass dauert jetzt einige Jahre bis da mal was rausschaut. Ein Grund warum sich Linix am Desktop nie durchgesetzt hat ist einfach dass es für den Normalverbraucher undurchschaubar geworden ist alleine schon aufgrund der unzähligen Versionen und Anbieter. 2011 war der Marktanteil von Linux weltweit bei Marktanteil 1,41 %.

Ich habe ja nichts gegen Open Source OS aber solange sie nicht ausgereift sind sollte man da keine groß angelegten Präsentationen damit machen. Was habe ich als Entwickler davon wenn weltweit 10 000 Nerd's mein OS einsetzen aber die Masse damit nicht erreicht wird?

Linux mag auf dem Desktop einen verschwinded

kleinen Marktanteil haben, dafür werkeln Linux-Distros auf dem Großteil der Server, Handys, in Autos, Steuerungen usw. usf.

Und selbst wenn es Ubuntu in diesem Bereich nicht schafft - was ist das Problem?

Einfalt statt Vielfalt muss die Devise lauten!

Da haben Sie ganz recht!
Ich freue mich schon, wenn es weltweit nur mehr einen einzigen Bierhersteller gibt. Dann muss ich diese lästige Entscheidung auch nicht mehr treffen.
</sarcasm>

hat schon was - ein Alternativsystem hätte vielleicht Chancen, aber 3, 4, 5? Dafür gibt es kaum einen Markt und sie graben sich gegenseitig das Wasser ab... Alles tolle Ideen, aber um gegen Google, Apple und ev. Microsoft zu bestehen braucht es mehr als gute Ideen, braucht es Marktmacht.

Entscheidend ist, dass der Quellcode offen ist. Dann wirds ähnlich wie bei Android auch traumhafte Custom- ROMs für verschiedene Smartphones geben.

Ich glaub dafür, spricht am besten eher der Android Kernel, wo ja bei custom roms doch zumeist die orignal CS Treiber der Hersteller verwendet werden.
Bei einem anderen Kernel würde es wohl eher kahl in der Landschaft der custom roms ausschaun.
Und wenn Ubuntu wirklich ein vollständiges Linux ausliefert, braucht man keine unterschiedlichen "Versionen", da sich diese durch installation von ein Paar Paketen verändern lassen. (Wie zb. Gnome Shell on Ubuntu)

"Mit "Ubuntu for Phones" will man eine Alternative zu Android, iOS und Co schaffen"

"Shuttleworth spricht vage von Anfang 2014, konkrete Partnerschaften kann man bislang jedoch nicht vorweisen,..."

Sogar die Co's tun sich schwer, Anschluß zu finden. Vage von Anfang 2014 und unkonkreten Partnerschaften zu sprechen, klingt eher nach einer Totgeburt.

Partnerschaften sind sehr wichtig, aber aufgrund der Hardwarekompatibilität mit Android-Phones für den Start nicht unbedingt notwendig.. und eine riesige Community hat Ubuntu ja schon.

aber aufgrund der Hardwarekompatibilität mit Android-Phones für den Start nicht unbedingt notwendig

Auch wenn Smartphones wie Computer mit vorinstallierten Betriebssystem ausgeliefert werden.

So nutzen nur wenige Custom ROMs.

Die meisten Smartphone Besitzer interessiert es auch nicht was installiert ist, sondern die Marke des Smartphones.

Und zu guter letzt immerhin wollen die ja Geld damit machen wenn der User das selbst installiert wirds nix mit den Verträgen.

Partnerschaften sind überlebenswichtig. Sogar Jolla ist näher an Partnerschaften dran (und deren Positionierung besser). Bada, welches nun in Tizen aufging, hat sich sehr gut verkauft. Tizen ist breiter aufgestellt als vormals Bada. Shuttleworth hat eine große Klappe. Das mobile Geschäft ist aber nochmals um ein vielfaches härter und schnelllebiger als das stationäre.

Da die Smartphones die neuen Computer und die Wachstumsraten enorm sind, war ich immer der Meinung, dass es genügend Potential und Spielraum für Newcomer gibt. Derselben Meinung bin ich immer noch. Das Zeitfenster wird eben immer kleiner. Wie sich die Nachzügler wie BB und WP schlagen werden, werden wir sehen. Ich glaube komischerweise eher an BB (und bin kein Fanboy).

Nein, außer bei WP8 sollte man von vorhinein bei keinem System von einer Totgeburt sprechen!

Bei WP bin und war ich immer skeptisch. Trotz Millioneninvestitionen kommt WP nicht wirklich vom Fleck und bleibt im niedrigen einstelligen Bereich. Ballmer aber ist für seinen erfolgreichen Kampf, gerade im mobilen Sektor, bekannt.

hmm...

eine totgeburt wie blackberry10?

warum muss man wenn man fanboy von einem system ist das andere system von vornherein ablehnen, vor allem wenn dieses system ja nicht mal am markt ist?

woher wissen sie das es eine totgeburt wird, wo die oberflaeche eh so aussieht wie alle anderen (well ausser den kacheln) und funktion koennen wir noch gar nicht einschaetzen, da wir es uns noch nicht installieren und ausprobieren koennen?

ich kann es nicht erwarten bis mobile mozzilla os, ubuntu os, tizen os und web os oder wie die alle heissen endlich rauskommen, so dass man z.b. ein mobile system an einem "android" handy verwenden kann, wo ich selbst entscheiden "darf" was ich erlaube und was nicht und nicht alles google verseucht ist

Es scheint für manche schwierig zu sein, eine Meinung zu akzeptieren, ohne zugleich andere als Fanboy zu bezeichnen.

Ich bezeichne es als eine Totgeburt mit den Argumenten, die ich genannt habe. In dieser schnelllebiegen Zeit ist in dem mobilen Bereich mind. ein Jahr eine zu lange Zeit. Und ohne marktrelevante Partnerschaft der Tod vor der eigentlichen Geburt.

Na dann doch lieber Amazon-verseucht?

Nicht dass ich was gegen Ubuntu oder Amazon hätte (ich habe bereits meine Begeisterung für Ubuntu for Phone ausgedrückt) - aber Amazon, MS, Apple, Foursquare, Instagram,... und natürlich Facebook spielen in derselben Liga wie Google. - Und trotzdem machen sich alle fast ausschließlich vor letzterem in die Hose, während sie den anderen mehr oder weniger in die Arme laufen.

Ich kaufe gerne bei Amazon, aber was im Falle Googles für Massenhysterie sorgt, wird dort seit eh und je noch offensiver betrieben.
Darüber hinaus wissen FB und seine Partner viel mehr (Persönliches, Relevantes) über die User - und dort schreiben's die Leute sogar freiwillig rein.

...

die einzige firma/dienst (von denen die sie da aufzaehlen) die ich benutze ist amazon zum kaufen von papierbuechern und alle paar monate was anderes wie winterhaube oder ein usb stick.

ich benutze keine social networks, kein cloud, kaufe keine spiele bei denen ich immer online sein muss, und bin auch nicht bloed meine photos usw. ins web zu pusten, denn die gehen niemanden was an. das gleiche kann ich sage fuer die meisten leute die ich kenne, wobei diejenigen die facebook haben sind meist die, die es fuer familienkontakte mit entfernten verwandten nutzen.

fuer die baby fandroiden: google war eine datenkrake lange bevor es den androiden gab und dank iphone hat google geschafft android so zu hypen, dass vielen das kritische denken abging

Das sie Microsoft und Apple nicht benutzen

ist löblich, wenn auch selten...

Aber das sie im INet noch nie eine Suchmaschiene benutzt haben die nicht Google benutzt halte ich für unwahrscheinlich.....

duckduckgo z.B.?
bing, yahoo, ecosia, ix-quick,... Wie kommen sie drauf, dass es nicht auch ohne Google gibt?
Kombiniert ist das die beste Suche

weil

DiuckDuckGo auch (zum teil) über google sucht, Bing wird er nicht benutzen wenn er MS nicht unterstützt....

kann er nicht noch langsamer sprechen?

Ich finde/fand Ubuntu for Android anno dazumals schon spannend. Das Glück ist, das MS es nicht zustande bekommen hat, Windows 8 welches bekanntlich auf allen möglichen Plattformen läuft, entsprechend zeitnah auszurollen. Auf ordentliche Smartphones und Tablets wartet man noch immer!

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