Briten verlieren Match gegen UniCredit

2. Jänner 2013, 18:39
11 Postings

Der britische Fonds Polygon hat das Schiedsverfahren mit UniCredit um den Abfindungspreis für Bank-Austria-Aktien verloren

Wien - Vor fast fünf Jahren, im Mai 2008, hat sich die von der UniCredit geschluckte Bank Austria von der Börse verabschiedet - das Match um die Abfindung für die Ex-Kleinaktionäre läuft allerdings noch immer. UniCredit hat den Streubesitz via Squeeze-out (Zwangsausschluss) um 129, 4 Euro je Aktie ausgekauft; was in Summe fast eine Milliarde Euro gekostet hat. Ob der Preis von 129,4 Euro angemessen ist, wird das seit Jahren laufende Überprüfungsverfahren vor dem Handelsgericht Wien dereinst ergeben.

Für den britischen Hedgefonds Polygon, der sehr spät eingestiegen war und zuletzt an die fünf Prozent an der Bank gehalten hatte, ist ein Teil des Verfahrens nun aber beendet. Polygon wollte dem Vernehmen nach zuletzt eine Aufstockung der Abfindung auf 170 bis 200 Euro je Aktie erreichen - und hat zu diesem Behufe seit 2009 ein Schiedsverfahren mit der UniCredit geführt.

Die Schiedsrichter (Anwalt Hellwig Torggler wurde von der UniCredit nominiert, Wirtschaftsprüfer Walter Platzer von Polygon) unter Vorsitz von Verfassungsrichter und Rechtsanwalt Christoph Herbst haben nun Ende Dezember entschieden. Recherchen des Standard haben ergeben, dass Polygon gemäß Schiedsspruch verloren hat, UniCredit muss nichts nachzahlen. Die Schiedsrichter sind zwar auf Basis diverser Gutachten auf einen Abfertigungspreis von angeblich rund 139 Euro je Aktie gekommen - dass Polygon trotzdem nichts mehr kassieren kann, liegt an einer Schiedsklausel, die Bank und Ex-Aktionär Polygon vereinbart haben. Vereinfacht dargestellt hätte Polygon erst ab einem Aktienwert von rund 144 Euro einen Anspruch auf Nachzahlung.

Blich in die Vergangenheit

Um zu erklären, wie das kommt, ist ein Blick in die Vergangenheit nötig. Polygon und drei weitere Fonds hatten das Squeeze-out durch den Haupteigentümer UniCredit nämlich per Anfechtungsklagen torpediert. Und um diese Blockade zu lösen, hat die Bank sie mit Vergleichszahlungen in zweistelliger Millionenhöhe befriedet. Diese Spezialzahlungen wurden Polygon (der Fonds wollte eben eine noch höhere Abfertigung) per Schiedsklausel eingerechnet und ergaben offenbar die genannten 144 Euro, bis zu der die Italiener nicht noch mehr drauflegen müssen. Kommentar zur Erledigung des Schiedsverfahrens gibt es von keiner der Parteien, sie haben Vertraulichkeit vereinbart.

Ob der Schiedsspruch das von den Kleinanlegern initiierte gesetzliche Überprüfungsverfahren im Sinne des Gleichbehandlungsgebots beeinflusst, ist noch nicht klar; Präzedenzfälle fehlen. Sollte der "gemeinsame Vertreter", der die Angemessenheit des Abfindungspreises prüft, zu einem Wert über 129,4 Euro kommen, müsste UniCredit jedenfalls nachzahlen.

Zwar gibt es in dem Verfahren bereits ein Gutachten; sein Verfasser, Wirtschaftsprüfer Karl Bruckner von der BDO, ist aber im Sommer gestorben. Nun wird diskutiert, ob man ein neues Gutachten braucht oder nur Interpreten für das vorhandene, in dem Bruckner verschiedene Varianten gerechnet hat. Eine soll 135 Euro ergeben, was den Kleinaktionären sechs Euro je Aktie brächte. "Die Causa hängt aber, weil die involvierten Fonds Widerstand üben", erklärt ein mit der Materie Vertrauter.

Einer dieser Fonds heißt Polygon. Die Briten haben sich vorsichtshalber auch dem Überprüfungsverfahren angeschlossen. (Renate Graber, DER STANDARD, 3.1.2012)

  • Als die Bank Austria Credit-anstalt zur UniCredit Bank Austria wurde, 
tauschte Bankchef Erich Hampel die Schilder aus. Fünf Jahre später 
ist der Streit um den Abfindungspreis, mit dem die Italiener den Streubesitz 
ausgekauft haben, noch immer anhängig. Der britische Fonds 
Polygon hat nun ein Schiedsverfahren mit der UniCredit verloren.
    foto: unicredit

    Als die Bank Austria Credit-anstalt zur UniCredit Bank Austria wurde, tauschte Bankchef Erich Hampel die Schilder aus. Fünf Jahre später ist der Streit um den Abfindungspreis, mit dem die Italiener den Streubesitz ausgekauft haben, noch immer anhängig. Der britische Fonds Polygon hat nun ein Schiedsverfahren mit der UniCredit verloren.

Share if you care.