Deutsches Kanzlergehalt: Wahlkampf einmal anders

Kommentar |

Steinbrück ist der Meinung, dass soziale Gesinnung und ausgeprägtes Leistungsdenken keine Widersprüche sind

Ist es vor allem eine Ehre, deutscher Bundeskanzler zu sein und die Politik des Landes entscheidend mitgestalten zu können? Oder ist es vor allem ein beinharter 24-Stunden-365-Tage-Job, der im Vergleich mit (oft weit weniger verantwortungsvollen) Posten in der Wirtschaft krass unterbezahlt ist?

Von Letzterem ist Peer Steinbrück, Kanzlerkandidat der Arbeitnehmerpartei SPD, überzeugt. Und er sagt es auch ganz ungeniert - offensichtlich ohne Rücksicht darauf, dass dies seine Chancen bei der Bundestagswahl in diesem Jahr schwer beeinträchtigen könnte.

Das treibt so manchen Genossen, die schon Steinbrücks stattliche Vortragshonorare für unanständig hielten, noch tiefere Zornesröte ins Gesicht. Und Amtsinhaberin Angela Merkel muss nur lapidar mitteilen lassen, sie sei mit ihrem Einkommen zufrieden. Das sind, alles in allem, 300.000 Euro brutto jährlich - knapp elfmal so viel wie das Durchschnittsgehalt eines deutschen Arbeitnehmers.

Man kann das mit gutem Grund für ausreichend halten, gerade in einer Zeit, da die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht. Steinbrück hingegen ist der Meinung, dass soziale Gesinnung und ausgeprägtes Leistungsdenken keine Widersprüche sind. Dass er dafür von Parteifreunden unter Hinweis auf den Wahlkampf geprügelt wird, hat etwas Heuchlerisches. Wann, wenn nicht vor Wahlen, soll ein Politiker sagen, was er denkt? (Josef Kirchengast, DER STANDARD, 3.1.2012)

 

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