Deutsches Kanzlergehalt: Wahlkampf einmal anders

Kommentar | Josef Kirchengast
2. Jänner 2013, 18:22

Steinbrück ist der Meinung, dass soziale Gesinnung und ausgeprägtes Leistungsdenken keine Widersprüche sind

Ist es vor allem eine Ehre, deutscher Bundeskanzler zu sein und die Politik des Landes entscheidend mitgestalten zu können? Oder ist es vor allem ein beinharter 24-Stunden-365-Tage-Job, der im Vergleich mit (oft weit weniger verantwortungsvollen) Posten in der Wirtschaft krass unterbezahlt ist?

Von Letzterem ist Peer Steinbrück, Kanzlerkandidat der Arbeitnehmerpartei SPD, überzeugt. Und er sagt es auch ganz ungeniert - offensichtlich ohne Rücksicht darauf, dass dies seine Chancen bei der Bundestagswahl in diesem Jahr schwer beeinträchtigen könnte.

Das treibt so manchen Genossen, die schon Steinbrücks stattliche Vortragshonorare für unanständig hielten, noch tiefere Zornesröte ins Gesicht. Und Amtsinhaberin Angela Merkel muss nur lapidar mitteilen lassen, sie sei mit ihrem Einkommen zufrieden. Das sind, alles in allem, 300.000 Euro brutto jährlich - knapp elfmal so viel wie das Durchschnittsgehalt eines deutschen Arbeitnehmers.

Man kann das mit gutem Grund für ausreichend halten, gerade in einer Zeit, da die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht. Steinbrück hingegen ist der Meinung, dass soziale Gesinnung und ausgeprägtes Leistungsdenken keine Widersprüche sind. Dass er dafür von Parteifreunden unter Hinweis auf den Wahlkampf geprügelt wird, hat etwas Heuchlerisches. Wann, wenn nicht vor Wahlen, soll ein Politiker sagen, was er denkt? (Josef Kirchengast, DER STANDARD, 3.1.2012)

 

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wer in die politik geht weiß vorher was ihn erwartet

eben dieser rund-um-die-uhr-job der im vergleich zur privatwirtschaft schlecht bezahlt ist. aber es weiß auch jeder, dass er nach seiner politikerkarriere nicht nur eine top-pension kriegt, sondern durch bücher, vorträge und dieverse beraterjobs sensationell verdienen kann. so what?

Tatsache ist, dass man Politiker gut bezahlen muss, wenn man will, dass fähige Leute in die Politik gegen statt in die Privatwirtschaft.
Tatsache ist auch, dass das Gehalt der deutschen Bundeskanzlerin ok ist.
Tatsache ist weiters, dass Steinbrück selbst mit einem viertel des Bundeskanzlerinnengehalts gnadenlos überbezahlt wäre.
Und jetzt möchte ich sehen, wie Steinbrück einer Aldi-Verkäuferin oder einem Hartz 4-Empfänger erklärt, warum ihm das Bundeskanzlerinnengehalt zu niedrig ist.

Dieser selbstverliebt posende Schachbrettseitenverwechsler,

nun auch noch fürs Kanzleramt kandidierende, geld- und publikumsgeile Steinbrück, ist die zum Fremdschämen peinlich-schamlose und Platzen pralle, personifizierte Finanzblase der SPD-"Peer"group. "Arbeitnehmerpartei"? Wir befinden uns mittlerweile im Jahre 2013!

Ach - mögen Sie diesen hanseatischen Primitivling ebensogern wie ich?

;)

verantwortungsvoller Posten bei dem der Kanzler nie die Last der Verantwortung wirklich tragen muss!

Diese rechtsdrehende "SPD" will gar nicht gewinnen.

Hauptsache es reicht für eine grosse Koalition, wo's ihrer Klientel zu Dienste sein können.

Das ist nicht Österreich. Abgesehen davon ist jede Partei immer ihrer Klientel verpflichtet.

Steinbrück möchte halt das, was der "Genosse der Bosse"

erst nach seiner Kanzlerschaft lukrierte, bereits während derselben einstreifen. Denn in den in Frage kommenden einträglichen Nach-Kanzler-Fauteuils hockt inzwischen schon Schröder ....

... und wenn es mit der Kanzlerschaft in DE wie zu erwarten nicht klappt,

kann er sich ja immer noch als Stadtamtsdirektor von Ouagadougou verdingen. der Job ist auch sicher ganz gut dotiert...

Steinbrück ist zweifellos

ein hochintelligenter Mensch, beim politstrategischen Einsetzen derselben hapert's halt noch ein bisschen. Das kann man tatsächlich "erfrischend", "authentisch" usf finden, wird ihm aber am Ende dann wohl doch realpolitisch das Genick brechen.

Steinbrück ist zweifelsohne ein selbstgefälliger, selbstgerechter, beratungsresistenter Mensch, der schon jede kritische Frage als persönliche Beleidigung betrachtet.

das problem ist nicht das kanzlergehalt. das ist im großen und ganzen in ordnung (weder viel zu hoch noch viel zu niedrig). das problem sind die unfaßbar und skandalös hohen gehälter in der wirtschaft, gegen die ein kanzlergehalt vergleichsweise fast schon wie ein mindestlohn wirkt.

So ein Schmarrn. Besser wenn die Eigentümer noch mehr (ohne überhaupt zu arbeiten) abräumen?

Nein. Besser wäre es, wenn die Waren günstiger werden oder bei den KV-Verhandlungen für die Mitarbeiter mehr raus käme. Denn der Eigentümer sieht von dem Geld eh nix. Entweder kassiert es der Manager oder "die Kunden" oder die Angestellten und Arbeiter.

Beruhigend, nicht nur in Österreich sind Politiker zu dumm um ihre Chancen bei bald stattfindenden Wahlen zu maximieren. Ob es da Telefonate zwischen Steinbrück und unserem Werner nach dem Theater rund um den U-Ausschuss gegeben hat? So a la "tu mir den Gefallen und mach auch was Blödes, damit ich nicht ganz alleine dasteh".

...

Der Staatsdienst muß zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut sind, NICHT zum Nutzen derer, denen er anvertraut ist.

Marcus Tullius Cicero

"Wann, wenn nicht vor Wahlen, soll ein Politiker sagen, was er denkt?"

... dass er die Wahrheit sagt (vor der Wahl) ist eh nicht das Problem. Sondern dass er eben so denkt und auch handelt!
Und ja, Leistungsdenken und soziale Gesinnung sind schon ( ..... ) vereinbar. Nur: So nicht.

man muss die Aussage so verstehen: da das Gehalt zu niedrig ist will ich gar nicht Kanzler werden!
(er wird es nämlich eh nicht)

Verstehe ich das richtig?

In diesem Forum (und überhaupt im ganzen Land) wird (durchaus zurecht) andauernd darüber gemault, dass Politiker nur vorgefertigte NLP-Schwurbel-Antworten geben, die eigentlich nichts mit der echten Meinung zu tun haben.

Nun sagt ein Politiker einmal was er sich wirklich denkt und wird dafür von den Medien und den Foren-Muppets dreimal durch Europa gewatscht?

Und ganz ehrlich: ihr wundert euch noch, wenn Politiker nur mehr NLP-Geschwurbel von sich geben? :-)

Wissen Sie, es kommt nicht nur darauf an, dass man sagt, was man denkt. (Das kann jeder!) Es kommt darauf an, WAS man denkt.

Nope

Steinbrück sagt fast immer, was er sich denkt. Die Sache ist die: Den Typen lastet sein Abgeordnetenjob anscheinend derart aus, dass er für über 100 bezahlte Vorträge im Jahr Zeit hatte. Es geht nicht darum, dass er als Kanzler zu wenig verdienen würde, es geht darum, dass er auf sich dem Gebiet auf sehr dünnem Eis befindet und nicht das Recht hat, zuwenig Gehalt zu bemängeln. Ich erinnere mich mit Vergnügen an einen schönen Satz von ihm:
"Ich hab mal ausgerechnet, was ich als Finanzminister pro Stunde verdiene. Es sind grade mal 38 Euro 50 netto." mit Betroffenheitsmiene vorgetragen. Das ist das Problem, nicht seine durchaus ernst gemeinte Aussage.

Steinbrück wird Kanzler, wenn SPD & Grüne mehr Sitze im Bundestag haben als alle anderen

Das bedeutet vor allem: Die FDP darf nicht ins Parlament einziehen. Die Union wird früher oder später eine Zweitstimmenkampagne für die Liberalen starten müssen, da sie sonst auf eine starke Linke hoffen müsste. Danach sieht es z.Zt. nicht aus. Interessanterweise spielt das bisherige FDP-Klientel das Zünglein an der Waage, insofern liegt Steinbrück vielleicht garnicht so daneben....

Richtig. Wobei es nach gegenwärtiger Umfragelage nur dann eine Chance auf eine rot-grüne Mehrheit gibt, wenn die FDP rausfliegt und die Piraten nicht reinkommen. Außerdem müsste die Linke schwach abschneiden.

Derzeit sagen zwar die meisten Umfragen in der Tat für FDP und Piraten ein Ergebnis unter 5% voraus, allerdings hätten SPD und Grüne weniger als Union und Linke. Dann käme es wohl wieder zu einer großen Koalition (mit Merkel, ohne Steinbrück).

Steinbrück müsste also der Linken Stimmen abjagen. Wird mit dieser Rhetorik kaum gelingen.

Lösungsvorschlag, Otto Reutter

Acht Stunden Arbeit wird als recht empfunden,
trotzdem ha'm wir nur EINEN Präsident.
Wir brauchen dreie - jeden für acht Stunden -
wählt drei verschied'ne aus dem Parlament!
Von rechts, von links, und einen aus der Mitte,
der zweite korrigiert den ersten dann,
und was der zweite macht, verpfuscht der dritte -
das ist so einfach, und man denkt nicht dran.

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